Christiane Druml ist Juristin und Bioethikerin. Seit 2007 ist sie Vorsitzende der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt.

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Wissen Gesundheit
12/07/2020

Bioethikkommission: Wer auf die Impfung warten muss

Die Bioethikkommission im Bundeskanzleramt spricht sich gegen eine Impfpflicht aus.

von Anita Kattinger

Spätestens ab 29. Dezember, wenn die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) die Hoffnungen erfüllt und den ersten Covid-19-Impfstoff als sicher freigibt, rollt auch in Österreich der Impfplan an. Je näher die Zulassung rückt, desto mehr Österreicher fragen sich, welche Gruppen zuerst geimpft werden sollen. Im Interview mit dem KURIER plädierte Bildungsminister Heinz Fassmann dafür, Pädagogen der Elementarpädagogik wie Kindergärtner vorzureihen.

Österreichs Bioethikkomission im Bundeskanzleramt hat sich jetzt erstmals zu Wort gemeldet und aktuelle Empfehlungen herausgegeben. Eine allgemeine Impfpflicht soll es, wie mehrmals von der Politik betont, nicht geben.

Die Vorsitzende der Bioethikkomission, Christiane Druml, im Ö1-Morgenjournal: "Wir alle kennen die Langzeitfolgen dieser Impfung nicht, wobei wir natürlich davon ausgehen, dass jede Impfung, die in Österreich oder der EU zugelassen wird, so gut geprüft ist, dass die normalen Erfordernisse für eine Zulassung gegeben sind und dass uns hier auch eine sehr gute Qualität geboten wird."

Im Zusammenhang mit Gesundheitspersonal spricht sich die Kommission zwar auch nicht für eine Impfpflicht aus, allerdings sollten nur jene in sensiblen Bereichen arbeiten, die geimpft sind. Wer nicht geimpft werden will, sollte anders eingesetzt werden.

Keine Impfpflicht, aber "verengte Freiwilligkeit"

Die Kommission bezeichnet das als "verengte Freiwilligkeit": "Für uns hat das eine große Bedeutung, dass das Gesundheitspersonal geschützt wird, aber dass im Rahmen der Schutz- und Organisationspflichten die Träger der einzelnen Krankenanstalten auch Sorge zu tragen haben, dass Personal und Ärzte keine Gesundheitsrisiken an die Menschen vermitteln."

Möglich ist auch, dass mehr Menschen geimpft werden wollen als von der Logistik her möglich ist. In diesem Fall solle das Gesundheitspersonal die erste Gruppe sein, die den Impfstoff erhält. "Durchaus gemeinsam mit den Vulnerabelsten, den hochbetagten Menschen und jenen, die in Pflegeinstitutionen leben."

Zudem sollten jene Menschen möglichst bald geimpft werden, die beruflich besonders viele Kontakte haben wie Lehrer oder Angestellte des Handels. Danach sollten Mitarbeiter der kritischen Infrastruktur geimpft werden sowie Mitarbeiter von Polizei und Feuerwehr udn der Wasser- und Elektrizitätswerke.

Für die Dauer der Epidemie sollte die Imfung kostenlos sein, schlägt die Bioethikkommission vor.

Fokus auf Arzneimittelsicherheit

Herwig Kollaritsch, Infektionsexperte und Mitglied der Corona-Expertenkommission, stimmt der Bioethikkommission im Ö1-Interview zu: "Eine Impfpflicht wäre kontraproduktiv." Der Infektionsexperte zeigt sich optimistisch, dass anders als bei den Massentests, das Interesse an den Impfungen groß sein wird.

Warum Österreich nicht wie Großbritannien vorprescht und eine Notfallgenehmigung erteilt? Österreich handle hier im Einklang mit der Europäischen Union, da auch die Beschaffung zentral erfolgt. Moralisch vertretbar angesichts der Todesopfer in Österreich? Kollaritsch: "Ich bin der Meinung, dass es hier nich um Moral geht, sondern hier geht es einzig und allein um Arzneimittelsicherheit."

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