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Wissen Gesundheit
01/13/2021

Corona-Faktencheck: Was zu Masken, Tests und Impfungen erwiesen ist

Masken, PCR-Tests, Impfungen, Covid versus Grippe: Zu diesen Themen werden immer wieder ähnliche Fragen aufgeworfen. Experten geben Antworten.

von Ernst Mauritz

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel war ursprünglich Plus-Abonnenten vorbehalten. Aufgrund der großen Nachfrage haben wir uns dafür entschieden, diesen Artikel frei verfügbar zu machen.

Wie wirksam sind Masken?

Eine Übersichtsstudie, die im Fachmagazin Annals of Internal Medicine veröffentlicht wurde und 172 Untersuchungen auswertete, zeigte, dass alle Arten von Masken das Infektionsrisiko deutlich senken könnten, bessere Masken (FFP2) stärker. „Aber auch kleine Reduktionen der Virusübertragung durch nicht perfekte Masken und Gesichtsbedeckungen könnten zu großen Effekten auf die bevölkerungsweite Ausbreitung führen“, heißt es in einer vorab veröffentlichten Studie mit Trisha Greenhalgh (Uni Oxford) und Thomas Czypionka (Gesundheitsökonom, Institut für Höhere Studien, Wien) als Hauptautoren. Czypionka zum KURIER: „Sogar Schals sind besser als nichts.“

Wirken sich Masken negativ auf die Gesundheit aus?

„Masken führen zu keinen klinisch auffälligen körperlichen Beschwerden bei Gesunden“, heißt es in der Studie. Dokumentierte medizinische Ausnahmen für das Maskentragen gebe es wenige. Die Vorteile der Masken überwiegen.

Sind Masken für Kinder gefährlich?

„Die chirurgischen oder auch die Alltagsmasken mögen ein wenig unbequem sein für Kinder, sie schränken aber das Ein- und Ausatmen nicht ein, führen weder zu einer Einschränkung der Sauerstoffversorgung, noch zu einer gefährlichen Anreicherung von Kohlendioxid“, schreibt der Präsident des Berufsverbands der deutschen Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach. „Sie gefährden auch sonst in keiner Weise die Gesundheit; sogar Kinder mit kontrolliertem Asthma ab sechs Jahren können sie gefahrlos tragen.“ Im Internet kursierende Berichte über Todesfälle durch Masken haben sich „bei entsprechender Recherche als unrichtig erwiesen“, heißt es bei der Österr. Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde.

Wieso konnten die Impfstoffe so rasch zugelassen werden?

Schon in den vergangenen Jahren waren andere Impfstoffe mit der jungen mRNA-Technologie in Entwicklung. „Man musste keine neue Impfstoffplattform entwickeln“, sagt die Spezialistin Ursula Wiedermann-Schmidt, MedUni Wien. Bestehende technologische Entwicklungen wurden nur auf das neue Virus angepasst. Und die Firmen konnten schon während der Studien Daten an die Europäische Arzneimittelagentur schicken – und nicht wie früher erst nach Abschluss. „Dadurch sind raschere Abläufe gelungen. Das bedeutet aber nicht, dass man gehudelt hat oder die wichtigen Phasen der Prüfung der Sicherheit und Wirksamkeit abgekürzt hat.“

Und das Risiko von Langzeitfolgen?

„Die allermeisten Reaktionen auf eine Impfung, etwa auch die allergischen, machen sich sofort bemerkbar“, sagt Wiedermann-Schmidt. Natürlich könne es bei 20.000 geimpften Studienteilnehmern der Fall sein, dass Nebenwirkungen, die noch seltener als 1:10.000 auftreten, noch nicht erkannt sind. Deshalb gebe es Auflagen für eine umfassende Nachbeobachtung. „Das Risiko von Langzeitfolgen durch eine Infektion mit dem Coronavirus ist unvergleichlich höher“, betont der Virologe Florian Krammer.

Wie häufig sind sogenannte „falsch positive“ Ergebnisse beim PCR-Test?

