Am Grenzübergang Brenner haben am Dienstag, 10. März 2020, Gesundheitschecks mit Fieberkontrollen begonnen.

© APA/EXPA/ JOHANN GRODER

Wissen Gesundheit
03/12/2020

So schnell steigen in Österreich derzeit die Infektionzahlen

Die Ansteckungen verdoppeln sich hierzulande aktuell alle zwei Tage und acht Stunden.

Angesichts wachsender Fallzahlen bei Coronavirus-Erkrankungen ist von "exponentiellem Wachstum" die Rede. Dieser Begriff lässt sich am einfachsten im Vergleich mit dem linearen Wachstum erklären. Bei diesem wächst eine Zahl vergleichsweise langsam und stetig. Der Unterschied zum exponentiellen Wachstum zeigt sich erst nach einiger Zeit - wenn es dabei zu einer explosionsartigen Entwicklung kommt.

Anschaulich erklärt

Folgendes Beispiel soll den Unterschied verdeutlichen: Geschwister vereinbaren mit ihren Eltern eine Erhöhung ihres monatlichen Taschengelds von 10 Euro. Der Bruder entscheidet sich für eine monatliche Erhöhung um einen Euro - also ein lineares Wachstum. Die Schwester wünscht sich dagegen eine monatliche Erhöhung um zehn Prozent - ein exponentielles Wachstum. Nach einem halben Jahr zeigen sich noch kaum Unterschiede (Bruder: 15 Euro, Schwester: 16 Euro). Nach einem Jahr ist der Unterschied schon deutlicher, da bekommt der Bruder 21 Euro, die Schwester 28 Euro. Nach zwei Jahren erhält das Mädchen schon fast 90 Euro, der Bub 33 Euro.

Auch bei den Coronavirus-Infektionen kommt nicht jeden Tag eine fixe Anzahl an Neuinfizierten dazu. Weil jeder Infizierte mehrere Personen anstecken kann und jeder davon wiederum mehrere, erfolgt das Wachstum exponentiell. Derzeit verdoppelt sich die Zahl der bestätigten Coronavirusfälle in Österreich aktuell alle zwei Tage und 8 Stunden (Verdoppelungszeit: 2,34).

Je langsamer, desto besser

Wobei hier gilt: je länger die Verdoppelungszeit, desto besser. In Italien lag der entsprechende Wert vor den massiven Maßnahmen bei 2,07, danach bei 3,35. In Singapur war man Ende Jänner noch bei einer Verdoppelungszeit von rund 3,5 Tagen, mittlerweile sind es mehr als 23 Tage, was nur mehr ein lineares Wachstum bedeutet.

Würde es dagegen nicht gelingen, die derzeitige Verdoppelungszeit von zwei Tagen zu verlängern, würde man ausgehend von rund 200 Fällen bereits nach rund vier Wochen bei rund eine Million Infektionen liegen, berechneten die Wissenschafter des Complexity Science Hub Vienna (CSH).

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