Wissen
16.06.2018

Lebensräume vieler Affenarten schwinden dramatisch

Landwirtschaft und Bejagung bedrohen die Primaten. Wissenschaftler fordern Schutz.

Bis zum Jahr 2100 könnten weltweit bis zu 78 Prozent der Lebensräume vieler Affenarten verschwunden sein. Besonders die Zerstörung natürlicher Wälder und deren Umwandlung in landwirtschaftliche Nutzflächen, aber auch die Jagd und der Handel mit Buschfleisch bedrohen viele Arten, wie das Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen berichtet.

Ein internationales Team führender Primatenforscher, analysierten die Lage vieler Primatenarten in Brasilien, Madagaskar, Indonesien und der Demokratischen Republik Kongo. Die Wissenschaftler forderten sofortige Maßnahmen zum Schutz der bedrohten Affenarten.

439 Arten

Affen leben in tropischen und subtropischen Gebieten der Erde und sind vor allem in Regionen Afrikas, Südamerikas, Madagaskars und Asiens verbreitet. Die Weltnaturschutzunion listet derzeit 439 Arten. 65 Prozent davon oder 286 Arten sind in Brasilien, Indonesien, Madagaskar und der Demokratischen Republik Kongo beheimatet. Von ihnen sind rund 60 Prozent vom Aussterben bedroht.

Buschfleisch und Haustier

In Brasilien, Madagaskar und Indonesien bringen demnach vor allem der Verlust und die zunehmende Zerteilung ihrer Lebensräume die Tiere in Bedrängnis. In der Demokratischen Republik Kongo stellt der Handel mit Buschfleisch die größte Gefahr dar. Zudem werden Primaten illegal als Haustiere verkauft oder in der traditionellen Medizin verwendet.

Rohstoff-Abbau

"Nicht zuletzt die Industrienationen tragen zu dieser Entwicklung bei", erklärte Christian Roos, Koautor der Studie. Die Nachfrage nach Rohstoffen wie Soja, Palmöl, Kautschuk, Hartholz oder fossilen Brennstoffen sei groß. Allein die vier primatenreichen Länder deckten 50 Prozent dieser Exporte nach China, Indien, den USA und Europa.

Schutzmaßnahmen

Die Forscher forderten die Ausweitung der Schutzgebiete, die Aufforstung der Wälder und Pflanzung von Korridoren als wichtige Maßnahmen, um Primatenpopulationen zu erhalten. Darüber hinaus müsse bei der örtlichen Bevölkerung ein Bewusstsein für die prekäre Lage geschaffen werden. Zudem sollten Regierungen der betreffenden Länder härter gegen illegale Jagd, Waldzerstörung und Handel mit Primaten vorgehen.