Ein PCR-Test ist ein Nachweis einer akuten oder – selten – maximal einige Wochen bis im Ausnahmefall ca. zwei Monate zurückliegenden Infektion (über Nachweis von Erbgut-Abschnitten des Virus). Da ein Infizierter meist maximal zehn bis 14 Tage lang infektiös ist, heißt PCR-positiv nicht immer, dass man auch infektiös ist. Dass ein PCR-Test aber positiv ist, obwohl kein Virus-Erbgut vorhanden ist, komme in der Praxis kaum vor, sagt der Mikrobiologe Michael Wagner. „Neuseeland hatte 100 Tage keine lokalen Neuinfektionen. In diesem Zeitraum gab es keinen falsch positiven PCR-Test, obwohl 300.000 Tests durchgeführt wurden.“

Stehen Kollateralschäden der Lockdowns in Relation zu ihrem Nutzen?

Laut Studie des Imperial College London hätte das Coronavirus ohne Gegenmaßnahmen 2020mehr als 40 Millionen Menschenleben fordern können. „Sind die Fallzahlen hoch, gehen die Menschen auch ohne Lockdown viel weniger in Restaurants und einkaufen, ist also der wirtschaftliche Schaden ebenfalls hoch, aber um den Preis von viel mehr Toten“, sagt Czypionka. Hinzu komme ein wirtschaftlicher Schaden durch viele Quarantänefälle. „Die geringsten Kollateralschäden für Gesundheit und Wirtschaft gibt es, wenn wir uns mit dem Lockdown einer Sieben-Tages-Inzidenz von 50 annähern und dann mit Testen, Nachverfolgen und Impfen noch weiter runter kommen.“

Immer wieder wird behauptet, viele Corona-Opfer seien nicht am, sondern nur mit dem Virus gestorben.

In Deutschland haben Pathologen 154 Obduktionen ausgewertet: 86 Prozent der Obduzierten waren direkt an den Folgen der Viruserkrankung verstorben. In Italien waren es bei einer ähnlichen Studie 89 Prozent. Der Intensivmediziner Walter Hasibeder vom Krankenhaus Zams in Tirol betont, die Darstellung, die meisten Covid-19-Opfer seien bereits vor der Infektion sehr alt oder schwer krank gewesen und hätten auch ohne das Virus keine lange Lebenserwartung gehabt, sei nicht haltbar: Ebenso wenig die Annahme, Erkrankte würden vorwiegend an den Vorerkrankungen sterben und nicht am Virus.

Erkranken Grippe-Patienten nicht auch schwer?

„Ja, aber weniger Menschen, und die Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation ist kürzer“, sagt Hasibeder. „Bei der Schweinegrippe-Pandemie 2009/2010 habe ich vier Intensivpatienten betreut, im Frühjahr 2020 hatten wir in kürzester Zeit eine ganze Intensivstation mit zehn Betten mit Covid-19-Patienten belegt. Das hatte ich noch nie zuvor gesehen.“

Gab es nicht auch in früheren Grippewellen eine hohe „Übersterblichkeit“?

„Im Jahr 2020 starben in Summe bis inklusive der 51. Kalenderwoche bereits 87.333 Personen. Das waren 10,1 % mehr als im Fünfjahresdurchschnitt“, heißt es bei der Statistik Austria – das ist eine rein quantitative Erhebung. So gab es z. B. in der Steiermark während des Lockdowns im Frühjahr auch mehr tödliche Herzinfarkte, weil Patienten aus Angst vor Ansteckung nicht die Rettung riefen. „In normalen Grippewellen sind es 1300 bis 1400, in starken 4000 zusätzliche Todesfälle pro Saison“, sagt die Virologin Monika Redlberger-Fritz, MedUni Wien. Die meisten Todesfälle gab es bisher in Kalenderwoche 49 mit 2540 Toten (58,5 % höhere Sterblichkeit als im Schnitt der entsprechenden Woche der Jahre 2015 bis 2019). „Annähernd so viele Sterbefälle gab es zuletzt in der Woche vom 20. bis 26. Februar 1978 mit 2516 Verstorbenen. Damals waren allerdings auch sehr geburtenstarke Jahrgänge im typischen Sterbealter. In den vergangenen fünf Jahren gab es nur zwischen 9. und 15. 1. 2017 vergleichbar hohe Sterbezahlen (2340).

Sind nicht bereits sehr viele Menschen wieder gesund nach einer Infektion?

Offiziell gelten bereits 350.000 Menschen als genesen. Dabei handelt es sich nur um die offiziell bestätigten Infektionen. Die tatsächliche Zahl ist deutlich höher.

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