Wissen | Gesundheit
04.04.2018

Mit Haarsträhne umwickelt: Baby verliert beinahe zwei Zehen

Die Zehen des Mädchens hatten sich bereits violett verfärbt, weil die Haare die Blutzufuhr abgeschnitten hatten.

Als Gemma Fraser im Juni des vergangenen Jahres die Windel ihrer Tochter Orla wechselte, machte sie eine beunruhigende Entdeckung: Einzelne Haare hatten sich so fest um zwei Zehen ihres Babys gewickelt, das diese blau angelaufen waren. Die Haut quoll neben den umwickelten Stellen hervor. Trotz mehrfacher Versuche konnte die Mutter ihr Kind nicht von den Strähnen befreien.

Schließlich entschied sich Fraser dazu, die Rettung zu rufen. Erst 45 Minuten nach dem Eintreffen der Einsatzkräfte konnten die Haare durchtrennt und die Zehen freigelegt werden. Um auf Nummer sicher zu gehen, wurde das Mädchen für weitere Untersuchungen ins Royal Hospital for Sick Children in Edinburgh gebracht. Die Ärzte entließen Kind und Mutter mit antibiotischer Salbe, die eine Entzündung der mitgenommenen Hautstellen verhindern sollte.

OP statt Heilung

Doch der Heilungsprozess verlief nicht wie gewünscht. Während eine Zehe vollständig abheilte, war die andere auch Wochen später noch offen und geschwollen, wie Mutter Gemma Fraser im Interview mit BBC Radio Scotland sagte. "Dann begann Eiter aus der Wunde auszutreten", so die Britin weiter. Nach weiteren Besuchen beim Hausarzt wurde das Baby an einen plastischen Chirurgen überwiesen, der Orla unter Vollnarkose operierte. Haare, die tief in der Wunde vergraben waren, hatten die Heilung behindert und die Entzündung ausgelöst.

Auf Social Media warnt Gemma Fraser davor, welche gravierenden Folgen es haben kann, wenn sich Haare um die Zehen von Säuglingen wickeln. Um ihren Zeilen Nachdruck zu verleihen, teilte sie auch ein Bild der geschwollenen Zehen ihrer Tochter. "Das passiert, wenn Haare sich eng um die Zehen eines Babys wickeln. (...) Bitte seid achtsam und untersucht die Füße eurer Babys regelmäßig. Ich hatte keine Ahnung, dass das überhaupt passieren kann, also bitte erzählt es weiter."

Fall von Tourniquet-Syndrom

In der Fachwelt spricht man von einem Tourniquet-Syndrom, wenn ein Körperteil über einen längeren Zeitraum nicht ausreichend mit Blut versorgt und anschließend erneut an den Blutkreislauf angeschlossen wurde - und es dabei zu Komplikationen kommt.

Bei Säuglingen sind nicht selten die Zehen betroffen. Durch die Bewegungen des Kindes können sich Haare wie eine Schlinge um die Zehen wickeln und sich immer enger ziehen. Da man die feinen Haare nicht direkt erkennt, haben Eltern es schwer, die Ursache für den Unmut des Babys herauszufinden, das in der Regel vor Schmerzen weint.