In Israel kann mittlerweile jeder fünf Monate nach der zweiten eine dritte Impfung mit dem Präparat von Biontech/Pfizer erhalten.

© REUTERS/NIR ELIAS

Wissen Gesundheit
09/17/2021

Dritte Covid-Impfung: Wer braucht sie - und wie stark reagiert man?

Neue Daten zeigen eine hohe Wirksamkeit bei älteren Menschen. Heftig diskutiert wird, wer sie jetzt schon benötigt und ob Booster-Impfungen für alle gerechtfertigt sind.

von Ernst Mauritz

Es sind vorerst nur Kurzzeit-Daten, aber sie deuten auf eine gute Wirkung einer dritten Impfung bei Menschen über 60 Jahren hin – das ergab jetzt eine große israelische Studie. Auch in Österreich sind die Booster-Impfungen für ältere Menschen und Risikopersonen bereits angelaufen. Andererseits gibt es auch Stimmen, die eine dritte Impfung zumindest für die Gesamtbevölkerung derzeit noch nicht für notwendig halten. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur dritten Impfung.

Was zeigt die Studie aus Israel?

Sie basiert auf den Daten von mehr als einer Million Menschen im Alter von 60 und mehr Jahren. Sie hatten vor mindestens fünf Monaten zwei Dosen des Biontech/Pfizer-Impfstoffes erhalten. Bei jenen, die im August eine dritte Impfung bekamen, gab es ab 12 Tagen nach der Impfung 11-mal weniger Infektionen und fast 20-mal weniger schwere Erkrankungen als bei den zweifach Geimpften.  Wie lange der Schutz anhält, kann aber jetzt noch nicht gesagt werden. Israel hat Ende Juli begonnen, zunächst Personen über 60 mit einer dritten Dosis des Biontech/Pfizer-Impfstoffes zu immunisieren. Mittlerweile kann aber jeder frühestens fünf Monate nach der zweiten Impfung eine Auffrischung erhalten.

Nebenwirkungen wurden hier nicht untersucht. Generell zeigten mehrere Studien, dass es mit der Zeit vor allem bei Älteren und Risikopatienten mit Vorerkrankungen wie einem geschwächten Immunsystem zu einem Rückgang des Schutzes vor symptomatischen Erkrankungen kommt. „Heute wissen wir, dass der dritte Stich dazu führt, dass sehr hohe Antikörperspiegel  erzeugt werden, die wahrsheinlich länger im Blut bleiben“, sagte kürzlich Labormediziner Oswald Wagner von der MedUni Wien.

Was ist von Berichten zu halten, wonach die Reaktionen auf die dritte Impfung stärker sein sollen?

Bisher gibt es nur Daten aus einer Umfrage der Krankenkasse Clalit in Israel unter 4.500 Personen, die drei Mal den Biontech/Pfizer-Impfstoff erhalten hatten: 88 Prozent gaben an, dass sie sich in den Tagen nach der dritten Impfung „gleich gut oder besser“ als nach der zweiten Impfung gefühlt haben. 0,4 berichteten über Atembeschwerden, ein Prozent suchte einen Arzt auf. „Die Reaktionen sind insgesamt mit der zweiten mRNA-Impfung vergleichbar, und da hatte gut die Hälfte Fieber und Unwohlsein“, sagt die Virologin Monika Redlberger-Fritz von der MedUni Wien. „Die bisherigen Berichte aus Österreich decken sich mit den israelischen Daten. Dass es stärker wäre, darauf gibt es keine Hinweise.“

Und wenn die ersten beiden Impfungen ein Vektorimpfstoff waren? Wie sieht es dann mit Impfreaktionen aus?

Die Drittimpfungen sind nur mRNA-Impfstoffe (Biontech/Pfizer, Moderna). Rudolf Schmitzberger, Leiter des Impfreferates der Österreichischen Ärztekammer, sagt, wer zuerst einen Vektorimpfstoff (Astra Zeneca, Johnson & Johnson) hatte und beim zweiten bzw. dritten Stich erstmals einen mRNA-Impfstoff bekommt, kann „dann Reaktionen bekommen, die mit jenen der Erstimpfung beim Vektorimpfstoff vergleichbar sind“.  Und die sind bei diesen Vakzinen bei der Erstimpfung stärker.

Warum gibt es aber an der dritten Impfung zu jetzigen Zeitpunkt auch Kritik?

Eine generelle dritte Impfung für alle ist international umstritten. Während etwa in den USA der Immunologe Anthony Fauci ebenso wie die US-Regierung dafür eintreten, sind andere Experten skeptisch – am Freitag tagte die US-Arzneimittelbehörde FDA über die Zulassung einer dritten Dosis für alle ab 16 Jahren. Zuletzt hatte sich ein Forscherteam im Fachmagazin The Lancet gegen eine breit angelegte dritte Impfung zum jetzigen Zeitpunkt ausgesprochen – darunter auch Mitarbeiter der US-Arzneimittelagentur FDA und der Weltgesundheitsorganisation WHO: „Keine der bisherigen Studien hat bis jetzt  einen deutlichen Rückgang des Schutzes vor schwerer Erkrankung gezeigt.“

„Das ist richtig, aber wir sehen einen kontinuierlichen Abfall der Antikörperspiegel“, entgegnet Redlberger-Fritz. „Damit wird es früher oder später zu einer Situation kommen, wo auch schwere Verläufe zunehmen werden. Deshalb ist es momentan am dringlichsten, die vulnerablen Gruppen (Menschen ab 65 uns solche mit hohem Risiko, Anm.) mit einer dritten Impfung zu schützen, wo wir nach sechs Monaten bereits einen Anstieg der Infektionen sehen.“

Und die Gesamtbevölkerung?

Ihnen wird der Booster in Österreich erst frühestens nach neun Monaten empfohlen (Ausnahme: Astra Zeneca und Johnson & Johnson, hier bereits ab sechs Monaten). Bei Johnson & Johnson könnte eine zweite Impfung bereits nach sechs Monaten besonders wichtig sein, weil hier neue Daten zeigen, dass es mehr Impfdurchbrüche (Infektion mit Symptomen) als bei den anderen Covid-19-Impfstoffen gibt. Experten betonen aber, dass nach wie vor auch bei diesem Impfstoff ein guter Schutz vor schweren Erkrankungsverläufen gegeben ist.

Was den Impfschutz durch generell betrifft, betont Redlberger-Fritz, dass „die Empfehlungen ein lebendes Dokument sind, das ständig an die neuesten Erkenntnisse angepasst wird“. Sollten neue Daten kommen, die zeigen, dass eine Auffrischung auch erst nach 12 oder 18 Monaten ausreicht, „dann ist uns das auch recht. Da der Großteil dieser Bevölkerungsgruppe erst im Mai/Juni geimpft wurde, dauert es ohnehin noch, bis die neun Monate – ab der zweiten Impfung – erreicht sind“.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat sich für ein Moratorium für großflächige Booster-Impfungen für gesunde Menschen bis Jahresende ausgesprochen. Derzeit seien die Drittimpfungen nur für Menschen mit Immunschwäche gerechtfertigt, weil auch zwei Impfungen vor schweren Erkrankungen und Todesfällen schützen würden. Wichtiger sei es derzeit, die weltweite Impfrate mit Erst- und Zweitimpfungen zu erhöhen.

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