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Wissen Gesundheit
04/25/2022

Covid: Nur jeder vierte Krankenhauspatient ist ein Jahr später gesund

Wer im Spital behandelt werden musste, hat ein hohes Risiko für Long Covid. Welche Symptome auftreten und wer besonders gefährdet ist.

von Elisabeth Gerstendorfer

Rund 825.00 Menschen mussten in Österreich seit Beginn der Pandemie auf einer Normalstation im Krankenhaus wegen einer Covid-Infektion behandelt werden. Auf den Intensivstationen waren es rund 179.000 Patientinnen und Patienten. Beide, sowohl jene, die auf einer Normalstation als auch jene, die auf einer Intensivstation aufgenommen wurden, haben ein hohes Risiko für anhaltende gesundheitliche Beeinträchtigungen, wie eine aktuelle britische Studie zeigt.

Untersucht wurden 2.320 Personen ab 18 Jahren, die zwischen dem 7. März 2020 und dem 18. April 2021 nach einer Covid-Infektion aus dem Krankenhaus entlassen wurden. 1.965 davon nahmen an einer Erhebung zu ihrem Gesundheitszustand fünf Monate nach ihrer Entlassung teil. 807 davon kamen auch ein Jahr nach der Entlassung zu einer weiteren Erhebung. 28 Prozent von ihnen mussten während des Krankenhausaufenthalts künstlich beatmet werden.

Die Ergebnisse

  • Fünf Monate nach der Entlassung fühlte sich nur ein Viertel der 1.965 Patientinnen und Patienten vollständig erholt. 55 Prozent gaben an, dass sie sich nicht erholt hätten. Die restlichen 20 Prozent gaben an, nicht sicher zu sein, ob sie sich erholt hätten.
  • Nach einem Jahr gaben 29 Prozent der 807 Befragten an, dass sie sich vollständig erholt hätten. 49 Prozent gaben an, dass dies nicht der Fall ist. 22 Prozent waren nicht sicher.
  • Der Anteil der Patientinnen und Patienten, die eine vollständige Genesung angaben, blieb nach fünf Monaten und einem Jahr in etwa gleich. Das heißt: Wer nach fünf Monaten noch Beschwerden hatte, bei dem bestanden diese Beschwerden auch noch nach einem Jahr.
  • Unter Beschwerden fallen psychische Probleme, Beeinträchtigungen der körperlichen Leistungsfähigkeit sowie Beeinträchtigungen der Organe und der Lebensqualität.
  • Sie traten vor allem bei Frauen, fettleibigen Personen sowie jenen, die künstlich beatmet werden mussten, auf. Bereits frühere Studien hatten diese Risikofaktoren identifiziert.

Die Symptome, die festgestellt wurden, ließen sich in vier Gruppen teilen:

  • Sehr schwere körperliche und kognitive Beeinträchtigung (19,5%)
  • Schwere körperliche Beeinträchtigung und kognitive Beeinträchtigung (30,1%)
  • Mittlere körperliche Beeinträchtigung und kognitive Beeinträchtigung (10,9%)
  • Leichte körperliche und kognitive Beeinträchtigung (39,4%)

Die 10 häufigsten Symptome

Die zehn häufigsten anhaltenden Symptome ein Jahr nach der Entlassung waren:

  1. Müdigkeit (60,1%)
  2. Muskelschmerzen (54,6%)
  3. Körperliche Verlangsamung (52,9%)
  4. Schlechter Schlaf (52,3%)
  5. Atemnot (51,4%)
  6. Gelenkschmerzen oder –schwellungen (47,6%)
  7. Verlangsamung beim Denken (46,7%)
  8. Schmerzen (46,6%)
  9. Verlust des Kurzzeitgedächtnisses (44,6%)
  10. Gliederschwäche (41,9%)

Die Häufigkeit der Symptome änderte sich kaum zwischen dem Untersuchungszeitpunkt nach fünf Monaten und jenem nach einem Jahr. "Wir fanden entweder keine oder nur eine minimale Verbesserung der von den Patienten berichteten Ergebnismessungen, der körperlichen Funktion, der kognitiven Beeinträchtigung oder der Organfunktion nach 1 Jahr im Vergleich zu 5 Monaten nach der Entlassung“, schreiben die Forscher im Fachmagazin The Lancet (hier nachzulesen).

Nach einem Jahr hatte jeder Fünfte klinisch relevante Angstsymptome (21,5%), unter einer Depression litt jeder Vierte, jeder Zehnte wies eine posttraumatische Belastungsstörung auf. Rund neun Prozent hatten auch nach einem Jahr eine signifikante kognitive Beeinträchtigung.

Veränderungen im Plasma

Untersucht wurde auch das Blutplasma der Studienteilnehmer. Es zeigte sich, dass bei jenen mit sehr schweren Symptomen im Vergleich zu jenen mit milden Symptomen einige Protein- sowie Entzündungswerte signifikant erhöht waren. Diese Veränderungen deuten auf anhaltende Anomalien des Schleimhautepithels und eine Aktivierung von Entzündungszellen hin, berichten die Forscher.

Schon frühere Studien hatten gezeigt, dass Spitalspatienten nach einer Covid-Infektion unter längerfristigen Folgen der Erkrankung leiden. In der bisher größten Studie aus Wuhan, China, hatte fast die Hälfte der Patienten zwölf Monate nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wegen Covid-19 anhaltende Symptome. Sechs bis zwölf Monate nach Entlassung verbesserte sich ihre körperliche Leistungsfähigkeit nicht.

Die Autoren betonen, dass über die längerfristigen Folgen von Covid-19 vieles noch unbekannt ist. Wirksame Behandlungen für Long oder Post Covid gibt es derzeit nicht. Ziel der Studie war eine bessere Charakterisierung der Betroffenen, um so auch potenzielle therapeutische Ansätze zu finden.

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