Der Status "Genesen" geht zwar nach einem halben Jahr verloren, aber eine Million Menschen in Österreich hat eine bestätigte Infektion mit dem neuen Coronavirus durchgemacht.

© APA/AFP/INA FASSBENDER

Wissen Gesundheit
11/18/2021

Eine Million Infektionen offiziell: Wie groß ist die Dunkelziffer?

Simulationsforscher Niki Popper: "Im Moment auf jeden Fall doppelt so viele Infektionen pro Tag wie gemeldet."

von Ernst Mauritz

Eine Million gemeldete Infektionen mit dem Coronavirus seit Beginn der Pandemie: Dieser Wert wurde heute in Österreich erreicht und überschritten. 1.011.465 Covid-19-Infektionen seit Pandemiebeginn sind es mit den aktuellen Zahlen vom Donnerstag. 

Derzeit kommt jeden Tag eine fünfstellige Zahl an gemeldeten Neuinfektionen dazu. Der Simulationsforscher Niki Popper geht davon aus, dass es derzeit "auf jeden Fall tatsächlich doppelt so viele sind. Mit dieser Annahme sind Sie gut dabei." In der ansteigenden Phase einer Infektionswelle ist die Dunkelziffer größer als in der absteigenden. Einer der Gründe dafür: Das Contact Tracing ist bei den hohen Zahlen deutlich überlastet, Infektionsketten können nicht mehr in ausreichender Zahl durchbrochen werden. Viele asymptomatische Fälle werden so nie entdeckt.

Man könne aber nicht sagen, dass es bei einer Million bestätigter Infektionen seit Pandemiebeginn eine weitere Million an unentdeckten Fällen gab. "Die Häufigkeit der unentdeckten Fälle in unterschiedlichen Phasen der Pandemie hängt von vielen Faktoren ab."

Nicht alle dieser ehemals Infizierten sind heute gegen das SARS-CoV-2-Virus immunisiert. Etwa, weil sie  nach der Infektion keine entsprechende Immunantwort ausgebildet haben - und bei vielen ist mittlerweile die Immunantwort auch abgeschwächt, so sie sich nicht impfen haben lassen. Etwa neun Prozent der Gesamtbevölkerung hatten Anfang November ihre Immunität ausschließlich aufgrund einer überstandenen Covid-Erkrankung, heißt es in der "Modellbasierten Schätzung des Immunisierungsgrades in Österreich" des Unternehmens dwh, einem Spin-off der Technischen Universität Wien.

"Wir brauchen noch eine Million Impfwillige in den nächsten Wochen für einen guten Herbst", hatte Niki Popper Anfang September auf Twitter geschrieben. "Vor kurzem haben wir seit diesem Datum die Marke von 600.000 zusätzlich Geimpften erreicht. Da kann man jetzt noch die seither Genesenen dazu rechnen, aber trotzdem reicht es noch nicht", betont der Simulationsforscher: "Das Traurige ist: Das sind ja gar nicht so viele, die uns fehlen. Es hätte halt einer gewissen Anstrengung bedurft, das zu erreichen. Dass wir das nicht geschafft haben, kommt uns jetzt halt teuer zu stehen."

Derzeit zeige sich, dass der Unterschied zwischen einer Impfrate von knapp über 60 Prozent (Oberösterreich) und 72 Prozent (Burgenland) "einen gewaltigen Unterschied in der Dynamik des Infektionsgeschehens" ausmache, betont Popper. "Im Moment sind wir in der Pandemie in einer Phase, in der die Intensivkapazitäten weitgehend ausgeschöpft sind und wir mit einer Zeitverzögerung einen Anstieg in der Hospitalisierung sehen. Da müssen sich die Politiker die Frage stellen, ob sie sich das weiter anschauen wollen. Wir können sie nur darauf hinweisen, wie die Situation derzeit ist."

Wie lange der Anstieg bei den Infektionszahlen noch andauern werde, hänge von zwei Faktoren ab: "Wie schnell kommen wir mit den Impfungen voran - und mit welchen Maßnahmen drücken wir gegen die Virusausbreitung."

Derzeit sind 65,5 Prozent der Gesamtbevölkerung doppelt geimpft.

Auch in Deutschland geht man von einer großen Dunkelziffer bei den Infektionszahlen aus. Laut einer deutschen Studie wurde zwischen Oktober 2020 und Februar 2021 jede zweite mit SARS-CoV-2 infizierte Person nicht getestet und blieb damit für die Statistik unerkannt. In einem aktuellen Interview mit der deutschen Welle sagt der Epidemiologe Hajo Zeeb, dass derzeit in Deutschland "die uns bekannten Fälle zwischen der Hälfte und einem Drittel der tatsächlichen Zahlen ausmachen".

"Es ist davon auszugehen, dass Deutschland eine noch viel höhere Dunkelziffer hat", sagt Popper, "weil sie viel weniger testen als wir in Österreich".

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