300 Antikörpertests sollen ab kommender Woche durchgeführt werden

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Wissen Gesundheit
04/09/2020

Welche Spuren Antikörper im Immunsystem hinterlassen

Etwa 60 verschiedene Systeme gibt es bereits. Jedes hat Vor- und Nachteile – und muss erprobt werden.

von Ingrid Teufl

Mit Antikörpertests SARS-CoV-2-Infektionen festzustellen – das klingt einfacher, als es ist. „Es gibt verschiedene Nachweismethoden um auf Antikörper zu testen, jeweils mit Vor- und Nachteilen. Diese Stärken und Schwächen muss man kennen, um die Ergebnisse interpretieren zu können“, betont Virologe Lukas Weseslindtner, Leiter des Labors für Antikörperdiagnostik am Zentrum für Virologie, MedUni Wien.

Inklusive Schnelltests sind bisher etwa 60 Tests auf dem Markt aufgetaucht, einige werden auch an der MedUni erprobt. „Um die Aussagekraft eines Tests im Alltag zu beurteilen, muss man ihn im klinischen Setting erproben, und dazu braucht man Zeit. Ein weiteres Ziel ist, Daten sammeln können, wie Ergebnisse verschiedener Tests korrelieren.“

Wie funktionieren Antikörpertests?

Man untersucht Blutproben. Die am häufigsten verwendeten Tests nennt man ELISA-Tests: Ein Antikörper bindet sich an ein im Test enthaltenes Antigen. Durch ein Enzym kommt es zu einem Farbumschlag, der die Antikörperkonzentration anzeigt. Wichtig: Die Tests verfügen über eine bestimmte Sensitivität. Sie zeigt, wie hoch der Anteil an echten Infektionsfällen ist, die der Test identifiziert. Jeder Test hat weiters eine Spezifität. Sie beschreibt, wie oft er ein falsch-positives Ergebnis liefert.

Was ist der Unterschied zur PCR-Methode?

Mittels PCR wird mittels Rachenabstrich auf Genmaterial des Virus untersucht, um eine akute Infektion festzustellen. Antikörper bildet der Körper erst im Lauf einer Infektion aus. Sie sind im Blut nachweisbar und können Aufschlüsse über eine durchgemachte Infektion und eventuelle Immunisierung liefern. „Im Vergleich zu PCR-Tests sind Antikörpertest weniger spezifisch“, sagt der Virologe. „Antikörpertests machen erst eine Woche nach Beginn der Symptome Sinn.“ Sonst könnte man sich in falscher Sicherheit wiegen.

Nach welchen Antikörpern sucht man?

Die Antikörperproduktion wird im Laufe einer Infektion immer stärker. „Das Immunsystem antwortet mit unterschiedlichen Klassen von Immunglobulinen (Ig). In der Virusdiagnostik benutzen wir diese Abfolge, um das Stadium der Infektion zu bestimmen.“ Antikörper der Klasse IgM werden etwa früh in einer Infektion produziert, jene der Klasse IgG tauchen erst später auf. „Die Aufgabe von Virologen ist es, anhand der Konzentration von verschiedenen Immunglobulinklassen zu bestimmen, in welcher Phase sich eine Infektion befindet. Dazu muss man aber auch wissen, wie gut ein bestimmter Test für eine bestimmte Klasse geeignet ist.“

Wie lange sind Antikörper nachweisbar?

Unterschiedlich. Das Masernvirus etwa verursacht eine systemische Infektion. „Das Immunsystem wird dadurch sehr stark aktiviert, ein umfassendes immunologisches Gedächtnis entsteht und Antikörper werden dauerhaft produziert. Das bewirkt eine lebenslange Immunität.“ Bei SARS-CoV-2 kommt es vor allem zur Infektion und Immunreaktion in der Lunge. „Wir glauben zwar, dass dadurch Immunität aufgebaut wird. Wie lange sie wirkt und schützt, wissen wir noch nicht.“