Medication of antiviral capsule(medicine drug) for treatment and prevention of new corona virus infection(COVID-19,novel coronavirus disease 2019 or nCoV 2019 from Wuhan. Pandemic infectious concept

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Wissen Gesundheit
08/27/2021

Pharmakologe Zeitlinger: "Eine Pille gegen Corona wird es nie geben"

Mit Medikamenten allein wird sich die Pandemie nicht beenden lassen. Die Suche nach vielversprechenden Kandidaten geht dennoch weiter.

Der körpereigenen Immunantwort im Kampf gegen SARS-CoV-2 kräftig unter die Arme greifen – dieser heilende Ansatz wird mit Covid-Medikamenten aus künstlichen Antikörpern verfolgt.

Vor allem in den USA wird und wurde dieses therapeutische Verfahren besonders intensiv erforscht. Der Einsatz von sogenannten monoklonalen Antikörpern (Eiweißstoffen) gegen Covid-19 ist dort schon seit geraumer Zeit von der Arzneimittelbehörde FDA zugelassen – etwa der Antikörper-Cocktail des US-Herstellers Regeneron, bei dem zwei monoklonale Antikörper kombiniert werden.

Zielgerichtet heilen

Monoklonale Antikörper werden im Labor hergestellt und sollen das Virus nach einer Infektion außer Gefecht setzen. Monoklonal bedeutet, dass die eingesetzten Antikörper alle gleich sind und das Virus an einem fest definierten Ziel angreifen. Im Unterschied dazu bildet der menschliche Körper nach einer Impfung einen Mischung aus verschiedenen Antikörpern, die sich an verschiedenen Stellen an das Virus binden können.

Fachleute sprechen in diesem Fall von polyklonalen Antikörpern. Für diverse Covid-Präparate wurden die gegen SARS-CoV-2 wirksamsten Teile der Antikörper isoliert und künstlich vermehrt.

Großes Potenzial

Der oberste Corona-Experte der USA, Anthony Fauci, unterstrich vor wenigen Tagen bei einer Pressekonferenz das Potenzial der Antikörper-Mittel: "Das ist eine sehr effektive Intervention bei Covid-19 und wir empfehlen nachdrücklich, sich das zunutze zu machen." Zwar seien die Mittel kein Ersatz für eine Impfung, sie würden derzeit aber viel zu selten eingesetzt. Verheißungsvoll seien die Therapeutika nur, wenn sie in einem frühen Stadium des Krankheitsverlaufs verabreicht werden.

Hat sich das Virus erst einmal im Körper ausgebreitet, könne man damit nicht mehr viel ausrichten, betont Fauci.

Zulassung in Europa

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA prüft derzeit vier Antikörper-Präparate. Während die Forschung in Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen das Coronavirus Erfolge verbuchen konnte, verlief die Suche nach einem wirksamen Medikament bisher wenig fruchtbringend.

Als Enttäuschung entpuppten sich unter anderem das antivirale Medikament Remdesivir, das Malariamittel Chloroquin oder kürzlich auch das Wurmmittel Ivermectin. In den Spitälern setzt man inzwischen bei schwerstkranken Covid-Patienten meist auf eine Behandlung mit Entzündungshemmern und Blutverdünnern.

Antikörper als patente Methode

Im Ö1-Morgenjournal bezeichnete der Klinische Pharmakologe Markus Zeitlinger von der MedUni Wien Antikörper-Medikamente am Freitag als "naheliegendste" Stoßrichtung im medikamentösen Kampf gegen Covid-19.

Er erwarte eine EU-Zulassung der Präparate für eine Frühphase der Erkrankung, "wenn die Patienten noch ambulant sind, etwa in einem Zeitraum von fünf Tagen nach der Infektion, weil sie dann auch am effektivsten sind". In Studien habe sich gezeigt, "dass statt sieben Prozent der Patienten, die normalerweise ins Spital mussten, nur ein Prozent ins Spital musste, wenn sie die Antikörper bekommen haben. Das ist also schon eine sehr effektive Intervention, wenn sie richtig eingesetzt wird."

Keine echte Anti-Covid-Tablette

Eine "kleine Pille, die ich schlucken kann und dann ist Corona vorüber und ich bin geheilt, die wird es nie geben", fügt Zeitlinger hinzu. Ein Ende der Pandemie werden derartige Präparate also nicht bringen, ist er wie Fauci überzeugt. "Es ist keine Alternative zur Impfung. Diese Medikamente bedeuten trotz allem einen deutlich stärkeren Eingriff als das eine Impfung je machen würde und haben auch ein vielfach höheres Risiko für eine allergische Reaktion."

Ein wesentlicher Faktor seien auch die Kosten: "Wir reden hier von Tausenden Euro für eine einmalige Gabe." Ein breiter Einsatz sei kostspielig und aufwendig.

Komplexe Virusvermehrung

Warum gestaltet sich die Suche nach Medikamenten so schwierig? Dafür müsse man verstehen, wie Viren ticken, sagt Zeitlinger. Um sich zu vermehren, brauchen sie einen Wirt – in Form einer menschlichen (oder tierischen) Zelle. Das Virus dringt in die Zelle ein und nimmt sie in Beschlag, verschmilzt quasi damit: "Hier einzugreifen ist immer schwierig", schildert Zeitlinger, "weil wir das Virus abtöten wollen, aber die menschliche Körperzelle nicht".

Ein patenter Ansatz könnten Medikamente sein, die vorher ansetzen und schon das Andocken des Virus an Körperzellen verhindern. Zu einem entsprechenden Präparat forscht derzeit etwa der österreichische Genetiker Josef Penninger.

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