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Wissen Gesundheit
08/05/2021

Kinderpsychologin zur Covid-Impfung: "Bloß kein Tamtam machen"

Kinder stehen beim Impfen derzeit im Fokus. Agieren Eltern gelassen, entspannt das auch den Nachwuchs.

von Marlene Patsalidis

Im Kleinkindalter sind Impfungen meist Routine – das Covid-Vakzin provoziert Emotionen bei Eltern und Kindern. Selten waren Kinder und Jugendliche so intensiv mit dem Thema Impfen konfrontiert wie jetzt. Wie sie die Debatte um den immunisierenden Stich erleben und damit umgehen, weiß Expertin Gabriela Krauland.

KURIER: Kommt der potenzielle Corona-Impftermin für Kinder und Jugendliche überraschend?

Gabriela Krauland: Nicht wirklich. Der Großteil weiß, dass das ansteht. Kinder und Jugendliche erleben die öffentliche Corona-Debatte – und damit auch jene rund ums Impfen – ja schon seit geraumer Zeit mit. Kinder passen sich ohnehin schnell an Veränderungen an. Neues oder Unbekanntes wird rasch Teil der Alltagsrealität.

Welche Rolle spielen Eltern?

Eine große. Relevant dafür, wie Kinder und Jugendliche mit der Impfung umgehen, ist die Meinung ihrer engsten Bezugspersonen und die Stimmung in der Familie.

Die Corona-Impfung polarisiert ja bekanntlich.

Das ist auch für Kinder spürbar, oft direkt im Alltag: Wenn zum Beispiel die eigenen Eltern eine impfkritische Haltung einnehmen, im Elternhaus der besten Freundin aber locker damit umgegangen wird. Diese Diskrepanz zu erleben kann für Kinder schwierig sein. Aus meiner Erfahrung ist die Impf-Entscheidung von Kindern und Jugendlichen oft eine höchst pragmatische und erlebnisorientierte. Die Impfung beeinflusst ihre Freizeitgestaltung, sie wollen wieder unbeschwert ins Kino, in den Urlaub, in Freibad – also lassen sie sich impfen.

Kann es zu Eltern-Kind-Konflikten kommen?

Eine wichtige Entwicklungsaufgabe pubertierender Teenager ist es, die Werte des Elternhauses zu hinterfragen und sich von ihnen abzugrenzen. Im Zusammenhang mit dem Impfen kann das Konfliktpotenzial bergen.

Wie beeinflussen soziale Medien die Haltung von Kindern und Jugendlichen?

Kinder und Jugendliche sind über Social Media mit einer Flut an Informationen konfrontiert. Das kann im Sinne der eigenständigen Meinungsbildung auf Basis von Fakten förderlich sein. Möglicherweise erreichen Kinder so aber auch unwissenschaftliche Ansätze, die Zweifel und Ängste näheren.

Wie kann man Kindern Ängste nehmen?

Indem man gut aufklärt, und zwar altersgerecht. Es gilt, Kindern zu schildern, warum man sich selbst impfen hat lassen und was die mehrheitlich von Experten vertretene Meinung ist.

Vertraute Kinderarztpraxis vs. anonyme Impfstraße: In welchem Umfeld sollte geimpft werden?

Das hängt natürlich vom Kind ab. Grundsätzlich gilt aber: Je mehr Souveränität die Eltern haben und je mehr Sicherheit sie vermitteln, desto besser. Man sollte bloß kein großes Tamtam darum machen. Es ist eine Impfung, wie jede andere auch. Bei Nadel-ängstlichen Kindern ist der bekannte Kinderarzt sicherlich die bessere Wahl, ab einem gewissen Alter kann man auch Wahlfreiheit lassen. Man sollte einen Drei-Sekunden-Stich jedenfalls nicht zu etwas hochstilisieren, was er nicht ist.

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