Auch bei Kindern und Jugendlichen gibt es viele positive Tests.

© APA/GEORG HOCHMUTH

Wissen Gesundheit
11/04/2020

Coronavirus: "Auch Kinder tragen den Erreger in die Haushalte"

Experte warnt, unter 14-Jährige als SARS-CoV-2-Ansteckungsquelle zu unterschätzen.

von Ernst Mauritz

Spielen Kinder eine untergeordnete Rolle im Infektionsgeschehen? Diese Ansicht wird jetzt vermehrt infrage gestellt. So gab es in der Altersgruppe 5 bis 14 Jahre zwischen 26. 10. und 1. 11. laut AGES 184 Fälle pro 100.000 Einwohner (7-Tage-Inzidenz). Das ist fast vier Mal so viel wie das Ziel, das die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel erst am Montag wieder ausgegeben hat: auf eine Inzidenz von 50 zu kommen. Für die österreichische Gesamtbevölkerung lag die 7-Tage-Inzidenz im obigen Zeitraum bei 315,5.

„Auch der Wert bei den Kindern ist hoch – und dabei sind sie bei den Tests sicher unterrepräsentiert“, sagt der Mikrobiologe Michael Wagner von der Uni Wien. Weil einerseits laut Empfehlungen des Gesundheitsministeriums Kinder „bis zur 5. Schulstufe mit leichten Symptomen“ (etwa Husten ohne Fieber) nicht in jedem Fall getestet werden – Oberösterreich testet Kinder unter 10 sogar „im Regelfall nicht“. „Und weil ich immer wieder höre, dass auch Kinder und Jugendliche z. B. mit Fieber oft nicht getestet werden, wenn es nicht ganz eindeutige Symptome wie Geschmacksverlust gibt.“

Eine Antikörperstudie des Helmholtz Zentrums München zeigte kürzlich, dass sechs Mal so viele Kinder in Bayern mit dem Coronavirus infiziert waren wie gemeldet. „Kinder können sich anstecken und haben auch eine hohe Menge infektiöser Viren im Rachen. Das Einzige, was ein wenig gegen die Virusausbreitung durch Kinder wirkt, ist, dass sie öfter mildere Symptome haben als Erwachsene und deshalb weniger Viren aushusten. Außerdem ist ihr Atemvolumen geringer. Andererseits haben sie mehr Sozialkontakte.“ Allerdings: „Wenn es gleichzeitig zu einer Erkältung kommt mit Husten und Niesen, kann es rasch passieren, dass auch die SARS-CoV-2-Viren weiter vertragen werden.“

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Eine US-Studie in Tennessee und Wisconsin ergab, dass Kinder in Haushalten das Virus genauso leicht auf andere übertragen wie Erwachsene. Daten des kanadischen „Case and Contact Management System“ zeigen für Ottawa, dass der Anteil der Schulcluster bis Ende Oktober auf 39 Prozent anstieg (in Österreich zuletzt 5,6 Prozent). „Auch in Israel und Frankreich gab es schon viele Schulcluster.“ Fazit für Wagner: „Kinder sind bislang in Österreich nicht die größten Treiber der Pandemie – aber sie sind auch keine Bremsklötze.“

Kein magisches Ereignis

Er betont, dass er für Schulschließungen nur als letztes Mittel während des Lockdowns ist: „Aber wenn ich sie offen lasse, muss man ehrlich sagen, dass es auch dort zu Ansteckungen kommen kann, die in die Haushalte getragen werden. Es ist ja nicht so, dass durch ein magisches Ereignis in den Schulen keine Infektionen stattfinden. Die Gesellschaft muss sich dann anderswo zurücknehmen.“ Deshalb plädiere er für das Tragen von Masken generell auch im Unterricht: „Wenn Eltern das positiv vermitteln, ist das für Kinder kein großes Problem. Auch die Investition in Luftreinigungsgeräte wäre eine gute Sache – aber das ist nicht billig und braucht seine Zeit.“

In den kommenden Tagen soll das erste Ergebnis der von Wagner initiierten „Gurgelstudie“ veröffentlicht werden, bei der bis zu 14.000 gesunde Schülerinnen und Schüler sowie bis zu 1.200 Lehrer mittels PCR-Test monatlich auf eine akute, symptomlose Infektion getestet werden.

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