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Wissen Gesundheit
11/18/2021

Hohe Infektionszahlen: Jetzt sollten alle PCR testen – auch die Geimpften

Der Schutz vor Ansteckung nimmt kontinuierlich ab; bei Älteren stärker als bei Jungen. Immunisierte können das Virus weitergeben.

von Ute Brühl

Für den Mediziner und Volkswirt Thomas Czypionka steht fest: „Wir müssen deutlich mehr testen – nicht nur Ungeimpfte, sondern auch Menschen, die schon zweimal geimpft sind.“ Mit seiner Meinung steht er nicht alleine da. Erst kürzlich haben österreichische Forscher ein unabhängiges Statement der Wissenschaft verfasst, in dem sie neben mehr Tests weitere Maßnahmen fordern, etwa konsequentes Maskentragen in Innenräumen.

Beispiel Israel und Schweden

Warum 2-G – geimpft oder genesen – nicht reicht, erläutert Czypionka anhand von Daten aus Israel oder Schweden: „Da zeigt sich, dass bei doppelt Geimpften zwei Monate nach dem 2. Stich der Schutz vor Infektion bei rund 90 Prozent liegt. Von dem Zeitpunkt an sinkt der Schutz aber beständig – bei Älteren stärker als bei Jungen, bei Männern stärker als bei Frauen.“

Nach sieben Monaten ist dann das Risiko, dass sie sich und andere anstecken, schon weitaus höher als kurz nach der Impfung. Die Delta-Variante mache die Situation noch schwieriger: „Da ist die Viruslast von Anfang an sehr hoch, sodass es zwischen Geimpften und Ungeimpften keine große Unterschiede gibt. Allerdings sind Geimpfte nicht so lange ansteckend, weshalb sie nicht im gleichen Maße zum Pandemiegeschehen beitragen.“

Geimpfte können Virus verbreiten

In der Praxis heißt das: Selbst wenn Ungeimpfte gar nicht mehr aus dem Hause dürften, wäre die Pandemie nicht gestoppt, weil dann eben die Geimpften das Virus verbreiten. „Das wäre an sich kein Problem, da sie im Normalfall kaum Spitalsbetten benötigen. Treffen sie aber mit alten Menschen, bei denen die Impfung oft weniger wirkt, oder aber mit Ungeimpften zusammen, dann kann das die Pandemie befeuern.“

Die Lösung seien verstärkte PCR-Tests, auch für Geimpfte – also 2-G-Plus. „Getestet sollte immer dann werden, bevor sie sich in geschlossenen Räumen unter Menschen aufhalten – in Clubs oder im Theater wäre dann auf jeden Fall ein aktueller PCR-Test nötig.“

Zuckerl für den Booster

Etwas anders sieht Czypionka die Sache bei Menschen, die sich schon den dritten Stich geholt haben: „Weil sie sich und andere weitaus seltener anstecken, sollten sie sich nicht so oft testen müssen, einmal pro Woche reicht da.“ Das könne ein Zuckerl für doppelt Geimpfte sein, sich boostern zu lassen. Das Problem: Es wird sechs Wochen dauern, bis man in ganz Österreich so viel testen kann, wie nötig wäre.

Verschiedene Testverfahren

Um ausreichende und schnellere Tests machen zu können, gibt es neben der PCR-Methode weitere Verfahren, wie etwa RT-Lamp und andere. Auch bei diesen wird wie bei der PCR das Viruserbgut direkt nachgewiesen, ein Ergebnis soll in 20 Minuten verfügbar sein. Diese hält Gregor Hörmann (Österreichische Gesellschaft für Labormedizin) für interessant und vielversprechend. „Die sind aber in der Bedienung derzeit noch nicht so einfach, dass sie einen Vorteil gegenüber den PCR-Tests brächten. Bei den Tests sehe ich eher das Problem der Logistik als der Methode.“

Doch selbst wenn genug Tests machbar wären: „Die Inzidenzen sind gerade so katastrophal, dass wir die Notbremse ziehen müssen. Schließlich landen viele, die sich jetzt infizieren, in Spitälern und auf Intensivstationen. Und weil sie dort in der Regel sehr lange liegen, stauen sich die Patienten und die Situation wird in den nächsten Wochen immer schlimmer.“ Fazit: „2-G-Plus ist ein wichtiger Baustein zur Bekämpfung dieser Pandemie.“

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