Von den Popa-Languren gibt es nur etwa 250 Exemplare.

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Wissen
11/11/2020

Affenart in Myanmar entdeckt und schon vom Aussterben bedroht

Erbgutanalysen identifizierten die Popa-Languren. Von ihnen gibt es nur noch etwa 250 Tiere.

von Hedwig Derka

Die Gene lassen keinen Zweifel: In Südostasien wurde ein bisher nicht beschriebener Haubenlangur entdeckt. Kotproben aus dem Freiland in Myanmar sowie ein präpariertes Tier aus einem britischen Museum lieferten den Nachweis für die Existenz von Trachypithecus popa. Er gilt schon jetzt als vom Aussterben bedroht.

Neue und alte Erbgutanalysen

Forschende des Deutschen Primatenzentrums DZP führten in einer internationalen Kooperation umfangreiche Erbgutanalysen durch. Dabei gelang ihnen die Beschreibung der neuen Languren-Art. Einen entscheidenden Hinweis fanden die Wissenschafter im London Natural History Museum. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sammelte der britische Zoologe Guy C. Shortridge Tausende von Tieren, 1913 auch ein Trachypithecus-Exemplar. Das Popa-Langur-Team nahm das Ausstellungsstück jetzt genauer unter die Lupe. Christian Roos, Wissenschafter in der Abteilung Primatengenetik am DPZ, erläutert: „Die genetischen und morphologischen Analysen von Museumspräparaten haben letztlich zu der Beschreibung dieser neuen Art geführt, welches auch durch die Kotproben bestätigt wurde, die das Forscherteam von Flora & Fauna International FFI in Myanmar gesammelt hat.“

Zwanzig Arten im Vergleich

Um einen klärenden Einblick in die Evolution und Artenvielfalt der Languren in Südostasien zu erhalten, untersuchten die Wissenschafter Erbgut aller zwanzig Haubenlanguren-Arten. Die verwendete DNA wurde mittels moderner Sequenzierungsmethoden analysiert. Anschließende Vergleiche legen nahe, dass sich die neue Art vor etwa einer Million Jahren von den anderen Languren abgespaltet hat.

Nur vier Populationen in Myanmar

Die Popa-Languren leben ausschließlich in den Wäldern Zentral-Myanmars. Sie sind schlank, haben einen langen Schwanz und eine wilde Haarmähne. Mit zwanzig weiteren Arten zählen sie zu den Haubenlanguren. Von diesen nächsten Verwandten unterscheiden sie sich aber nicht nur genetisch, sondern auch in Fellfarbe, Schwanzlänge und Schädelgröße. Benannt wurden die Neuen nach dem für Burmesen heiligen Vulkan Popa, auf dem mit zirka 100 Tieren die größte Population vorkommt.

Gefährdete Primaten

Insgesamt gibt es von ihnen nur noch 200 bis 250 Individuen in vier isolierten Populationen. Frank Momberg von FFI betont: „Gerade erst beschrieben, aber leider schon wieder fast verschwunden. Es müssen dringend Maßnahmen ergriffen werden, um diese Art vor der Ausrottung zu retten.“ So wie die meisten ihrer Artgenossen sind Popa-Languren durch Wilderei und den Verlust von Lebensraum unter Druck. Von den weltweit rund 500 Primaten-Arten stuft die Weltnaturschutzorganisation IUCN überhaupt 60 Prozent als gefährdet ein.

Neue Säugetier-Spezies

Selten wird eine neue Säugetier-Spezies entdeckt. Umso größer ist das Aufsehen, das die Popa-Languren jetzt erregen. Auch 2017 gab es Grund zum Staunen: Auf Sumatra wurde eine neue Orang-Utan-Art identifiziert. Der Tapanuli lebt in einer Gruppe von etwa 800 Menschenaffen isoliert von den zwei anderen bekannten Orang-Utan-Arten.

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