Ein gebrochenes Herz ist lebensbedroh­lich

Broken heart
Foto: Getty Images/iStockphoto/caio3d/iStockphoto Gebrochenes Herz: Schlimmere Folgen als bisher angenommen.

Neue Daten zeigen: Diese Funktionsstörung des Herzmuskels ist genauso lebensbedrohlich wie der klassische Herzinfarkt.

Gefühle der Enge, starker Druck und Schmerz im Brustbereich, Atemnot: "Herzinfarkt" denken da viele, und sehr oft ist das ja auch so. "Aber heute gehen wir davon aus, dass drei bis fünf Prozent aller vermeintlichen Herzinfarkt-Patienten gar keinen Infarkt, sondern eine Stress-Kardiomyopathie (ein "Broken-Heart-Syndrome", Anm.) erlitten haben, sagte Kardiologe Ingo Eitel, Herzzentrum Lübeck auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim.

Große psychische Belastung

"Gebrochenes-Herz-Syndrom": Es tritt nach großen emotionalen oder körperlichen Belastungen auf – einem Todesfall eines nahen Angehörigen oder einer Trennung etwa. Oder in existenzieller Not und generell großer psychischer Belastung.

Beim Herzinfarkt kommt es zu einem Gefäßverschluss durch Gefäßverkalkung und ein Blutgerinnsel. Auch beim Broken-Heart-Syndrom verengt und verschließt sich ein Gefäß – "aber die Ursache des Verschlusses ist eine übertriebene Kontraktion von Muskelzellen an einer bestimmten Stelle", sagt der Kardiologe Eckart Fleck von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologe. "Bisher hat man gedacht, dass das für Patienten, die die akute Phase gut überstanden haben, nicht so dramatisch ist. Aber das stimmt nicht."

Höhere Sterberate

Eine Studie, die ebenfalls in Lübeck durchgeführt wurde, ergab: Die Sterblichkeit ist deutlich höher als bisher angenommen. Bei knapp 300 untersuchten Broken-Heart-Patienten lag die Sterberate ein Jahr danach bei zehn und vier Jahre danach bei 25 Prozent. Dies bedeute aber, dass dieses Syndrom "genauso lebensbedrohlich ist wie der klassische Herzinfarkt", so Eitel. Und: Wer einmal an diesem Syndrom gelitten hat, hat ein deutlich höheres Risiko, es bei einer künftigen Stresssituation neuerlich zu bekommen.

Die Lübecker Forscher haben aber noch eine weitere neue Erkenntnis: Bei der Analyse von 96 Broken-Heart-Patienten fanden sie 68 genetische Auffälligkeiten – also Veränderungen im Erbgut, die möglicherweise das Risiko für ein Broken-Heart-Syndrom erhöhen. Diese Daten müssen noch durch größere Studien erhärtet werden – aber wenn es tatsächlich gelingen sollte, eindeutige genetische Ursachen zu identifizieren, könnte man auf diese Weise auch die Menschen mit dem größten Risiko ausfindig machen. Eitel: "Dann wäre es möglich, diese vorbeugend – etwa mit Betablockern – zu behandeln und vielen ein lebensbedrohliches Risiko zu ersparen."

Bei Frauen häufiger

Broken-Heart-SyndromIm Gegensatz zu Patienten mit Herzinfarkt zeigen sich beim Broken-Heart-Syndrom keine atherosklerotischen Plaques (Ablagerungen), sind die Gefäße also gesund. Bei der Erkrankung nimmt die linke Herzkammer die Form eines japanischen Oktopusfangkorbes, ein Krug mit kurzem Hals, an, daher auch die Bezeichnung „Tako Tsubo“. Das Syndrom wurde 1990 erstmals in Japan beschrieben und ist bei Frauen deutlich häufiger wie bei Männern.

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(kurier) Erstellt am
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