Plötzliches Pelz-Gefühl im Ohr: Was bei einem Hörsturz passiert

Der plötzliche Hörsturz tritt ohne erkennbare Ursache auf. © Bild: Getty Images/iStockphoto/agrobacter/iStockphoto

Wegen eines Hörsturzes bei Campino mussten die Toten Hosen Konzerte absagen. Was die Probleme im Gehörgang auslöst, ist oft unklar.

Es fühlt sich an, als stecke plötzlich ein großes Stück Watte im Ohr. So oder so ähnlich beschreiben Betroffene einen Hörsturz, den kürzlich auch der deutsche Sänger Campino von den Toten Hosen erlitt. Nach Konzerten in Berlin und München musste die Band auch ihren für 14. Juni geplanten Auftritt am Nova Rock Festival im Burgenland absagen.

Ursache unklar

Bei einem unmittelbaren Hörverlust handelt es sich um eine "einseitige Funktionsstörung, deren Entstehung unklar ist", erklärt Univ. Prof. Dr. Peter Franz, Präsident der Österreichischen HNO Gesellschaft. Auf dem betroffenen Ohr hört man deutlich weniger oder fast gar nichts mehr. Begleitende Symptome wie Ohrgeräusche (Tinnitus) und Schwindel können vorkommen – Schmerzen hingegen nicht.

Rund 20.000 Menschen sind in Österreich pro Jahr betroffen. Die Selbstheilungsrate ist allerdings hoch: "In 60 Prozent der Fälle ist mit einer vollständigen Widerherstellung der Hörleistung zu rechnen", sagt Franz. Voneinander zu unterscheiden sind der symptomatische Hörsturz, jener Verlust des Hörvermögens, der als Symptom einer anderen Erkrankung auftritt (etwa bei einem Hirntumor oder bei einer Mittelohrentzündung), und der idiopathische (klassische) Hörsturz, der ohne erkennbare Ursache entsteht. Psychische Belastungen wurden lange Zeit mit dem Auftreten eines Hörsturzes in Verbindung gebracht. Nicht zuletzt deshalb, weil Betroffene oft das subjektive Empfinden haben, dass das Hörorgan genau dann versagt, wenn der Stress am größten ist. Ein entsprechender Zusammenhang konnte bis heute nicht belegt werden.

Rasch handeln

Auch wenn es sich beim Hörsturz nicht um einen medizinischen Notfall handelt, sollte man mit dem Arztbesuch nicht zuwarten. Denn: Je früher behandelt wird, desto besser greift die Therapie. "Oft stellt sich ein vermeintlicher Hörsturz auch als aufgequollenes Ohrenschmalz heraus", weiß Franz.

Je nach Schweregrad wird die Therapie festgelegt, die in der Regel eine Anwendung von Cortison umfasst. Dieses kann oral oder intravenös verabreicht oder direkt ins Mittelohr gespritzt werden.

( kurier.at ) Erstellt am 13.06.2018