Von den Popa-Languren gibt es nur etwa 250 Exemplare.

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Wissen

Affenart in Myanmar entdeckt und schon vom Aussterben bedroht

Erbgutanalysen identifizierten die Popa-Languren. Von ihnen gibt es nur noch etwa 250 Tiere.

von Hedwig Derka

11/11/2020, 10:42 AM

Die Gene lassen keinen Zweifel: In SĂŒdostasien wurde ein bisher nicht beschriebener Haubenlangur entdeckt. Kotproben aus dem Freiland in Myanmar sowie ein prĂ€pariertes Tier aus einem britischen Museum lieferten den Nachweis fĂŒr die Existenz von Trachypithecus popa. Er gilt schon jetzt als vom Aussterben bedroht.

Neue und alte Erbgutanalysen

Forschende des Deutschen Primatenzentrums DZP fĂŒhrten in einer internationalen Kooperation umfangreiche Erbgutanalysen durch. Dabei gelang ihnen die Beschreibung der neuen Languren-Art. Einen entscheidenden Hinweis fanden die Wissenschafter im London Natural History Museum. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sammelte der britische Zoologe Guy C. Shortridge Tausende von Tieren, 1913 auch ein Trachypithecus-Exemplar. Das Popa-Langur-Team nahm das AusstellungsstĂŒck jetzt genauer unter die Lupe. Christian Roos, Wissenschafter in der Abteilung Primatengenetik am DPZ, erlĂ€utert: „Die genetischen und morphologischen Analysen von MuseumsprĂ€paraten haben letztlich zu der Beschreibung dieser neuen Art gefĂŒhrt, welches auch durch die Kotproben bestĂ€tigt wurde, die das Forscherteam von Flora & Fauna International FFI in Myanmar gesammelt hat.“

Zwanzig Arten im Vergleich

Um einen klĂ€renden Einblick in die Evolution und Artenvielfalt der Languren in SĂŒdostasien zu erhalten, untersuchten die Wissenschafter Erbgut aller zwanzig Haubenlanguren-Arten. Die verwendete DNA wurde mittels moderner Sequenzierungsmethoden analysiert. Anschließende Vergleiche legen nahe, dass sich die neue Art vor etwa einer Million Jahren von den anderen Languren abgespaltet hat.

Nur vier Populationen in Myanmar

Die Popa-Languren leben ausschließlich in den WĂ€ldern Zentral-Myanmars. Sie sind schlank, haben einen langen Schwanz und eine wilde HaarmĂ€hne. Mit zwanzig weiteren Arten zĂ€hlen sie zu den Haubenlanguren. Von diesen nĂ€chsten Verwandten unterscheiden sie sich aber nicht nur genetisch, sondern auch in Fellfarbe, SchwanzlĂ€nge und SchĂ€delgrĂ¶ĂŸe. Benannt wurden die Neuen nach dem fĂŒr Burmesen heiligen Vulkan Popa, auf dem mit zirka 100 Tieren die grĂ¶ĂŸte Population vorkommt.

GefÀhrdete Primaten

Insgesamt gibt es von ihnen nur noch 200 bis 250 Individuen in vier isolierten Populationen. Frank Momberg von FFI betont: „Gerade erst beschrieben, aber leider schon wieder fast verschwunden. Es mĂŒssen dringend Maßnahmen ergriffen werden, um diese Art vor der Ausrottung zu retten.“ So wie die meisten ihrer Artgenossen sind Popa-Languren durch Wilderei und den Verlust von Lebensraum unter Druck. Von den weltweit rund 500 Primaten-Arten stuft die Weltnaturschutzorganisation IUCN ĂŒberhaupt 60 Prozent als gefĂ€hrdet ein.

Neue SĂ€ugetier-Spezies

Selten wird eine neue SĂ€ugetier-Spezies entdeckt. Umso grĂ¶ĂŸer ist das Aufsehen, das die Popa-Languren jetzt erregen. Auch 2017 gab es Grund zum Staunen: Auf Sumatra wurde eine neue Orang-Utan-Art identifiziert. Der Tapanuli lebt in einer Gruppe von etwa 800 Menschenaffen isoliert von den zwei anderen bekannten Orang-Utan-Arten.

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