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Wissen Gesundheit
04/16/2021

Impfen: Warum uns die seltenen Thrombosen so verunsichern

Was die Angst vor einer Impfreaktion mit Lottospielen zu tun hat und wie man ihr begegnen kann.

von Elisabeth Gerstendorfer

Meldungen über Todesfälle und Nebenwirkungen wie Hirnvenenthrombosen verunsichern zutiefst. Auch, dass manche Länder wie zuletzt Dänemark die Impfung mit Astra Zeneca stoppen. Impfexperten betonen zwar, die Risiken der Impfstoffe sind geringer als ihr Nutzen – doch die Angst bleibt.

Psychologin Marcella Stolz erklärt, was dahintersteckt: „Wenn man logisch darüber nachdenkt, ist jedem klar, dass die Wahrscheinlichkeit gering ist. Aber es ist nicht die Logik, sondern vor allem das Gefühl, das unser Handeln bestimmt. Es reicht nicht aus, etwas zu wissen, wenn dieses Wissen nicht mit dem Gefühl zusammenpasst. Das gilt insbesondere für das Gefühl der Angst.“

Vergleich zu Lottospielen

Allein die Möglichkeit einer Impfnebenwirkung, etwa einer Thrombose, löst also Angst aus – egal, was die Statistik zeigt. Dass die Angst davor irrational ist, zeigt ein Vergleich mit Lottospielen: „Trotz sehr geringer Aussicht auf einen Gewinn spielen viele Lotto, weil sie hoffen zu gewinnen.“

Ganz allgemein werden viele Risiken falsch eingeschätzt, etwa, dass Flugzeugabstürze häufiger wären als Autounfälle oder Haiangriffe eher eine Gefahr als Kuhattacken.

Vor allem bei Gewohnheiten, die fest im Leben verankert sind, wie Rauchen oder eine ungesunde Ernährung, werden die Risiken ausgeblendet, während herausragende Risiken wie eben der Flugzeugabsturz gefährlicher eingeschätzt werden.

„Jeder Raucher weiß, dass Rauchen ungesund ist und dass man vielleicht daran stirbt. Aber das Wissen alleine reicht nicht, man braucht meist erst ein gesundheitliches Problem, wo das Erschrecken kommt. In Bezug auf Covid-19 kann das sein, dass man eine Person kennt, die schwer erkrankt ist, und dass man sich vor Augen hält, was ist das andere Risiko, wenn ich nicht impfen gehe“, betont Stolz.

Meinung anderer wichtig

Eine große Rolle spielt die Meinung anderer, die man für kompetent und wichtig hält. „In sehr vielen Fällen hilft, wenn ein Fachmann wie der Arzt noch einmal versichert, dass z.B. eine Nebenwirkung sehr selten auftritt. Kontraproduktiv ist, wenn mehrere der gleichen Meinung sind. Das bestärkt dann das Gefühl der Angst“, meint die Psychologin.

Die Pandemie sei ein Sonderfall, weil es keine persönlichen Erfahrungswerte gibt und viele Menschen überfordert sind. Dies führe dazu, dass noch mehr Wert daraufgelegt wird, welche Meinung andere zur Impfung haben. Stolz: „Dadurch, dass das Thema ständig in den Medien präsent ist, ist es absolut im Fokus und jeder hat eine Meinung dazu. Die Emotion zu erreichen, wenn jemand zu einer Überzeugung gekommen ist, ist dadurch wirklich sehr schwierig.“

Ängste überprüfen

Dennoch helfe es, an die Vernunft zu appellieren und Menschen dazu aufzurufen, ihre Ängste zu überprüfen. Sinnvoll ist, sich etwa zu überlegen, was das Worst Case Scenario ist und wie darauf reagiert werden könnte. So betonen etwa Mediziner, dass die Prognose bei Thrombosen nach Impfungen gut sei.

„Es ist eine Neigung von uns Menschen, sich eher auf das Negative zu konzentrieren, während das Positive als selbstverständlich angesehen wird. Da hilft es nur, sich bewusst mit den Fakten auseinanderzusetzen“, sagt Stolz.

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