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Wissen Gesundheit
04/15/2020

Nach Corona-Erkrankung: Ist die Immunität kürzer als gedacht?

Experten setzen auf eine Immunität nach einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Doch wie lange sie hält, ist offen.

von Ingrid Teufl

Wer eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus durchgemacht hat, baut Immunität auf und ist somit geschützt. Davon gehen Virologen aus. Aber: Wie lang diese anhält, ist noch unklar.

Manche orientieren sich bei ihren Schätzungen an bereits bekannten Viren aus der großen Corona-Familie und hoffen auf mehrere Jahre. Deutsche Experten wie der Virologe Christian Drosten gehen hingegen aufgrund von jüngsten Simulationen von nur 6 bis 18 Monaten aus.

Keine Langzeitstudien

Die große Bandbreite der Expertenmeinungen liege in der Natur der Sache, erklärt Virologen Monika Redlberger-Fritz von der MedUni Wien. SARS-CoV-2 ist erst seit vier Monaten bekannt. „Naturgemäß gibt es auch noch keine Langzeitstudien, weder über 6 noch über 18 Monate oder länger." Fehlende Langzeitdaten gibt es natürlich auch in den anderen Aspekten des Virus. „Man kann nur abschätzen und aus Erfahrungen lernen und dann Rückschlüsse ziehen."

Antikörper

Schlüsse zur Immunität ziehen konnte man aus den bisherigen Infektionsfällen: die Betroffenen bildeten Antikörper – eine eindeutige Reaktion des Immunsystems. „Eine Immunantwort ist klar feststellbar, das war von Anfang an klar. Ohne Immunantwort würde es keine Ausheilung einer Infektion geben, man würde daran sterben." Mittlerweile wisse man zudem, dass die Immunantwort relevanter Antikörper, der Immunglobine IgM, IgG und IgA, ca. zehn bis zwölf Tage nach Krankheitsbeginn messbar ist. 

Vereinfacht gesagt: Die Zellen des Immunsystems lernen den Erreger kennen, bilden Antikörper - und bekämpfen bei einem neuerlichen Kontakt das Virus. So läuft dies bei allen Viren, etwa auch Masern oder Polio (Kinderlähmung).

Immungedächtnis

Während das Immungedächtnis des Körpers bei manchen Viren lebenslang erhalten bleibt und damit eine dauerhafte Immunität aufweist, verschwinden andere Antikörper wieder. Etwa bei manchen Erkältungsviren aus der Corona-Familie, die schon seit den 1960er-Jahren bekannt sind. Drosten erklärte in einer Pressekonferenz in der Vorwoche, dass dies nicht unbedingt heiße, dass auch die Immunität verschwinde. Denn mit demselben Erkältungsvirus infiziere man sich im Abstand einiger Jahre neu, nicht einiger Monate, so der NDR.

Erfahrungen aus den bekannten Coronaviren und dem 2003 aufgetretenen, engsten Verwandten SARS-1 werden aber mit Vorsicht bewertet. Ihr Genmaterial stimmt zwar zu 80 Prozent mit dem nun aktiven SARS-CoV-2 überein. „Alte humane Coronaviren sind genetisch noch etwas weiter entfernt als SARS-1 vom jetzigen Virus." Man wisse: „Die Immunität liegt je nach Coronavirus und der Immunitätslage des Patienten zwischen 6 bis 36 Monaten.

Milde Zweitinfektion

Dann ist wieder eine Infektion möglich. Was allerdings aus heutiger Sicht auch für das neuartige Coronavirus Hoffnung gibt: „Man weiß, dass eine Zweitinfektion leichter ausfällt." Das hieße für die derzeitige Arbeitshypothese: „Wenn eine Herdenimmunität da ist, egal ob durch Impfung oder natürliche Infektion, nimmt man an, dass es bei neuerlicher Infektion gar keine oder zumindest eine leichtere Erkrankung gibt." 

Bis dahin dauert es aber noch. „Es ist eine Tatsache, dass uns das Virus noch lange Zeit beschäftigen wird. Mit Sicherheit, bis ein Impfstoff verfügbar ist, der dann auch großflächig geimpft werden kann."

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