Noch sind die Impfstoffe gegen Covid-19 nur mit Notfallzulassungen im Einsatz.

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Wissen Gesundheit
09/29/2021

Soll man Kinder unter zwölf Jahren schon jetzt impfen?

Noch gibt es keine Zulassung für diese Altersgruppe. Wenn Ärzte die Verantwortung übernehmen, ist eine Immunisierung aber möglich.

von Ingrid Teufl

Noch sind die verfügbaren Impfstoffe in Österreich nicht für die Immunisierung von Kindern unter zwölf Jahren zugelassen. Dennoch entscheiden sich bereits jetzt Eltern dafür, ihre Kinder impfen zu lassen. Das ist auch möglich – als sogenannter „Off-Label-Use“. Laut Daten des elektronischen Impfpasses sind   in Österreich 1.107 Kinder unter zwölf Jahren teil- und 204 vollimmunisiert (Stand 28. 9. 2021).

Damit ist eine Verwendung außerhalb der bestehenden Zulassung eines Präparats gemeint. Das kann etwa, wie im Fall von Covid-19, eine bestimmte Altersgruppe betreffen oder auch eine andere Erkrankung. Gesetzlich ist dies möglich. Voraussetzung ist eine genaue Aufklärung durch die Ärztin oder den Arzt. Und: Sie oder er muss die Entscheidung gut begründen können. Ebenso wie die Eltern übernehmen die Mediziner die Verantwortung.

Sicherheit

Für Eltern, die die Immunisierung ihrer Kinder in den sozialen Medien öffentlich machen, zählen vor allem Sicherheitsargumente. Sie schätzen das Risiko einer Impfung niedriger ein als das einer Erkrankung und deren Folgen (etwa Long Covid). Eine Mutter berichtet etwa, sie hätte ihr zweijähriges Kind auf jeden Fall impfen lassen, da eine Infektion nur eine Frage der Zeit sei. Mit Zulassung wäre es ihr zwar lieber gewesen, sie habe sich aber jetzt mit allen Konsequenzen für die Impfung entschieden und fühle sich wieder selbstbestimmter.

Andere argumentieren, sie hätten die verfügbaren Fakten geprüft. Weltweit wurden etwa bereits mehr als 100.000 Kinder Off-Label geimpft, allein Biontech/Pfizer verabreichte seinen Impfstoff in den Zulassungsstudien 4.500 Kindern unter zwölf Jahren.

Die Biontech-Gründer kündigten kürzlich an, die Unterlagen für eine Zulassung des Impfstoffs für Fünf- bis Elfjährige weltweit bei den Behörden einreichen zu wollen. Auch Impfexperten rechnen im Oktober oder November mit einer Zulassung. Gegen Jahresende sollen dann auch die Studiendaten zu den jüngsten Kindern ab sechs Monate vorliegen, heißt es bei Biontech.

Dosierung

Ein wichtiger Punkt in den Studien sind die Dosierungen, die bei Kindern geringer als die Erwachsenendosis ausfallen müssen. Als beste Dosierung stellte sich in der ersten Studienphase für Fünf- bis Elfjährige zwei Mal 10 Mikrogramm des Impfstoffs heraus (Erwachsenendosis: 30 Mikrogramm). Auch Hersteller Moderna führt seit März 2021 Studien durch. Hier werden für diese Altersgruppe 50 bis 100 Mikrogramm verwendet, für Erwachsene sind es 100 Mikrogramm.

Länder wie die Slowakei genehmigten Anfang September die Impfung ab fünf Jahren mit Biontech/Pfizer. Die Kinder erhalten dort ein Drittel der Erwachsenendosis.

Unterschiedliche Meinungen

Zum Off-Label-Einsatz gibt es unterschiedliche Meinungen. Das Nationale Impfgremium (NIG) etwa rät davon ab. Die Lage werde genau beobachtet, eine Empfehlung werde ausgesprochen, sobald es eine entsprechende Entscheidungsgrundlage gebe.

Anders schätzt der Infektiologe Florian Thalhammer von der MedUni Wien die Situation ein. „Ich sehe kein Problem, Kinder unter zwölf Jahren zu impfen. Sofern die Dosis entsprechend angepasst wird, bin ich dafür“, betont er im KURIER-Gespräch. Vor allem Kinder mit Risikokrankheiten, etwa bei Chemo- oder Antikörpertherapien, Stoffwechselerkrankungen, zystische Fibrose oder Autoimmunerkrankungen, „würde ich jetzt impfen“.

Zurückhaltend äußerte sich unter anderem der Kinderarzt Karl Zwiauer, Mitglied des NIG. Er plädiert dafür, erst auf publizierte Daten zu warten, die eine Einschätzung ermöglichen. Zumal dieser Zeitrahmen nur mehr wenige Wochen umfasse und damit absehbar sei. So lange könne man noch zuwarten.

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