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Wissen Gesundheit
12/17/2021

Ärzte als Impfskeptiker: Was Ärztekammer und Intensivmediziner entgegnen

In einem Offenen Brief zweifeln 199 Ärztinnen und Ärzte den Nutzen der Covid-Impfungen für den Großteil der Bevölkerung an. Der Ärztekammer-Präsident und ein Intensivmediziner widersprechen.

von Ernst Mauritz

199 Ärztinnen und Ärzte (von knapp 48.000) forderten diese Woche in einem offenen Brief den Rücktritt von Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres. Dieser hatte Anfang Dezember in einem Rundschreiben betont, dass es "derzeit aufgrund der vorliegenden Datenlage aus wissenschaftlicher Sicht" ... grundsätzlich keinen Grund gebe, von einer Impfung gegen Covid-19 abzuraten. "Einzig medizinische und wissenschaftlich belegte Gründe, wie beispielsweise eine Allergie gegen den Impfstoff, können gegen eine Covid-19-Schutzimpfung sprechen."

Die impfskeptischen Ärzte argumentieren hingegen mit „Behandlungsfreiheit“ und zweifeln den Impfschutz weitgehend an. Eine Schutzwirkung sei - wenn überhaupt - lediglich für Personen mit einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf für Covid-19 relevant.

Im KURIER–Interview reagierte jetzt Thomas Szekeres auf den Brief: „Der Nutzen der Impfung ist wissenschaftlich erwiesen und evident. Die ärztliche Behandlungsfreiheit endet dort, wo wissenschaftliche Fakten verlassen werden und so Patienten zu Schaden kommen.“ Das Ärztegesetz lege eindeutig fest, dass die ärztliche Behandlung auf der Basis von wissenschaftlicher Evidenz stattfinden müsse. "Damit habe ich nur auf die bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen hingewiesen."

Hintergrund für diesen Hinweis auf die Gesetzeslage sei unter anderem die Vorgangsweise "einiger weniger Ärzte, die offensichtlich systematisch von den Covid-19-Schutzimpfungen abraten: Das ist so, wie wenn ein Arzt einem Patienten mit einer bakteriellen Lungenentzündung, die mit Antibiotika gut behandelbar wäre, ein homöopathisches Mittel gibt und der Patient wird daraufhin schwer krank. Das ist nicht erlaubt."

Rate ein Arzt seinen Patienten also systematisch von den Impfungen ab und es komme dadurch jemand zu Schaden, weil er eine schwere Covid-19-Infektion erleide und möglicherweise sogar daran versterbe, könne das zu einem Disziplinarverfahren und auch strafrechtlichen Konsequenzen führen. "Stellen Sie sich einen Sprengelarzt vor, der Tausenden Pateinten von der Impfung abrät und dadurch kommt es Covid-19-Todesfällen: Einem solchen Verhalten Einhalt zu gebieten, das sehe ich als meine Verpflichtung an - auch wenn ich Hunderte Drohmails erhalte, beschimpft und auf der Straße angepöbelt werde."

Szekeres betont, das in dem Brief nicht alle Informationen falsch seien. "Es stimmt, dass sich auch Geimpfte anstecken können. Aber sie sind in der Regel deutlich kürzer infektiös." Auch sei richtig, dass der Schutz vor Infektionen im Zeitverlauf zurückgehe, allerdings bleibe der Schutz vor schweren Erkrankungen hoch. Andere Aussagen weisen Szekeres und auch der Intensivmediziner Walter Hasibeder vom Krankenhaus Zams in Tirol zurück:

So heißt es in dem Brief: "Ob durch die Boosterimpfung ein weitergehender Schutz erzielt werden kann, ist ungewiss" - "Das stimmt nicht", entgegnet Szekeres. "Die bisherigen Daten zeigen eindeutig, dass drei Impfungen das Risiko für schwere Krankheitsverläufe deutlich reduzieren."

In dem Brief wird auch behauptet, gesunde Menschen unter 65 Jahren ohne Risikofaktoren seien in der Regel nicht von einem schweren Covid-19-Verlauf betroffen. "Bei diesen Personen überwiegen daher mit hoher Wahrscheinlichkeit die Risiken ddurch die Impfung den potentiellen Nutzen", steht in dem Brief. – „Das stimmt überhaupt nicht, das sehe ich bei meiner täglichen Arbeit", entgegnet Intensivmediziner Walter Hasibeder, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) und Leiter der Abteilung für Anästhesie und operative Intensivmedizin am Krankenhaus Zams in Tirol.

"Wir hatten gerade einen völlig gesunden 28-Jährigen auf der Intensivstation, ohne jegliche Vorerkrankungen“, sagt Hasibeder. "Und das ist kein Einzelfall. Am häufigsten betroffen von einem schweren Krankheitsverlauf sind derzeit die 30- bis 60-Jährigen. Und denken Sie auch an die ungeimpften Schwangeren, die sich mit Covid-19 infizieren und ein hohes Risiko haben, auf einer Intensivstation behandelt werden zu müssen. Es gab auch schon Todesfälle bei Schwangeren als Folge einer Covid-19-Infektion."

Der Intensivmediziner Hasibeder geht auch auf die Formulierung "gesunde Menschen ohne Risikofaktoren" ein: "Ein wenig Übergewicht bzw. einen erhöhten Blutdruck hat man rasch, das sind Zivilisationskrankheiten und vielfach fast schon der Normalzustand. Risikofaktoren sind jetzt nicht irgendwelche seltenen Sachen sondern betreffen einen großen Teil der Bevölkerung."

Rund 85 Prozent der Covid-Patienten auf den Intensivstationen sind ungeimpft, betont Hasibeder. "Derzeit haben wir nur Ungeimpfte mit schweren Krankheitsverläufen." Und Durchbruchsinfektionen bei Geimpften betreffen häufig Personen, die aufgrund ihrer Vorerkrankungen Medikamente nehmen müssen, die das Immunsystem schwächen, etwa Autoimmunerkrankungen wie Rheumatoide Arthritis.

Laut dem Brief der 199 Ärztinnen und Ärzte offenbare sich die pauschale Deklarierung der Impfstoffe als "sicher" durch Ärztekammer, Politik und Medien als "unwissenschaftliche Propaganda".  Dazu Hasibeder: "Wir hatten ein einziges Mal einen jungen Mann bei uns im Spital, der in zeitlicher Nähe zur Impfung eine Herzmuskelentzündung entwickelt hat, aber sie ist gut verlaufen und er war rasch wieder entlassen. Demgegenüber habe ich schon mehrere wirklich schwere Herzmuskelentzündungen nach einer Covid-19-Infektion gesehen. Das deckt sich mit den Studienergebnissen, wonach solche Myocarditis-Fälle bei Geimpften viel milder und seltener sind als bei Covid-Erkrankten."

Der Arzt und Gesundheitsökonom Thomas Czypionka vom Institut für Höhere Studien (IHS) schreibt auf Twitter: "Es fehlen einem echt die Worte, was für unwissenschaftliches Zeugs hier von 200 Ärztinnen und Ärzten unterstützt wird."

Unterdessen hat die MedUni Wien den Erstunterzeichner des Briefes, den bisherigen Leiter der Abteilung für Allgemeinmedizin, Andreas Sönnichsen, gekündigt –  wegen Verstößen gegen die  Corona-Auflagen der Uni, wegen des Ignorierens von Weisungen sowie wegen Aufforderungen an Studierende, Verordnungen der MedUni Wien zu negieren.

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