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Obwohl Omikron mild sein soll, führt die Variante zu Hospitalisierungen und Todesfällen.

© Kurier / Gerhard Deutsch

Wissen Gesundheit
12/15/2021

Omikron: "Mild und hochansteckend" ist keine gute Kombination

Obwohl die neue Variante mild sein soll, führt sie zu Hospitalisierungen und Todesfällen. Wie sich das erklären lässt.

von Elisabeth Gerstendorfer

Die neue Virus-Variante Omikron wird noch diese Woche in Ländern wie Großbritannien, Dänemark und Norwegen die Delta-Variante dominieren. Grund dafür ist die hohe Infektiosität von Omikron.

Sie führt dazu, dass die Neuinfektionen binnen kurzer Zeit exponentiell ansteigen. Innerhalb von 1,7 Tagen verdoppelte sich etwa die Zahl der Neuinfektionen in Großbritannien, in Dänemark kommt es bereits alle 1,6 Tage zu einer Verdopplung. Zuletzt meldete Irland, dass der Anteil der Omikron-Variante an allen Corona-Infektionen innerhalb einer Woche von einem auf elf Prozent gestiegen ist.

Noch fehlen zuverlässige Daten, wie mild Omikron tatsächlich ist. Sicher ist allerdings, dass auch die neue Variante zu Krankenhausaufenthalten und Todesfällen führen kann. Am Montag wurde etwa ein erster Todesfall aus Großbritannien aufgrund von Omikron offiziell bestätigt.

Anfängliche Berichte, wonach Infektionen mit Omikron mild verlaufen sollen, beruhigen Expertinnen und Experten nicht. Das hat mehrere Gründe.

Hohe Übertragungsrate

Einer ist der Zusammenhang zwischen Übertragungsrate und Sterblichkeit. "Ein Virus mit hoher Übertragungsrate, aber niedriger Sterblichkeitsrate, kann mehr Menschen töten als ein Virus mit hoher Sterblichkeitsrate", schreibt etwa der in Frankreich geborene Datenanalyst Tomas Pueyo in seinem aktuellen Newsletter. Der Stanford-Absolvent, der mit seinem "Hammer und Tanz"-Ansatz zu Beginn der Pandemie bekannt geworden ist – es geht dabei um das Wechselspiel aus Lockdowns und Öffnungen – beschreibt diesen Zusammenhang als "Scary Virus Paradox".

Der US-Epidemiologe Eric Feigl-Ding betont auf Twitter, dass ein "mildes aber schnelleres Virus oft mehr Menschen tötet und schädigt als ein langsameres, das zu schwereren Verlaufen führt." Die Übertragungsgeschwindigkeit sei in einer Pandemie wichtiger als die Schwere der Erkrankungen, die es auslöst. Erklärbar ist dies durch die große Zahl an Infektionen, zu der ein Virus mit hoher Übertragungsrate führt.

Anders ausgedrückt: Je mehr Menschen sich infizieren, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass es auch zu schweren Verläufen und Todesfällen kommt.

Die Kombination der beiden Eigenschaften wäre auch laut dem Wiener Virologen Christoph Steininger von der MedUni Wien kein Grund zur Entspannung, wie er im KURIER-Podcast erklärt. Es sei mit einer hohen Belastung des Gesundheitssystems zu rechnen, "weil in viel kürzerem Zeitraum viel mehr Menschen erkranken". Es könne auch sein, dass in Österreich beide Varianten, Delta und Omikron, parallel erhalten bleiben. "Wir können derzeit noch nicht sagen, wie die Situation in zwei, drei Monaten sein wird."

Wirklich mild?

Noch ist nicht klar, ob Omikron tatsächlich zu milderen Verläufen führt, wie dies anfänglich vermittelt wurde. Die ersten Berichte aus Südafrika, die asymptomatische und milde Verläufe meldeten, bezogen sich auf junge Erwachsene, die infiziert waren. Bisherige Erkenntnisse zu den vorherigen Varianten Delta und Alpha zeigen aber, dass junge Erwachsene überwiegend milde Verläufe aufweisen, sofern sie keine weiteren Risikofaktoren erfüllen.

Hinzu kommt, dass in Südafrika geschätzt zwischen 80 und 90 Prozent der Bevölkerung immun sind – nach einer starken Delta-Welle. Erste Studien aus Deutschland und Österreich bezogen sich auf Reiserückkehrer aus Südafrika. Sie waren großteils geimpft, sodass ihre milden Verläufe auch auf den Impfschutz zurückgeführt werden können.

Aktuelle Daten aus Dänemark zeigen wiederum, dass die Hospitalisierungsraten bei Omikron etwa gleich hoch oder sogar etwas höher als bei Delta sind.

Höheres Risiko für erneute Infektion

Omikron kann sich aufgrund seiner vielen Mutationen dem Immunsystem Geimpfter und Genesener zum Teil entziehen. Südafrikanische Daten zeigen etwa, dass Genesene ein 2,4-fach erhöhtes Risiko haben, sich erneut anzustecken. Daten aus Großbritannien belegen ein drei- bis achtfach höheres Risiko für eine erneute Infektion.

 

Hinsichtlich der Impfung geben bisherige Studien Hinweise, dass nach zweimaliger Impfung der Schutz gegen schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle etwa 35 Prozent beträgt. Personen, die drei Impfungen erhalten haben, sind laut bisherigen Erkenntnissen je nach Impfstoff zu 70 bis 75 Prozent geschützt. Sowohl für Genesene als auch für Geimpfte ist daher der Booster empfehlenswert. "Die Impfung ist immer noch sehr hilfreich, sodass wir sie weiterhin durchführen und nach Möglichkeit eine Auffrischungsimpfung erhalten sollten", schreibt Pueyo.

Der Datenanalyst geht davon aus, dass sich früher oder später jeder und jede mit Covid infizieren wird. "Dies ist die letzte Schlacht für Covid. Es wirft uns alles entgegen, was es hat, und wird die Welt überwältigen. Aber dabei könnte es sich selbst geschwächt haben. Und es greift zu einem Zeitpunkt an, zu dem die Welt mit Impfstoffen und früheren Infektionen gut gerüstet ist."

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