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03.07.2018

Wer 45 oder mehr Stunden arbeitet, hat höheres Diabetesrisiko

Vor allem auf Frauen hat die Zahl der Wochenstunden laut aktueller Studie Auswirkungen.

Der 12-Stunden-Tag wird in Österreich nach wie vor heftig diskutiert. Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen beschäftigten sich mit der Frage, ab wie viel Stunden Arbeit krankmacht – der KURIER berichtete.

Eine aktuelle kanadische Studie zeigt, dass 45 und mehr Arbeitsstunden mit einem erhöhten Risiko für Diabetes bei Frauen verbunden ist. Frühere Studien zeigen diesen Zusammenhang auch für Männer.

In der aktuellen Untersuchung, die in der Fachzeitschrift BMJ  Diabetes Research & Care veröffentlicht wurde, wurden 7065 kanadische Berufstätige im Alter von 35 bis 74 Jahren über einen Zeitraum von zwölf Jahren untersucht.

Jeder Zehnte entwickelte Diabetes

Das Ergebnis: Während des Beobachtungszeitraums entwickelte jeder zehnte Teilnehmer Typ-2-Diabetes, wobei Diagnosen häufiger bei Männern, älteren Altersgruppen und Adipösen vorkamen. Bei Männern war die Länge der Arbeitswoche nicht mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko verbunden. Anders bei Frauen: Bei jenen, die 45 und mehr Stunden arbeiteten, wurde ein signifikant erhöhtes Diabetesrisiko festgestellt – 63 Prozent der Frauen hatten Diabetes. Und der Effekt wurde nur geringfügig reduziert, wenn potentielle Einflussfaktoren wie Rauchen, körperliche Aktivität, Alkoholkonsum und BMI berücksichtigt wurden. Bei jenen, die 30 bis 40 Stunden pro Woche arbeiten, war das Risiko nicht erhöht.

Die Studie ist eine Beobachtungsstudie, sodass nicht von einem eindeutigen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang gesprochen werden kann. Es gibt auch keine offensichtliche Erklärung für die geschlechtsspezifischen Unterschiede, die die Forscher gefunden haben, obwohl sie nahelegen, dass Frauen insgesamt mehr arbeiten, wenn alle Hausarbeiten und Familienpflichten berücksichtigt würden.

Laut den Forschern könnten lange Arbeitszeiten eine chronische Stressreaktion im Körper auslösen. Das wiederum erhöht das Risiko von hormonellen Anomalien und Insulinresistenz.

Bis 2030: 439 Millionen Diabetiker weltweit

Schon frühere Forschungen haben auf einen Zusammenhang zwischen langen Arbeitszeiten und erhöhtem Diabetesrisiko hingewiesen, aber die meisten dieser Studien haben sich ausschließlich auf Männer konzentriert.

Für die Studie wurden nationale Gesundheitsdaten sowie medizinische Aufzeichnungen analysiert. Die wöchentlichen bezahlten und unbezahlten Arbeitsstunden der Teilnehmer wurden in vier Zeitabschnitte eingeteilt: 15 bis 34 Stunden, 35 bis 40 Stunden, 41 bis 44 Stunden und 45 und mehr Stunden. Auch Alter, Geschlecht, Familienstand, Elternschaft, Ethnizität, Geburts- und Wohnort, körperliche Beeinträchtigungen sowie Lebensstil und Gewicht wurden miteinbezogen. Auch Arbeitsplatzfaktoren wie Schichtarbeit, die Anzahl der Wochen, in denen in den vorangegangenen zwölf Monaten gearbeitet wurde, und ob die Arbeit primär aktiv oder im Sitzen war, wurden berücksichtig.

Globale Schätzungen zeigen, dass bis 2030 rund 439 Millionen Erwachsene mit Diabetes leben werden – das wäre ein Anstieg von 50 Prozent gegenüber 2010. Allein im Jahr 2015 kostete Diabetes der Weltwirtschaft 1,31 Billionen US-Dollar.