© APA/AFP/NICOLAS ASFOURI

Wissen Gesundheit
01/22/2020

Neues Virus: Experte vergleicht Gefährlichkeit mit Influenza

Neues Coronavirus: Der neue Erreger scheint weniger ansteckend als andere Viren dieser Familie zu sein.

von Ernst Mauritz, Pilar Ortega

Derzeit sind alles nur Momentaufnahmen, die sich täglich ändern können: „Aber momentan scheint die Gefährlichkeit des neuen Coronavirus ungefähr jener eines Influenzavirus ähnlich zu sein“, sagt der Infektionsspezialist Herwig Kollaritsch. Er verweist auch auf Analysen der US-Gesundheitsbehörde CDC, die von knapp zwei Todesfällen (1,7) auf 1000 Erkrankungen ausgeht: „Das entspricht ganz grob auch der Mortalität der Influenza.“Demgegenüber ist das Risiko, an einer Infektion mit einem SARS- oder MERS-Coronavirus zu versterben, deutlich höher: Bei dem vor allem auf der Arabischen Halbinsel zirkulierenden MERS-Coronavirus liegt es bei 30 Prozent, bei SARS bei rund zehn Prozent.

„Was auch eine Ähnlichkeit mit der Virusgrippe ist: Von den Todesfällen sind vor allem alte Menschen und solche mit chronischen Grunderkrankungen betroffen.“ Generell tritt bei rund 20 Prozent der Infizierten eine Lungenentzündung auf. Auf der anderen Seite verlaufen viele Infektionen unauffällig ohne Fieber und andere Symptome.Fazit: „Ich sehe die Bösartigkeit des neuen Virus derzeit nicht viel größer als eine des Influenza-Virus. Aber man muss wachsam bleiben. “ Denn die Situation kann sich ändern, wenn das Virus mutiert und dadurch infektiöser wird. Auch China warnte bereits vor einer möglichen Mutation.

Unterdessen steigt die Zahl der nachgewiesenen Infektionen deutlich an: China alleine bestätigte bisher 544 Fälle, mindestens 17 Menschen sind verstorben. Die chinesischen Behörden warnen unterdessen vor Reisen in die Stadt Wuhan mit knapp neun Millionen Einwohnern. Von dort nahm die Epidemie ihren Ausgang.

Gut vorbereitet

„Derzeit ist absolut kein Grund zur Aufregung“, sagte Mittwoch Gesundheitsminister Rudolf Anschober. „Die internationalen Behörden beobachten die aktuelle Entwicklung genau und wenden sich mit Empfehlungen an die Mitgliedsländer.“

Bernhard Benka Leiter der Abteilung für Übertragbare Erkrankungen, Krisenmanagement und Seuchenbekämpfung, im Gesundheitsministerium: „Wir sind gut vorbereitet. In Österreich wurden in den vergangenen Jahren zwei Patienten mit dem MERS-Virus behandelt, das eine deutlich höhere Sterblichkeit auslöst.“

Epidemie in Österreich unwahrscheinlich

Einzelfälle seien zwar nicht auszuschließen, „aber mit einer großflächigen Epidemie rechnen wir in Österreich nicht.“ Was ihn derzeit zuversichtlich stimmt: „Bei den Einzelfällen außerhalb von China weiß man, dass die Betroffenen eine hohe Zahl an Sozialkontakten gehabt haben – aber fast alle gesund geblieben sind.“ Fiebermessungen am Flughafen Wien-Schwechat sind derzeit kein Thema.

Österreich hat keine direkte Flugverbindung mit der am stärksten betroffenen Stadt Wuhan. Und in Peking geb es keine besondere Erkrankungshäufigkeit. Da Reisende aus China über zahlreiche Zwischendestinationen nach Österreich kommen können, wäre der Screening-Aufwand groß. Kollaritsch: „Dazu kommt, dass viele Patienten keine Symptome haben, also nicht auffallen würden, und andere wiederum fiebrig sind, weil sie an grippalen Infekten erkrankt sind.“

Forscher der Uni Perth in Australien kamen 2015 zu dem Schluss, dass derartige Screenings nicht effektiv sind und viele Erkrankungen übersehen werden. Benka: „Sinnvoll sind Exit-Screenings in von einer Erkrankungswelle besonders betroffenen Gebieten.“ Wuhan hat entsprechende Kontrollen bei der Ausreise bereits eingeführt.

Sollte allerdings in einem Flugzeug nach Österreich ein Passagier zu fiebern beginnen, würde der Pilot mit dem Zielflughafen Kontakt aufnehmen: Die betroffene Person würde noch am Flugfeld abgeholt und getrennt von allen anderen untersucht werden.

Vorerst kein Gesundheitsnotstand

Ein Expertenrat der Weltgesundheitsorganisation hat trotz der rasanten Zunahme an Infektionen mit dem neuartigen Virus vorerst keinen internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Man benötige mehr Informationen, sagte Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus Mittwochabend.

Ministeriumsexperte Benka: „Für Österreich macht die Entscheidung keinen Unterschied. Wir haben schon jetzt alle wichtigen Vorsichtsmaßnahmen gesetzt.“

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.