© APA/AFP/JEFF KOWALSKY

Wissen Gesundheit
09/09/2021

Wie Eltern ihre Kinder schon jetzt impfen lassen können

Die Slowakei erlaubt ab sofort die Immunisierung ab fünf Jahren. Warum Experten dennoch davon abraten.

von Ingrid Teufl

In der Slowakei können Kinder nun bereits ab fünf Jahren gegen Covid-19 geimpft werden: Die slowakische Regierung genehmigte am Donnerstag die Immunisierung dieser Altersgruppe mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer. Kinder erhalten aber nur ein Drittel der Erwachsenendosis. Die Regierung argumentierte, dem Wunsch von Eltern und Kinderärzten nachzukommen.

Eine Forderung, die auch in Österreich von besorgten Eltern zu hören ist, die ihren Nachwuchs schützen wollen – und hierzulande noch nicht dürfen. Immerhin sind hier etwa eine Million Menschen unter 12 Jahre alt. Kinderärzte raten derzeit aber von einer Impfung vor der offiziellen Zulassung durch die US- und EU-Behörden ab. Auch das Gesundheitsministerium wartet vorerst noch ab.

Die Infektionszahlen bei Kindern steigen allerdings bereits jetzt an, beobachten Kinderärzte. „Wir rechnen mit mehr infizierten Kindern als im letzten Herbst“, sagt Kinderinfektiologe Volker Strenger von der MedUni Graz. Vor allem, weil die Maßnahmen heuer geringer sind, weil es Unterricht in der Schule gibt.

Bisher sind Impfstoffe für Kinder unter zwölf Jahren weder in den USA noch in der EU zugelassen. Die Altersgruppe der unter Zwölfjährigen schon jetzt – also vor einer Zulassung – zu impfen (sogenannter „Off-Label-Use“, siehe unten), ist allerdings auch in Österreich schon möglich – wenn Arzt und Eltern zustimmen und die Verantwortung übernehmen.

„Rechtlich sind etwaige Nebenwirkungen anders gedeckt als bei „In-Label-Anwendungen“, sagt Strenger.

Der Begriff
Das englische Wort bedeutet wörtlich  „nichtbestimmungsmäßiger Gebrauch“ und meint eine Verwendung von Arzneien, für die es keine offizielle Zulassung der zuständigen Behörden gibt. Das Medikament kann etwa für eine andere Krankheit zugelassen worden sein
 oder wie im konkreten Fall für eine andere Altersgruppe

Die rechtliche Situation
Laut Bundesagentur für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) ist der „Off-Label“-Einsatz von Arzneien grundsätzlich nicht verboten. Es bedürfe einer besonderen Information und Aufklärungspflicht. Die Verantwortung trägt aus Sicht des BASG der behandelnde Arzt. Auch die Ärztekammer sieht das so.
 

Er rät derzeit allerdings noch von einer Eile bei der Impfung für unter Zwölfjährige ab. Denn: Noch laufen weltweit Studien für die Zulassung. In den USA stehe die Einreichung bei der Zulassungsbehörde Food and Drug Administration (FDA) kurz bevor.

Zulassung bald erwartet

Strenger rechnet zirka im Oktober mit grünem Licht für die Impfung in den USA. Karl Zwiauer, Kinderarzt und Mitglied im Nationalen Impfgremium (NIG), ergänzt: Traditionell erfolge die Zulassung in der EU daraufhin bald. Strenger: „Diesen nicht mehr lang andauernden Zeitrahmen könnte man jetzt mitbedenken und noch bis dahin zuwarten.“

Auch Zwiauer rät derzeit von einer Impfung für unter Zwölfjährige ab. „Wir wissen noch nichts bezüglich idealer Dosierung und über mögliche Reaktionen des Immunsystems.“ Zudem wurden bislang noch keine Daten publiziert, die eine Einschätzung ermöglichen würden.

Warum es so lange dauert, bis ein Impfstoff für Kinder zugelassen wird, erklärt Virologin und Impfexpertin Christina Nicolodi mit den besonderen Eigenschaften ihres Körpers. „Sie haben noch ein ganz anderes Immunsystem als Erwachsene.“ Zwiauer erklärt darüber hinaus: „12- bis 17-Jährige sind immunologisch gesehen Erwachsenen bereits ähnlicher.“

Genau dosieren

Die Menge für jüngere Kinder müsse genau abgestimmt werden. „Man versucht in den Studien, die richtige Dosis zu finden, um zwar eine ausreichend hohe Immunantwort zu erhalten, aber mögliche Impfreaktionen des Immunsystems minimal zu halten.“ Dazu kommt, dass bei Studien mit Kindern noch zusätzliche Sicherheitsfaktoren eine Rolle spielen.

Eine „Off-Label“-Impfung von Kindern unter zwölf Jahren können sich die Experten lediglich für die ganz kleine Gruppe von Hochrisikopatienten „unter Umständen“ vorstellen. Etwa Kinder unter Chemo- oder Antikörpertherapie oder mit chronischen Erkrankungen.

Für alle anderen ist die Empfehlung bis zur Impfstoffzulassung die gleiche wie bisher. Nicolodi: „Vorsichtig sein. Mundschutz tragen und häufig testen.“ Zwiauer empfiehlt, auch auf die Umgebung zu achten, „damit diese Gruppe indirekt geschützt“ wird.

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