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Wissen Gesundheit
04/02/2021

Niederlande stoppen Astra Zeneca für unter 60-Jährige

Bremer Epidemiologen warnen aber vor möglicherweise schlimmen Folgen solcher nationaler Entscheidungen.

In den Niederlanden dürfen vorerst nach dem Tod einer Frau keine Menschen unter 60 Jahren mehr mit dem Impfstoff von Astra Zeneca behandelt werden. Das meldete die Nachrichtenagentur ANP unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Rund 10.000 Impftermine würden nun abgesagt.

Auch in Deutschland ist der Impfstoff von Astra Zeneca nicht mehr für Menschen unter 60 Jahren empfohlen, doch Freitag warnten Bremer Epidemiologen vor möglicherweise schlimmen Folgen dieser Entscheidung. „Wenn die geänderte Altersempfehlung für den Impfstoff von Astra Zeneca zu einer weiteren Verzögerung der Impfkampagne führt, wird der Schaden dieser geänderten Empfehlung deutlich überwiegen“, heißt es in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der von mehreren Forschern des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen unterschrieben ist.

„In der jetzigen Situation ist es sehr kritisch, einseitige Entscheidungen zu treffen, die nur auf mögliche seltene Nebenwirkungen fokussieren, auch wenn diese Schicksale tragisch sind und man sie vermeiden möchte“, heißt es weiter. Die Unterzeichner fordern „ein systematisches Abwägen des Schadens, der sich aus der möglichen seltenen Nebenwirkung ergeben kann, gegenüber dem Schaden, der sich durch eine Verzögerung der Impfkampagne ergeben wird.“

Hintergrund ist die Entscheidung der Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Dienstagabend, den Astra-Zeneca-Impfstoff in der Regel nur noch Menschen ab 60 Jahren zu verabreichen. Bis Anfang der Woche waren in Deutschland 31 Verdachtsfälle sogenannter Sinusvenenthrombosen nach Impfungen mit Astrazeneca bekannt geworden, wie das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) kürzlich berichtete. Sie betreffen hauptsächlich jüngere Menschen.

Weiterführung in Österreich

In Österreich hingegen hat das Nationale Impfgremium (NIG) eine Weiterführung des Impfprogramms mit dem Vakzin in Österreich empfohlen. Derzeit wird in einem laufenden Verfahren der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) die Situation von Blutgerinnseln (Thrombosen) im Zusammenhang mit Impfungen evaluiert, hieß es in einer Stellungnahme. Bis dato würden die vorliegenden Daten aber noch kein homogenes Bild ergeben.
Es werden sowohl aus der EU inklusive Österreich als auch Großbritannien laufend Daten gesammelt und analysiert.

In Großbritannien sind bei mehr als 18 Millionen Impfungen mit AstraZeneca rund 30 Fälle von seltenen Blutgerinnseln gemeldet worden. Das teilte die britische Arzneimittelbehörde MHRA am Freitag in einem aktuellen Bericht mit. „Das Risiko, diesen speziellen Typ von Blutgerinnseln zu bekommen, ist sehr klein“, heißt es darin. Es seien bisher (Stand: 24. März) 22 Fälle der auch in Deutschland aufgetretenen Hirnvenenthrombosen und acht andere Arten von Thrombosen gemeldet worden.

 

 

 

 

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