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Wissen Gesundheit
05/24/2021

Drosten: Britische Zahlen sind "ermutigend für den Schulbetrieb"

Kinder hätten zudem ein Recht darauf, dass im Herbst wieder normaler Unterricht ist - unter einer Voraussetzung sei das möglich.

von Ute Brühl

Solange Kinder nicht geimpft sind, werden Schulöffnungen immer mit einem Risiko verbunden sein. Ein Blick nach Großbritannien kann hier wohl ein wenig die Sorge nehmen, wie der deutsche Virologe Christian Drosten twittert: „Sehr gut: auch 4 Wochen nach den Osterferien in England bleibt die Prävalenz in den Schuljahrgängen niedrig.“ Heißt: In den Schulen haben sich offensichtlich im vergangenen Monat kaum Kinder angesteckt, obwohl dort wieder - fast - normaler Schulbetrieb herrscht.

Geimpfte Eltern

Drosten erklärt sich die gute Nachricht so: „Schulbetrieb mit intensiver Testung, zunehmend geimpfter Erwachsenen-Bevölkerung und weit gesenkter Wocheninzidenz seit dem letzten Lockdown. Das sieht jetzt ganz anders aus als im Teil-Lockdown im November. Damals gab es bei Kindern ca. vier Mal mehr  Infektionen als bei Erwachsenen. “

Die Daten aus Britannien seien „wirklich ermutigend für den Schulbetrieb. Die Impfung der Erwachsenen könnte den Pingpong Effekt zwischen Schulen und Haushalten unterbrechen. Außerdem leistet die regelmäßige Testung (zwei Mal pro Woche) bestimmt einen wichtigen Beitrag. Hoffen wir, dass der Immunschutz lange hält.“

Prognose für den Herbst

Was das für den Herbst heißt? Der Virologe plädiert dafür, dass Kinder dann wieder einen völlig normalen Schulalltag haben sollen – ohne Tests und ohne Masken, wie er in seinem aktuellen Podcast  sagt: „ Man kann nur hoffen, dass wir bis im Herbst noch höhere Durchimpfungsraten  haben.“ Wenn die Eltern mitziehen und sich  impfen lassen, schütze das  hoffentlich  den Schulbetrieb. „Wenn man aber sehen sollte, dass  die Infektionen  wieder hochkochen, dann müsste man sich  schon überlegen, wenigstens einmal pro Woche auf Klassenebene zu testen. Selbst  Schulschließungen seien nicht ausgeschlossen,  wenn das Geschehen  außer Kontrolle  gerate.

Ethisch nicht vertretbar

Der Herdenschutz könne dabei aber keine Rolle mehr spielen: „Man kann Risikopatienten und Erwachsene durch die Impfung sehr gut schützen.  Die Kinder darf man da nicht mehr in die Pflicht nehmen und ihnen sagen, sie müssen auf ein normales Leben verzichten –  zugunsten der Älteren. Das ist ethisch nicht mehr in Ordnung.“ Wenn jemand sich nicht impfen lassen will, dann sei er auch dafür verantwortlich, wenn er infiziert wird.

Es gehe in der Frage Schulschließungen Ja oder Nein einzig und allein darum, die Infektionen bei Kindern  einzudämmen: Denn die Infektionen verlaufen auch bei  ihnen keinesfalls so harmlos, „wie das  erstaunlicherweise in beruflichen Fachverbänden einige  noch  hinstellen.“  Das Problem sei, dass man noch gar nicht wisse, welche Folgen es habe, wenn sich große Gruppen von jungen Menschen infizieren.  Gerade das Beispiel England mache deutlich, dass dann doch auch einige kranke Kinder im Spital landen.

Longcovid und PIMS

Zwar zeigen sich die Folgen eine Covid-Infektion bei Kindern meistens nicht sofort, sie könnten aber durchaus auch schwerwiegend sein: Zum einen leiden auch einige  Kinder und Jugendliche an Longcovid, zum anderen gibt es bei ihnen das Entzüngssyndroms PIMS, das häufig zu Spitalsaufenthalten führt.
Auch wenn die Situation in Englands Schulen derzeit gut aussehe, so sei das Risiko, sich in einer Wintersaison in der Schule anzustecken, doch vergleichsweise hoch. „So aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass jedes dritte Kind sich infiziert“, meint Drosten. Der einzige Ausweg sei, auch Kinder und Jugendliche zu impfen. „Hier sind Impfstoffe auf Proteinbasis, wie  Novavax  (noch nicht zugelassen, Anm.) eine gute Alternative. Mit  diesen habe man bei Kindern  schon gute Erfahrungen, etwa gegen Hepatitis.“


 Zuerst müssten die Jugendlichen ab 12 Jahren  geimpft werden, für die zumindest der Biontech-Impfstoff wohl auch in Europa in Kürze zugelassen wird.  Danach kommen Kinder ab 6 Jahren dran. „Sind die geimpft, ist es durchaus möglich, dass man noch Jüngere nicht impfen muss.“

 

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