Seltsame Schlafkrankheit aus Netflix-Serie "The Sandman" gab es wirklich

Seltsame Schlafkrankheit aus Netflix-Serie "The Sandman" gab es wirklich
Die neue Netflix-Serie "The Sandman" thematisiert eine mysteriöse Schlafkrankheit: Encephalitis lethargica trat zwischen 1915 und 1927 in Europa auf.

"The Sandman" erweist sich als Streaming-Hit im heurigen Sommer: Die düstere Fantasy-Serie wurde bereits mehr als 127 Millionen Stunden weltweit gestreamt. Die eigenproduzierte Netflix-Serie basiert auf den 75 Ausgaben (1989–1996) der gleichnamigen Graphic Novel von Neil Gaiman, der eine fantastische Welt rund um unsere Träume schuf.

Kurz zur Handlung: Der Sandman - auch Morpheus oder Dream genannt - wird 105 Jahre lang von einem okkulten Zauberer und später von dessen Sohn in der Welt der Menschen gefangen gehalten. Seine Gefangenschaft löst eine mysteriöse Schlafkrankheit unter den Menschen aus. Nachdem er sich befreit hat, kehrt er in das zerfallene Traumreich zurück, baut dieses wieder auf und holt entflohene Alpträume aus dem Reich der Menschen zurück.

Österreichischer Psychiater beschrieb Symptome

Wenige Serien-Fans wissen, dass es diese geheimnisvolle Schlafkrankheit wirklich gab, wie der US-Schriftsteller Mark Sumner auf Twitter erinnert: Encephalitis lethargica oder Europäische Schlafkrankheit trat zwischen 1915 und 1927 in Europa und Nordamerika auf. Es handelt sich dabei um eine akute Gehirnentzündung, die Schlafanfälle bzw. Anfälle, die an Parkinson erinnern, auslöst.

Als Erster beschrieb sie der österreichische Psychiater und Neurologe Constantin Alexander Freiherr Economo von San Serff.

 

Economo verbrachte seine Kindheit in Triest und nahm das Medizin-Studium in Wien auf, ging danach für seine Forschungstätigkeit u.a. nach Paris und Berlin und kehrte schließlich nach Wien zurück, um als Assistent unter der Leitung von Julius Wagner-Jauregg in der Klinik für Psychiatrie und Nervenkrankheiten im Allgemeinen Krankenhaus anzuheuern.

Im Ersten Weltkrieg diente der Wiener Arzt an der russischen und Südtiroler Front: Auf Wunsch seiner Eltern reiste er 2016 nach Wien zurück, wo er im selben Jahr seinen ersten schlafkranken Patienten behandelte. Economo unterschied drei Verläufe der Krankheit:

  • Der schlafsüchtig-augenmuskellähmende Typ äußerte sich in Schlafsucht, die zu Koma und Tod führen konnte, sowie einer Lähmung der Hirnnerven, der Körperteile und Augenmuskeln.
  • Die zweite Form drückte sich in Rastlosigkeit, motorischen Störungen, Angstzuständen sowie Schlaflosigkeit oder Umkehrung des Schlafrhythmus aus
  • Die dritte Form ähnelte der Parkinson-Krankheit und zeichnete sich durch Muskelschwäche, steife Bewegungen und Schlaflosigkeit oder auch durch Umkehr des Schlafrhythmus aus.

Ein Drittel der 500.000 bis einer Million Infizierten starb an der Erkrankung, die auch als "Economo-Krankheit" bezeichnet wurde.

War die Spanische Grippe der Auslöser?

Der deutsche Neurologe Felix Stern behandelte hunderte deutsche Patienten und baute am Göttinger Universitätsklinikum eine eigene Station für sie auf: Anhand von Oduktionen stellte er nur geringe makroskopische Entzündungsherde fest, aber keine weiteren Gemeinsamkeiten der Gestorbenen. Im Jahr 1922 fasste er seine Erkenntnisse in dem Buch "Epidemische Enzephalitis", das heute als Standardwerk gilt, zusammen.

Stern und andere Wissenschafter vermuteten die Spanische Grippe hinter den Symptomen, da diese zwischen 1918 und 1920 in drei Wellen verbreitete. In historischen Gewebeproben, die archiviert wurden, konnten allerdings keine Influenza-RNA nachgewiesen werden. Auch Herpes-Viren oder der Scharlach-Erreger wurden diskutiert. Stern korrigierte später seine These.

Nach 1927 nahm die Erkrankung keine epidemische Ausmaße mehr an - es gab nur noch Einzelfälle. Nach den 1940ern traten noch vier Fälle auf, die der Europäischen Schlafkrankheit zugerechnet werden und in einer Fallstudie vorgestellt wurden. (Sie können die Studie hier auf Englisch nachlesen)

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