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Wissen Gesundheit
03/17/2020

Tiroler Intensivmediziner: "Österreich noch Insel der Seligen"

Klinikchef Hasibeder sieht Österreich im Kampf gegen den Coronavirus in besserer Ausgangssituation als Italien. Hersteller und Vertreiber von Beatmungsgeräten arbeiten dennoch unter Hochdruck.

von Ernst Mauritz, Peter Temel

Walter Hasibeder ist zuversichtlich: „Österreich ist, was die Intensivmedizin betrifft, gut aufgestellt.“ Hasibeder leitet die Abteilung für Anästhesie und operative Intensivmedizin am Krankenhaus St. Vinzenz in Zams in Tirol und ist künftiger Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI). 1998 war er einer der Ärzte, die in Innsbruck den tschechischen Präsidenten Vaclav Havel betreut hatten.

Acht Patienten mit dem neuen Coronavirus hat er bereits auf der Intensivstation in Zams behandelt, einer davon musste beatmet werden. „Österreich hat mit 8,8 Millionen Einwohnern rund 2.550 Intensivbetten. In der Lombardei mit rund zehn Millionen Einwohnern sind es 776, in ganz Italien mit 60 Millionen rund 5.200 Intensivbetten. Das sind schon Unterschiede.“ Donnerstag warnte die Lombardei bereits vor dem Zusammenbruch des Gesundheitssystems.

Die meisten Intensivbetten verfügen über ein Beatmungsgerät, sagt Hasibeder. Die tatsächliche Kapazität sei aber größer: „Bei jedem Operationssaal ist eine hochwertige Narkosemaschine dabei – moderne Anästhesiemaschinen sind aber auch Beatmungsgeräte. Wir haben derzeit nur einen unserer sieben OPs für Noteingriffe offen. Wir können also auch in Operationssälen Intensivmedizin betreiben und beatmen.“

Und er beruhigt: „Nicht jeder Patient mit einer Lungenentzündung muss beatmet werden – das ist auch beim neuen Coronavirus so.“ Und wenn, reichen bei vielen nichtinvasive Atemhilfen und Beatmungsverfahren aus: „Der Patient bekommt etwa eine Maske, in der der Druck höher ist als in der Umgebung. Über die Maske erhält er ein Luft-Sauerstoff-Gemisch.“ Lungenbereiche, die durch entzündliches Sekret bereits verschlossen sind, können so geöffnet werden. „Zusätzlich kann der Patient von dem Gerät unterstützt werden: Es misst den Atemfluss und erhöht den Druck, mit dem das Luft-Sauerstoffgemisch in die Lunge geblasen wird. Dadurch wird die Lunge besser ausgedehnt.“

"Sprechen gut an"

Viele Patienten sprechen „extrem gut“ auf solche Verfahren an. Auch der systematische Wechsel der Lagerung des Patienten hilft viel. „Wir behandeln heute einen Großteil der Patienten mit Lungenerkrankungen mit nichtinvasiven Atemhilfen und Beatmungsverfahren."

Nur wenn das nicht reicht, muss intubiert werden, also ein Schlauch (Tubus) über den Mund in die Luftröhre eingeführt werden. Und in ganz schweren Fällen kann auch noch außerhalb des Körpers Kohlendioxid aus dem Blut entfernt und dieses mit Sauerstoff angereichert werden. Danach wird das aufbereitete Blut zurückgeführt.

„Im Moment sind wir in Österreich noch eine Insel der Seligen“, sagt Hasibeder. „Wir haben sehr viele intensivmedizinisch gut ausgestattete Spitalsbetten.“ Wie viele Beatmungsgeräte derzeit von Spitälern noch angekauft werden können – Deutschland hat bei einem Hersteller 10.000 Stück bestellt –, ist unklar: „Wir arbeiten unter Hochdruck, um alle Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen versorgen zu können“, heißt es bei einer vom KURIER kontaktierten Firma. Hasibeder: „Ich hoffe, dass die Kapazitäten ausreichen werden.“

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