Reingard Glehr: „Trotz aller Negativmeldungen: Es tut sich sehr viel Gutes, das geht oft unter.“

© elmar gubisch

Wissen Gesundheit
04/04/2021

Hausärztin: "Bin zuversichtlich, dass es bald leichter wird"

Reingard Glehr versucht, ihren Patienten Sorgen vor der Impfung zu nehmen und sie positiv zu motivieren.

von Ernst Mauritz

„Ich komme gerade vom Impfen – heute waren es nur 30 Personen, aber es gab auch schon Tage mit 100 Geimpften.“ Reingard Glehr erzählt das mit spürbarer Freude: „Ja, es gibt immer wieder Bedenken, aber ich habe das jetzt schon so oft erlebt: Die Menschen, die ich impfen konnte, sind sehr dankbar dafür und spüren alle eine große Erleichterung, ganz egal, ob Ältere, Pädagogen, Gesundheitspersonal oder Menschen mit hohem Risiko.“

Reingard Glehr ist Allgemeinmedizinerin in Hartberg und eine der Sprecherinnen der Kampagne „Österreich impft“. Im vergangenen Jahr hat sie unter ihren Patientinnen und Patienten schwere Covid-19-Verläufe und auch Todesfälle miterlebt – „besonders in unserem Pflegeheim in Hartberg. Umso beeindruckender ist es, dass wir seit Beginn der Impfkampagne dort keinen Fall mehr gehabt haben. Die Freude der Menschen, dass jetzt wieder – zwar noch eingeschränkt, aber doch – Besuche möglich sind, ist sehr berührend.“

Glehr hat als Hausärztin im vergangenen Jahr viele Patienten auch psychisch unterstützt: „Einsamkeit war und ist ein großes Problem, auch Depressionen, existenzielle Zukunftsängste. Das kann man nicht schönreden. Aber beeindruckt hat mich, dass viele Menschen auch unglaubliche Bewältigungsstrategien und neue Fähigkeiten entwickelt haben.“ Etwa junge Mütter und Väter, denen oft gar nicht bewusst sei, was sie alles leisten. „Dabei geraten sie in Gefahr, die Selbstfürsorge zu vernachlässigen, nicht darauf zu achten, dass es auch ihnen selbst gut geht. Bei vielen Gesprächen in der Ordination ist es ein Thema, dieses Auf-sich-Schauen zu stärken.“

Auch nach einem harten Jahr hat sich die Ärztin ihren Optimismus bewahrt: „Vergangene Ostern hatten wir kaum Schutzausrüstung, keine Tests, keine Impfung, wenig Wissen um das Virus. Heute sind viele der Anfangsschwierigkeiten beseitigt.“

„Sehr viel Gutes“

Deshalb sei sie positiv gestimmt: „Natürlich sehe ich die Probleme bei der Versorgung mit Impfstoffen, dass auch viele Menschen mit Risikofaktoren schon sehr lange auf einen Termin warten müssen. Ich sehe aber auch, dass sich alle Verantwortlichen bemühen, die vorhandenen Dosen rasch gerecht zu verteilen und dass bald mehr Impfstoffe erwartet werden.“ Und es habe ja auch noch nie eine so gewaltige Impfaktion gegeben. „Trotz aller Negativmeldungen: Es tut sich sehr viel Gutes, das geht oft unter. Vor einem Jahr hätte ich nie gedacht, dass wir Ostern 2021 schon vier Impfstoffe in der EU haben werden.“

Natürlich werde jetzt „nicht gleich auf einen Schlag alles besser werden – aber ich bin sehr zuversichtlich, dass unsere Lebenssituation bald leichter wird“. Zahlreiche Menschen haben bereits eine Infektion durchgemacht, dazu kommt die steigende Zahl an Geimpften. „Es baut sich also eine gewisse Grundimmunität in der Bevölkerung auf, das bremst die Ausbreitung des Virus. Natürlich wird es versuchen, sich durch Mutationen seine leichte Übertragbarkeit zu erhalten – aber darauf kann man, so wie bei der Grippe, mit angepassten Impfstoffen reagieren.“

Viele Sorgen zum Thema Impfen könne sie in Gesprächen in der Ordination oder am Telefon nehmen: Etwa die Ansicht, dass man nur geschützt sei, wenn man die Erkrankung durchgemacht hat. „Das kann ich leicht entkräften. Studien aus Großbritannien oder Israel zeigen, dass unter den Geimpften die Erkrankungen um mehr als 90 Prozent reduziert sind – im Vergleich zu Ungeimpften.“

Oder die Angst junger Frauen, dass die Impfung die Fruchtbarkeit reduzieren könnte: „Das ist nicht der Fall – schließlich hat auch die Virusinfektion keinen Einfluss auf die Fertilität.“

Derzeit gebe es viele Fragen zum Risiko von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Venen des Gehirns: „Diese sind nach wie vor extrem selten – und mittlerweile sehr gut behandelbar. Aber bei massiven Kopfschmerzen mehr als drei Tage nach der Impfung und kleinen Hautblutungen sollte man zum Arzt gehen.“

Viele Menschen – auch sie selbst – schöpfen ihre Kraft für die kommenden Wochen aus der Vorfreude auf das, was wieder möglich sein wird: „Mein Vater ist Mannschaftsarzt des Fußballvereins TSV Hartberg. Ich freue mich schon darauf, auch wieder mit ihm im Stadion sein zu können. Und als Geigenspielerin sehne ich schon den Tag herbei, an dem unser Orchester erstmals seit langem wieder proben kann.“

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