Nüsse schützen kaum vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen

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Bisher dachte man, dass der Konsum von Nüssen das Herz schützt. Das stimmt nur zum Teil, zeigt eine Studie.

Nüsse gelten als besonders gesund. Doch ihr Verzehr allein schützt nicht vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das haben schwedische Forscher herausgefunden. Auch wie man sich sonst ernährt und welchen Lebensstil man pflegt, spiele eine Rolle. Gesundheit und Wohlbefinden sind nämlich von vielen Faktoren – Alter, Lebensstil, Genetik etc. – abhängig. Trotzdem untersuchen Forscher immer noch einzelne Nahrungsbestandteile, um zu sehen, ob sie Volkskrankheiten wie Herzinfarkten oder Schlaganfällen vorbeugen können. Dieses Mal im Fokus: Nüsse.

Bereits in früheren Studien wurde ein Zusammenhang zwischen Nusskonsum und kardiovaskulären Erkrankungen festgestellt: Je mehr Nüsse konsumiert wurden, desto seltener entstanden Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Zum Zwecke dieser Untersuchung, deren Ergebnisse im Heart Journal veröffentlicht wurden, wertete ein Team um Susanna Larsson vom Karolinska-Institut, Stockholm, zwei Studien aus. Etwa 61.000 Probanden konnte sie für ihrer Analyse nutzen. Zu Beginn  wurden ihre Ernährung – und damit der Nuss-Verzehr – und ihre Lebensgewohnheiten abgefragt. Dann schauten die Forscher, wie häufig bei den Teilnehmern im Laufe der folgenden 17 Jahre Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftraten. Der Haken an der Sache: Alle Probanden waren bloß ein einziges Mal – im Herbst 1997 – nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt worden.

Lediglich Marker für Lebensstil?

Berücksichtigten die schwedischen Forscher nur Alter und Geschlecht, so kam es bei den Personen, die die meisten Nüsse aßen, deutlich seltener zu Herzinfarkten, Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern und Bauchaortaaneurysmen (krankhafte Erweiterung der Aorta im Bauchraum), aber ähnlich oft zu Gehirninfarkten und Gehirnblutungen sowie zu Herzklappenfehlern.

Wurden zusätzlich Bewegung, Alkohol-, Tabak-, Obst- und Gemüsekonsum berücksichtigt, schwächte dies die schützende Wirkung der Nüsse auf alle oben genannte Krankheitsbilder ab. Bezogen die Forscher ferner kardiovaskuläre Risikofaktoren wie BMI (Body Mass Index), Blutdruck- und Blutfettwerte mit ein, blieb ein deutlicher Unterschied nur noch für das Vorhofflimmern übrig.

Wenn man also ein- oder zweimal pro Woche Nüsse isst, ist das Risiko dafür um 12 Prozent geringer als bei Nussverweigerern. Bei drei oder mehr Nussportionen pro Woche sind es sogar 18 Prozent. 

Doch dieser Zusammenhang steht möglicherweise auf wackligen Beinen: Wenn weitere Lebensgewohnheiten berücksichtigt werden, ist er wohl nicht mehr signifikant.

Nüsse allein sind kein Garant

Die Studienautoren gaben aber an, dass nicht alle relevanten Faktoren bekannt gewesen seien und sie diese daher auch nicht berücksichtigen hätten können. Wer also bloß einmal eine Phase durchlebt, in der er Nüsse in besonders großen Mengen isst, hat zwangsläufig nicht seltener Herzleiden als ein strikter Nussabstinenzler. Wer also länger leben möchte, der ändert am besten die eigenen Lebensgewohnheiten – insbesondere Ernährung und Bewegung. Nüsse in den täglichen Speiseplan aufzunehmen ist zwar ein guter Anfang, aber alleine nicht zielführend.

Sehr viele Nussverweigerer

Nur etwa 1.000 der teilnehmenden Menschen hatten dreimal oder häufiger pro Woche Nüsse konsumiert – also gerade einmal jeder sechzigste. 3.300 Probanden aßen Nüsse ein- bis zweimal pro Woche. Über 90 Prozent griff pro Monat ein- bis dreimal oder auch gar nicht zu Nüssen. Etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmer gab an, so gut wie nie Nüsse zu sich zu nehmen.

Im Schnitt waren die Nussliebhaber im Vergleich zu den Nuss-Vermeidern dreieinhalb Jahre jünger und hatten mehr als doppelt so oft einen hohen Bildungsabschluss. Außerdem rauchten sie seltener, aßen mehr Obst und Gemüse, waren schlanker, bewegten sich deutlich mehr und wiesen seltener kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Bluthochdruck und hohes Cholesterin auf.

Wenig überraschend entwickelten sie im Verlauf der Nachbeobachtungsphase weniger oft kardiovaskuläre Erkrankungen, von denen insgesamt sehr viele Teilnehmer betroffen waren: 5.000-mal wurde ein Herzinfarkt diagnostiziert, 7.600-mal Vorhofflimmern, knapp 3.800-mal ein Schlaganfall und etwa 3.200-mal eine Herzinsuffizienz.

( kurier.at , David UIrich ) Erstellt am 15.05.2018