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Wissen Gesundheit
05/04/2021

Covid: Warum Sie ein Pulsoxymeter zu Hause haben sollten

Wie der Wert interpretiert wird und warum er früher auf eine fortschreitende COVID-Erkrankung hindeutet als Fiebermessen.

von Elisabeth Gerstendorfer

Es ist ein kleiner Clip, der am Finger oder am Ohrläppchen angebracht wird und die Sauerstoffsättigung im Blut misst. Der gemessene Wert gibt schnell Auskunft darüber, wie gut Sauerstoff an die roten Blutkörperchen gebunden ist, wie gut also ein Mensch mit Sauerstoff versorgt ist. Bei gesunden Menschen sollte der mit einem Pulsoxymeter gemessene Wert im Bereich von 93 bis 99 Prozent liegen. Ist der Wert zu niedrig und liegt bei 92 Prozent oder weniger kann das zu Atemnot führen.

Man kennt die kleinen Geräte vor allem aus der Überwachung von Spitalspatienten, etwa bei einer Narkose oder auf der Intensivstation. In der Notfallmedizin kommen sie oft zum Einsatz, ebenso wie bei chronischen Lungenerkrankungen wie COPD. Während der Pandemie zeigte sich, dass Pulsoxymeter auch für Laien hilfreich sein können. Ist man an COVID erkrankt und zuhause, kann eine Überwachung der Sauerstoffsättigung helfen zu erkennen, ob bzw. wann eine medizinische Versorgung im Krankenhaus notwendig wird. „Wenn man nicht sicher ist, ob man ins Spital soll oder nicht, weil man positiv getestet wurde und Husten hat, kann ein Pulsoxymeter auch zur eigenen Beruhigung dienen“, sagt Ernest Zulus, medizinischer Leiter des Ärztefunkdienstes.

Hinweis, wann man ins Spital sollte

Denn bevor die Patienten Atemnot verspüren, sinkt die Sauerstoffsättigung ab. „Bei sonst Symptomfreien ist eine Sättigung von 92 Prozent oder weniger ein klarer Fall, dass man ins Spital muss. Liegt sie darüber und geht es den Patienten gut, verspüren sie also z. B. keine Atemnot, dann kann man sie zu Hause lassen“, so Zulus. Die meisten Menschen messen allerdings ihre Körpertemperatur und erwarten erst bei hohem Fieber ins Spital zu müssen. Ein Pulsoxymeter, das etwa 20 Euro kostet, zuhause zu haben, kann bei positiv Getesteten früher anzeigen, dass es zu Atemnot kommen könnte.

Grund dafür ist, dass die Lungen der Patienten auch bei schweren Krankheitsverlauf trotz sinkendem Sauerstoffgehalt noch eine Zeit lang Kohlendioxid abführen können. Erst wenn dies nicht mehr der Fall ist, kommt es zu Atemnot. Bereits davor, wenn also der Sauerstoffgehalt bei 92 Prozent oder weniger liegt, ist allerdings eine stationäre Behandlung im Krankenhaus notwendig. "Wichtig ist, dass die Messung mit dem Pulsoxymeter unter Belastung erfolgt und nicht unter Ruhe. Lange bevor die Leute Atemnot subjektiv verspüren, ist die fallende Sättigung ein erstes Symptom eines schweren Verlaufs“, sagt Zulus.  

Viele haben gar kein Fieber

Ein kürzlich veröffentlichter Kommentar zweier amerikanischer Pflegeexpertinnen in der Fachzeitschrift Frontiers in Medicine betont, wie wichtig Pulsoxymeter vor allem bei älteren Patienten sind. In dem Artikel heißt es, dass die Körpertemperatur von älteren Erwachsenen generell eher niedriger ist. Das heißt, dass Fieber möglicherweise übersehen wird, da bereits Temperaturen unter dem kritischen Standardwert von 38 Grad relevant sein können. „In der Tat zeigen mehr als 30 Prozent der älteren Erwachsenen mit schweren Infektionen leichtes oder gar kein Fieber“, schreiben die beiden Autorinnen Catherine Van Son und Deborah Eti vom Washington State University College für Krankenpflege. Auch andere häufige frühe Symptome von COVID-19 könnten nicht unbedingt erkannt werden, etwa Müdigkeit oder Kopfschmerzen.

Die beiden Pflegeexpertinnen betonen in ihrem Kommentar, dass frühere Interventionen aufgrund des gemessenen Sauerstoffwerts „den Patienten helfen, hochinvasive Eingriffe wie eine Intubation zu vermeiden“.

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