Medication of antiviral capsule(medicine drug) for treatment and prevention of new corona virus infection(COVID-19,novel coronavirus disease 2019 or nCoV 2019 from Wuhan. Pandemic infectious concept

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Wissen Gesundheit

Pharmakologe Zeitlinger: "Eine Pille gegen Corona wird es nie geben"

Mit Medikamenten allein wird sich die Pandemie nicht beenden lassen. Die Suche nach vielversprechenden Kandidaten geht dennoch weiter.

08/27/2021, 10:44 AM

Der k├Ârpereigenen Immunantwort im Kampf gegen SARS-CoV-2 kr├Ąftig unter die Arme greifen ÔÇô dieser heilende Ansatz wird mit Covid-Medikamenten aus k├╝nstlichen Antik├Ârpern verfolgt.

Vor allem in den USA wird und wurde dieses therapeutische Verfahren besonders intensiv erforscht. Der Einsatz von sogenannten monoklonalen Antik├Ârpern (Eiwei├čstoffen) gegen Covid-19 ist dort schon seit geraumer Zeit von der Arzneimittelbeh├Ârde FDA zugelassen ÔÇô etwa der Antik├Ârper-Cocktail des US-Herstellers Regeneron, bei dem zwei monoklonale Antik├Ârper kombiniert werden.

Zielgerichtet heilen

Monoklonale Antik├Ârper werden im Labor hergestellt und sollen das Virus nach einer Infektion au├čer Gefecht setzen. Monoklonal bedeutet, dass die eingesetzten Antik├Ârper alle gleich sind und das Virus an einem fest definierten Ziel angreifen. Im Unterschied dazu bildet der menschliche K├Ârper nach einer Impfung eine Mischung aus verschiedenen Antik├Ârpern, die sich an verschiedenen Stellen an das Virus binden k├Ânnen.

Fachleute sprechen in diesem Fall von polyklonalen Antik├Ârpern. F├╝r diverse Covid-Pr├Ąparate wurden die gegen SARS-CoV-2 wirksamsten Teile der Antik├Ârper isoliert und k├╝nstlich vermehrt.

Gro├čes Potenzial

Der oberste Corona-Experte der USA, Anthony Fauci, unterstrich vor wenigen Tagen bei einer Pressekonferenz das Potenzial der Antik├Ârper-Mittel: "Das ist eine sehr effektive Intervention bei Covid-19 und wir empfehlen nachdr├╝cklich, sich das zunutze zu machen." Zwar seien die Mittel kein Ersatz f├╝r eine Impfung, sie w├╝rden derzeit aber viel zu selten eingesetzt. Verhei├čungsvoll seien die Therapeutika nur, wenn sie in einem fr├╝hen Stadium des Krankheitsverlaufs verabreicht werden.

Hat sich das Virus erst einmal im K├Ârper ausgebreitet, k├Ânne man damit nicht mehr viel ausrichten, betont Fauci.

Zulassung in Europa

Die Europ├Ąische Arzneimittelagentur EMA pr├╝ft derzeit vier Antik├Ârper-Pr├Ąparate. W├Ąhrend die Forschung in Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen das Coronavirus Erfolge verbuchen konnte, verlief die Suche nach einem wirksamen Medikament bisher wenig fruchtbringend.

Als Entt├Ąuschung entpuppten sich unter anderem das antivirale Medikament Remdesivir, das Malariamittel Chloroquin oder k├╝rzlich auch das Wurmmittel Ivermectin. In den Spit├Ąlern setzt man inzwischen bei schwerstkranken Covid-Patienten meist auf eine Behandlung mit Entz├╝ndungshemmern und Blutverd├╝nnern.

Antik├Ârper als patente Methode

Im ├ľ1-Morgenjournal bezeichnete der Klinische Pharmakologe Markus Zeitlinger von der MedUni Wien Antik├Ârper-Medikamente am Freitag als "naheliegendste" Sto├črichtung im medikament├Âsen Kampf gegen Covid-19.

Er erwarte eine EU-Zulassung der Pr├Ąparate f├╝r eine Fr├╝hphase der Erkrankung, "wenn die Patienten noch ambulant sind, etwa in einem Zeitraum von f├╝nf Tagen nach der Infektion, weil sie dann auch am effektivsten sind". In Studien habe sich gezeigt, "dass statt sieben Prozent der Patienten, die normalerweise ins Spital mussten, nur ein Prozent ins Spital musste, wenn sie die Antik├Ârper bekommen haben. Das ist also schon eine sehr effektive Intervention, wenn sie richtig eingesetzt wird."

Keine echte Anti-Covid-Tablette

Eine "kleine Pille, die ich schlucken kann und dann ist Corona vor├╝ber und ich bin geheilt, die wird es nie geben", f├╝gt Zeitlinger hinzu. Ein Ende der Pandemie werden derartige Pr├Ąparate also nicht bringen, ist er wie Fauci ├╝berzeugt. "Es ist keine Alternative zur Impfung. Diese Medikamente bedeuten trotz allem einen deutlich st├Ąrkeren Eingriff als das eine Impfung je machen w├╝rde und haben auch ein vielfach h├Âheres Risiko f├╝r eine allergische Reaktion."

Ein wesentlicher Faktor seien auch die Kosten: "Wir reden hier von Tausenden Euro f├╝r eine einmalige Gabe." Ein breiter Einsatz sei kostspielig und aufwendig.

Komplexe Virusvermehrung

Warum gestaltet sich die Suche nach Medikamenten so schwierig? Daf├╝r m├╝sse man verstehen, wie Viren ticken, sagt Zeitlinger. Um sich zu vermehren, brauchen sie einen Wirt ÔÇô in Form einer menschlichen (oder tierischen) Zelle. Das Virus dringt in die Zelle ein und nimmt sie in Beschlag, verschmilzt quasi damit: "Hier einzugreifen ist immer schwierig", schildert Zeitlinger, "weil wir das Virus abt├Âten wollen, aber die menschliche K├Ârperzelle nicht".

Ein patenter Ansatz k├Ânnten Medikamente sein, die vorher ansetzen und schon das Andocken des Virus an K├Ârperzellen verhindern. Zu einem entsprechenden Pr├Ąparat forscht derzeit etwa der ├Âsterreichische Genetiker Josef Penninger.

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