Coronaviren: Eine neue Variante könnte infektiöser sein, vermuten Wissenschafter.

© APA/AFP/National Institute of Allergy an/HANDOUT

Wissen Gesundheit
11/01/2020

Experten rätseln: Ist das Coronavirus ansteckender geworden?

Gesundheitsminister Anschober erwähnt Mutationen als einen möglichen Grund. Was sonst noch eine Rolle spielen könnte.

von Ernst Mauritz

"Manche Wissenschafter glauben, dass es zu ersten Mutationen des Virus kommt, dass es infektiöser wird." Das sagte Gesundheitsminister Rudi Anschober Samstag in der ZIB 2. Tatsächlich könnte das einer von mehreren Gründen für die vielen Infektionen sein.

Mutationen:

Bereits im Frühjahr / Frühsommer setzte sich weltweit (auch in Österreich) eine Virusvariante mit der Bezeichnung D614G durch und verdrängte die ursprüngliche Variante aus Wuhan. Im Labor kann diese Variante mehr Zellen infizieren: „Deshalb wird vermutet, dass sie infektiöser sein könnte“, sagt der Virologe Andreas Bergthaler vom Zentrum für Molekulare Medizin (CeMM) in Wien. Er ist an einem großen Forschungsprojekt zu Virusmutationen beteiligt.

Erst vergangene Woche veröffentlichten Forscher aus Basel und Spanien eine Untersuchung, wonach seit dem Sommer ausgehend von Spanien eine weitere neue Variante in viele europäische Länder „exportiert“ wurde – sie hat die Bezeichnung 20A.EU1. In Großbritannien hat sie sich auch dann noch ausgebreitet, als die sommerliche Reisezeit ohne Quarantänebestimmungen bereits vorbei war – „folglich könnte diese Variante rascher übertragen werden als andere“, heißt es in der Studie unter Leitung der Epidemiologin Emma Hodcroft (Uni Basel). Allerdings betont sie ebenso wie ihr Wiener Kollege Bergthaler, dass dies bis jetzt nicht belegt sei.

Ob und wie stark diese Virusvariante in Österreich verbreitet ist, lässt sich noch nicht sagen: „Wir haben noch zu wenige Daten, aber wir sollten demnächst aufgrund unserer laufenden Sequenzierungen von aktuellen Proben mehr wissen“, so Bergthaler zum KURIER.

Trockene Raumluft:

Trockene Innenraumluft kann die Virusausbreitung begünstigen: „Liegt die relative Luftfeuchtigkeit der Raumluft unter 40 Prozent, dann nehmen die von Infizierten ausgestoßenen Partikel weniger Wasser auf, bleiben leichter, fliegen weiter durch den Raum und werden eher von Gesunden eingeatmet“, erklärt Ajit Ahlawat vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (Tropos) in einer Aussendung. Eine relative Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent hingegen könnte die Ausbreitung reduzieren – die Tröpfchen fallen früher zu Boden.

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Niedrige Temperaturen:

Im Freien eingeatmete kalten Luft schwächt den Selbstreinigungsprozess der Bronchien und generell die Immunabwehr. „Bei niedrigeren Temperaturen laufen die biochemischen Prozesse, mit denen Zellen auf das Eindringen von Viren reagieren, signifikant langsamer“, sagte der deutsche Virologe Marco Binder auf spiegel.de. Die bisherigen, schon lange bekannten vier Corona-Erkältungsviren können im Winter bis zu zehn Mal so häufig nachgewiesen werden wie im Sommer, zeigte eine Schweizer Studie. Kalte und auch trockene Luft macht die Schleimhäute durchlässiger für Viren. Masken könnten hier zusätzlichen Schutz bieten: Weil dadurch die Nasenschleimhäute weniger austrocknen und auskühlen.

Aerosole:

Möglicherweise ist bisher die Rolle der kleinsten virushaltigen Schwebeteilchen, der Aerosole, unterschätzt worden, schrieb sinngemäß der britische Virologe Julian Tang in The Guardian. Diese können aber in Innenräumen weiter als nur einen Meter fliegen – Abstand, Beschränkung der Kontakte, Masken und Raumlüftung bekommen dadurch noch größere Bedeutung.

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