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Wissen Gesundheit
07/11/2021

Beispiel Hautkrebs: Warum neue Therapieformen so wichtig sind

mRNA-Impfungen könnten künftig in Kombination mit anderen Verfahren die Behandlungserfolge erhöhen.

von Ernst Mauritz

Der Dermatologe Christoph Höller ist an der MedUni Wien / AKH Wien Spezialist für die Therapie von Patienten mit einem Melanom (schwarzem Hautkrebs).

KURIER: Sie waren bereits 2017 an einer Studie beteiligt, bei der Biontech einen personalisierten mRNA-Krebsimpfstoff erstmals an Menschen testete. Wie waren die Ergebnisse?

Christoph Höller: Ja, wir sind damals über den Biontech-Co-Gründer Christoph Huber mit dem Team von Biontech und Uğur Şahin in Kontakt gekommen. Es handelte sich um Patienten, die nach der Entfernung eines Melanoms ein hohes Risiko hatten, dass neuerlich ein Tumor auftritt. Bei acht der 13 Behandelten konnte auch nach 23 Monaten – dem Ende des Beobachtungszeitraumes – kein Tumor in CT-Untersuchungen nachgewiesen werden. Bei den fünf anderen kam es zu einem Rückfall. In Kombination mit einer Immuntherapie konnte bei zweien ein teilweiser Rückgang der Erkrankung gezeigt werden. Bei einem dritten Patienten kam es – auch durch die Kombination von Impfung und Immuntherapie – sogar zu einem kompletten Rückgang der Metastase – und es trat im Studienzeitraum keine weitere auf.

Aber das heißt nicht, dass der Krebs jetzt völlig verschwunden ist?

Es ging in dieser frühen Phase-1-Studie um die Verträglichkeit – die sehr gut war – und um die Sicherheit, die Studie war nicht darauf angelegt, eine Aussage über die Wirksamkeit dieser Impfung zu treffen. Aber trotzdem sind diese Ergebnisse für mich als Signal zu werten, dass es offenbar einen positiven Effekt auf das Immunsystem gibt. Und das zeigen ja auch weitere Studien, die seither durchgeführt wurden, dass Tumore zumindest für einen gewissen Zeitraum nicht wieder auftreten bzw. dass sich Metastasen zurückbilden. Die Zukunft liegt in der Kombination unterschiedlicher Therapien.

Wie groß könnte der Effekt einer solchen mRNA-Impfung gegen Krebs sein?

Nehmen wir das Beispiel Melanom: Vor zehn Jahren – als wir praktisch nur die Chemotherapie hatten – lebten fünf Jahre nach der Diagnose drei bis fünf Prozent der Patienten. Dann kamen die Immuntherapie und ganz neue, zielgerichtete Medikamente – heute leben fünf Jahre nach der Diagnose 50 % der Patienten. Das ist ein grandioser Erfolg, aber die andere Seite ist, dass wir immer noch 50 % der Patienten verlieren. Wenn wir jetzt neue Verfahren wie die mRNA-Impfstoffe oder krebszellentötende Viren dazubekommen sind wir vielleicht in einigen Jahren so weit, dass 75 % unserer Patienten nach fünf und mehr Jahren noch am Leben sind.

Das alles sind Ansätze für bereits Erkrankte. Wie sieht es mit einer vorbeugenden Krebs-Schutzimpfung aus?

Diese mRNA-Impfungen sind eine zusätzliche Therapieform. Wirklich vorbeugende Impfungen sind die HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs – ausgelöst durch Humane Papillomaviren – und die Impfung gegen Hepatitis B. Neben Hepatitis C, gegen die es aber keine Impfung gibt, kann eine Hepatitis B Infektion zu Leberkrebs führen.

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