Die Tübinger Firma CureVac arbeitet an der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs. Die deutsche Regierung investiert 300 Millionen Euro.

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Politik Inland
12/03/2020

Impfstrategie: Wie es in Österreich nun weitergeht

Österreich will auf große Impfzentren verzichten. Die Schutz-Impfung für Covid-19 soll zu den Patienten kommen – nicht umgekehrt.

von Christian Böhmer

Nun geht es also Schlag auf Schlag: Die Niederländer wollen ab 4. Jänner impfen, in Großbritannien rechnet man bereits nächste Woche mit den ersten Covid-19-Impfungen.

Spätestens ab 29. Dezember, wenn die Europäische Arzneimittel Agentur die Hoffnungen erfüllt und den ersten Impfstoff als sicher freigibt, rollt auch in Österreich der Impfplan an.

Wo werden die Impfungen verfügbar sein? Wer bekommt sie zuerst?

Clemens Martin Auer weiß Antwort auf diese Fragen. Als Sonderbeauftragter des Gesundheitsministeriums war der frühere Sektionschef im Verhandlungsteam, das die Impfdosen für Europa – und damit Österreich – organisiert hat. Und er ist federführend für die Frage der Impfstrategie zuständig.

Der wichtigste Satz ist für ihn dieser: „Die Impfung kommt zu den Menschen – und nicht die Menschen zur Impfung.“

Das ist insofern wichtig, als Österreich im Unterschied zu Ländern wie Deutschland keine großen Impfzentren aufbauen will, sondern „möglichst dezentral impft“.

„Wir setzen auf die vorhandene Infrastruktur, auf den Pharma-Großhandel, die niedergelassenen Ärzte und Apotheken“, sagt Auer zum KURIER. Im Wesentlichen gibt es drei Phasen für die Gratis-Impfung.

Phase 1: Die Heime

Schon im Jänner soll begonnen werden, die „vulnerablen Gruppen“ sowie Betreuungs- und medizinisches Personal zu impfen. „Der Impfstoff wird direkt in die Pensionisten- und Altenwohnheime sowie in die Spitäler gebracht“, sagt Auer. „Dort gibt es medizinisches Fachpersonal, das die Impfungen fachgerecht durchführen kann. Und so schaffen wir es, schnell eine hohe Durchimpfungsrate zu erreichen, um diese Menschengruppe zu schützen.“

Impfpflicht wird es keine geben – zumindest keine von oben verordnete, sagt Auer. „Man setzt – wie ich meine zurecht – auf das Verantwortungsgefühl der Mitarbeiter.“

Im Pflege- oder Gesundheitsbereich wisse man um die Gefahr, dass die Menschen, mit denen man arbeitet, an Covid-19 sterben können. „Die moralische Notwendigkeit der Impfung liegt auf der Hand. Das muss man diesen Menschen nicht sagen, die sind zu einem hohen Maß altruistisch veranlagt.“

Logistisch ist die Impfung fordernd, dank des Vertriebsnetzes des Pharma-Großhandels aber machbar. „Der Großhandel hat in Österreich 23 Lager. In diesen wird der Impfstoff tiefgekühlt bis er in ein Spital oder eine Pflegeeinrichtung geliefert wird.“

Phase 2: Die Einladung

Wenn ein oder mehrere zusätzliche Impfstoffe zugelassen sind, sollen die niedergelassenen Ärzte aktiv zu impfen beginnen.

„Im Idealfall lädt der Hausarzt zuerst seine Über-65-Jährigen sowie die multi-morbiden Patienten zur Impfung ein“, sagt Auer. Den Impfstoff sollen die Ärzte entweder direkt selbst (Ärzte mit Hausapotheke) oder von der nächstgelegenen Apotheke erhalten. „Der Pharmagroßhandel beliefert de facto jede Apotheke in Österreich täglich. Insofern können wir auch gut sicherstellen, dass die entsprechende Zahl an Impf-Dosen bei den Ärzten vorhanden ist.“

1,2 Milliarden Impfdosen sind vertraglich gesichert:
300 Mio. AstraZeneca 
300 Mio. Sanofi-GSK,
200 Mio. Johnson&Johnson
200 Mio. Pfizer/BioNTech
225 Mio. Curevac  

580 Millionen Impfdosen können von diesen  Herstellern zusätzlich gekauft werden, davon 100 Mio. von Pfizer 

80 Millionen Dosen von US-Hersteller Moderna (plus zusätzlich 80 Mio.) sind in Verhandlung

Phase 3: Betrieb, Arzt oder Impfstelle

Im zweiten Quartal, also ab April, soll dann dazu übergegangen werden, in regionalen Impfstationen zu impfen.

„Das kann in größeren Betrieben sein, das kann aber auch in einer Impfstelle in der Gemeinde sein“, sagt Auer. „Oder man wendet sich an seinen Vertrauensarzt.“

Wann die Phasen 2 und 3 beginnen, hängt stark davon ab, welche Impfstoffe bis Jänner zugelassen werden. Am 12. Jänner entscheidet die Europäische Arzneimittelbehörde über einen Impfstoff, der leichter zu verimpfen ist als jener, der am 29. Dezember zugelassen werden könnte. Konkret geht es unter anderem um die Kühlung: Empfindlichere Impfstoffe müssen tiefgekühlt transportiert und nach dem Auftauen binnen weniger Tage verimpft werden. „Wenn alles gut läuft“, sagt Auer, „dann haben wir Anfang 2021 mehrere Optionen.“

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