Viele beschäftigt die Frage, ob man unwissentlich eine Corona-Infektion durchgemacht hat. Ein zuverlässiger Nachweis ist derzeit noch schwierig.

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Wissen Gesundheit
04/17/2020

Corona-Infektion unbemerkt überstanden? Was Experten dazu sagen

Eine SARS-CoV-2-Infektion kann sehr verschieden verlaufen. Viele fragen sich mittlerweile, ob sie eine Ansteckung womöglich bereits durchgemacht haben.

von Marlene Patsalidis

Kann Covid-19 komplett symptomlos verlaufen?

"Ja, wir wissen, dass manche nichts davon spüren", sagt Hannes Stockinger, Leiter des Zentrums für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie der MedUni Wien. Auf wie viel Prozent der Infizierten das in Österreich zutrifft, "kann man noch nicht sagen". Asymptomatische Personen seien erst dann gut erfassbar, wenn man diese flächendeckend testen könne. "Einerseits werden Antikörper-Tests derzeit gerade noch geprüft (siehe weiter unten), andererseits muss dafür Blut abgenommen werden. Es ist also ein komplizierterer, invasiver Prozess, mit einem einfachen Nasenabstich ist es hier nicht getan."

Wäre man in diesem Fall auch ohne Symptome ansteckend gewesen?

"Natürlich, auch asymptomatische Personen sind Träger und Ausscheider des Virus. Das wissen wir von PCR-Tests, bei denen ein Abstrich im Nasen- und Rachenraum genommen wird. Wenn das Virus so nachgewiesen werden kann, bedeutet das auch, dass die getestete Person dieses durch Tröpfchen bei Sprechen ausscheiden kann", sagt Stockinger.

Sind Antikörper-Tests aus Neugier ratsam?

Experten warnen vor vorschnellen Testungen, um Abwehrstoffe im Blut und damit eine überstandene Ansteckung nachzuweisen: "Es gibt Unmengen an Antikörper-Tests. Die meisten sind unbrauchbar, sie bestimmen Antikörper gegen SARS-CoV-2 zu ungenau", sagt Infektiologe Heinz Burgmann, MedUni Wien. Man evaluiere verfügbare Verfahren, "um jene herauszufiltern, die nachweisen, was wesentlich ist." Und weiter: "Wir hätten gerne einen Antikörper-Test, den wir schon jetzt flächendecken anwenden können, aber das Thema ist eben komplex. Wir rechnen damit, dass wir Ende April mit der Evaluierung soweit sein werden, dass wir einen sicheren Test ausweisen können. Der wird dann bestimmt auch in naher Zukunft von diversen Firmen angeboten werden. Wobei dann auch noch die Frage der Verfügbarkeit zu klären sein wird."

Ist ein Test in einem privaten Labor sinnvoll?

Das sei laut Burgmann "rausgeworfenes Geld und fahrlässig, weil man sich in falscher Sicherheit wiegen könnte". Stockinger warnt auch vor "fehleranfälligen" Schnelltests. "Antikörper bilden die Immunität außerdem nicht vollständig ab", ergänzt Lukas Weseslindtner, Experte für Antikörperdiagnostik. So gebe es etwa auch "relevante Immunzellen in der Lunge, die damit nicht erfasst werden". Es gebe außerdem erst ansatzweise Einblicke, wie Antikörper-Tests bei milden Verläufen anschlagen.

Kann man ohne Antikörper-Test herausfinden, ob man das Virus hatte?

"Nein, sofern eine Infektion zuvor nicht per Abstrich im Nasen- oder Rachenraum festgestellt wurde, nicht", sagt Burgmann.

Stockinger weist in diesem Zusammenhang auf ein auffälliges Merkmal der SARS-CoV-2-Infektion hin: "Der merkliche Geschmacksverlust hat sich als spezifisches Charakteristikum für Corona-Infektion herauskristallisiert. Das kennen wir ansonsten nur von der saisonalen Influenza und einigen wenigen anderen Viruserkrankungen. Wenn man allerdings entsprechende Erfahrungen in den vergangenen Wochen, vor allem seit dem Ende der Grippe-Saison, gemacht hat, ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass es mit einer Corona-Ansteckung zusammenhängt." Allerdings trete das Begleitsymptom nur bei zehn bis 15 Prozent der Infizierten auf. "Es ist kein sicherer Nachweis für alle Fälle."

Was ist von Immunitätsnachweise für Reisen zu halten?

Die österreichische Staatsdruckerei entwickelt momentan eine App für den Corona-Immunitätsnachweis, die mit dem Pass gekoppelt werden soll. Ideen zu einem derartigen "Corona-Pass" sieht Stockinger "skeptisch". Symptomfreie Personen, die noch keine Infektion durchgemacht haben, könnten so benachteiligt werden. Burgmann zufolge bräuchte es dafür ohnehin "zuallererst zuverlässige Antikörper-Tests".

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