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Wissen Gesundheit
03/21/2020

Coronavirus: "Auch viele Junge mit einem sehr schweren Verlauf"

Italienische Ärzte über ihre Situation in einer von Wien organisierten Video-Fortbildung: "Wir haben Angst, uns zu infizieren."

von Ernst Mauritz

„Wir leben in einer ständigen Angst, infiziert zu werden. Und wir sind traurig, weil so viele Patienten sterben, und wir nicht wissen warum.“ Lara Vegnuti und Baldasarre Ferro arbeiten als Anästhesisten in Livorno, Italien. In einer von Wien aus organisierten Video-Vorlesung berichteten sie und ihr Kollege Jonathan Montomoli aus Ancona über die Situation an ihrem Krankenhaus. „Wir fühlen uns wie in einem Krieg ohne Bomben“, sagte Montomoli: „Wir waren auf so eine Bedrohung nicht vorbereitet, und wir arbeiten 24 Stunden am Tag. Und wir haben Angst, dass uns die Schutzmasken und Schutzausrüstung ausgehen. Es ist alles knapp.“

Organisiert wurde die Web-Vorlesung von der E-Learning-Plattform 123.sonography.com, die von dem Kardiologen Thomas Binder (AKH Wien) gegründet wurde, und dem AKH-Radiologen Helmut Prosch in Kooperation mit der MedUni Wien und der Ärztekammer Wien.

„Wir haben viele junge Patienten gesehen, bei denen es zu einem sehr schweren Verlauf kam“, sagte Montomoli. Ähnlich Ferro: „Wir verstehen oft die Entwicklung der Symptome nicht. Das Lungenröntgen sieht normal aus, aber dann kommt es zu einer raschen Verschlechterung, und innerhalb weniger Stunden muss der Patient beatmet werden. “

Übergewicht scheine ein Risikofaktor zu sein, betonte Montomoli: „Viele junge Männer mit schwerem Krankheitsverlauf waren übergewichtig.“ Aber es gebe auch junge Patienten ganz ohne Risikofaktoren und Vorerkrankungen. „Im Alter über 70 Jahre steigt die Sterblichkeit stark an “– auch hier vielfach bei Patienten ohne Grunderkrankungen.

Mehr als 13.350 Teilnehmer in 148 Ländern verfolgten diese Übertragung. Binder: „Es gibt eine große Solidarität mit dem Gesundheitspersonal in Italien. Was die Ärzte erzählten, betrifft uns alle – sie warnen uns: Wir müssen vorbereitet sein.“