Der Impfstoff von BioNTech und Pfizer.

© EPA/BIONTECH SE / HANDOUT

Wissen Gesundheit
11/14/2020

Endspurt: Die letzten Meter vor dem Impfstoff-Ziel

Nach BioNTech/Pfizer werden in den nächsten Tagen und Wochen die ersten Daten weiterer Firmen aus den großen Zulassungsstudien erwartet.

von Ernst Mauritz

„Die Pandemie hat die Türen für einen unglaublichen Entwicklungsschub bei der Impfstoffherstellung geöffnet“, sagt die Impfstoff-Spezialistin Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien.

BioNTech / Pfizer gingen diese Woche als erste mit einem Zwischenergebnis ihrer Studie mit 44.000 Probanden an die Öffentlichkeit: Demnach waren neun von zehn Personen, die zwei Dosen des Impfstoffs erhielten, vor einer Erkrankung geschützt – das wäre deutlich mehr als bei der Grippeimpfung. Die beiden Firmen planen bereits für die kommende Woche, bei der US-Arzneimittelbehörde FDA einen Antrag für eine Notfallzulassung einzureichen.

Neben BioNTech / Pfizer seien einige weitere Impfstoff-Kandidaten im Endspurt, sagt Wiedermann-Schmidt. Sie rechnet damit, dass es „bei drei bis vier weiteren Produkten bis Jahresende erste Ergebnisse aus den Zulassungsstudien mit jeweils mehreren zehntausend Teilnehmern geben könnte“. Eine Auswahl:

  • Moderna Die US-Firma startete so wie BioNTech / Pfizer Ende Juli ihre Studie mit 30.000 Teilnehmern. Noch im November will sie erste Daten veröffentlichen. Die Technologie ist dieselbe wie bei BioNTech: Geimpft wird nur der genetische Bauplan für ein Eiweiß des Coronavirus, „das so aussieht wie das Oberflächeneiweiß des Virus“, erklärt Wiedermann-Schmidt. Zellen produzieren dann das Protein.

    „Das Immunsystem erkennt es als fremd und reagiert mit einer Antwort des Immunsystems.“ Dieses bildet Antikörper (Abwehrstoffe) und aktiviert Abwehrzellen. „Sowohl die Gen-Abschnitte als auch das produzierte Protein werden rasch vom Körper abgebaut.“ Was bleibt, ist das Gedächtnis des Immunsystems, das bei einer Infektion mit dem tatsächlichen Virus den Feind sofort erkennt und angreift.

    • AstraZeneca / Uni Oxford Die englische Universität hat einen Impfstoff mit einem Transportvirus („Huckepack-Vakzin“) entwickelt, den sie mit AstraZeneca zur Zulassung bringen will. Die Firma hat kürzlich bestätigt, dass die Daten der Phase-3-Studie bis Jahresende erwartet werden. Dabei wird ein abgeschwächtes Schnupfenvirus genetisch so verändert, dass seine Oberfläche wie jene eines Coronavirus aussieht – dem Immunsystem wird also eine Infektion mit SARS-CoV-2 vorgetäuscht.
    • Johnson & Johnson Der US-Pharmakonzern hat ebenfalls einen solchen Impfstoff mit einem Transportvirus in Phase 3. Im Gegensatz zu vielen anderen Präparaten soll hier eine (statt zwei) Dosen ausreichen.

      Alle Firmen, die solche Transportviren verwenden, schauen mit großem Interesse nach Russland – denn auch der russische Impfstoff Sputnik V funktioniert nach diesem Prinzip. Zwei Tage nach BioNTech / Pfizer verkündeten russische Experten auf Basis von nur 20 Covid-19-Erkrankungen, dass der Impfstoff das Infektionsrisiko um 90 Prozent senkt. Auch wenn westliche Experten aufgrund der geringen Datenlage noch sehr zurückhaltend sind: Auch für alle anderen Impfstoffe dieser Art würde so ein Erfolg einen Auftrieb bringen.

      • Novavax Dieses US–Unternehmen produziert in Zellkulturen als Impfstoff jenes Eiweiß des Virus, gegen das der Körper eine Abwehr bildet. Hier sollen Anfang 2021 erste Daten vorliegen.

      Wiedermann-Schmidt: „Ich gehe davon aus, dass wir eine Vielzahl an Impfstoffen bekommen werden, die wir dann unterschiedlich einsetzen werden – die einen vielleicht mehr für ältere, die anderen für jüngere Menschen. Da wird sich sehr viel tun. In die Palette wird ein Produkt nach dem anderen dazukommen.“

      Zuerst individueller Schutz

      Sobald die ersten Impfdosen verfügbar sind, wird es zunächst um den individuellen Schutz für jene gehen, für die er am wichtigsten ist, betont Wiedermann-Schmidt von der MedUni Wien (siehe unten). Um einen Bevölkerungsschutz (Herdenimmunität) zu erreichen – der eigene Impfschutz trägt  gleichzeitig zum Schutz der Gemeinschaft bei –, müssten rund 70 Prozent  der Bevölkerung geimpft sein.

      „Das halte ich in der ersten Zeit für unwahrscheinlich, weil nicht sofort ausreichend Impfstoff verfügbar sein wird und weil viele Leute am Anfang auch noch zurückhaltend sein werden. Hier wird eine gute Information wichtig sein, um Vertrauen in die Impfstoffe zu schaffen.“

      Noch weiß man auch nicht, ob die Impfstoffe auch die Weitergabe von Infektionen verhindern können. Deshalb werde die Impfung besonders zu Beginn die bisherigen Maßnahmen wie Masken und Abstandhalten nicht ersetzen können. „Sie wird aber von Anfang an vieles leichter machen.“ 

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