© Kurier/Jeff Mangione

Wirtschaft
10/09/2020

Zweiter Lockdown hätte für nächstes Jahr dramatische Folgen

Was wären die Folgen eines zweiten Lockdowns? Das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo hat dazu ein Risikoszenario erstellt.

von Wolfgang Unterhuber, Thomas Pressberger

Für das heurige Jahr prognostiziert das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo ein Minus beim Bruttoinlandsprodukt BIP von 6,8 Prozent wie der KURIER bereits gestern berichtete.

Im kommenden Jahr sollte die Wirtschaft eigentlich kräftig anziehen. Und zwar auf ein BIP-Plus von 4,4 Prozent.

Aufgrund der internationalen wie nationalen Entwicklung bei den aktuellen Infektionszahlen hat das Wifo aber auch ein Risikoszenario entwickelt.

Dieses Risikoszenario geht von einem zweiten Lockdown aus. Dieser hätte dramatische Folgen.

Zweiter Lockdown ab November

Würden Geschäfte und Fabriken ab November wieder geschlossen und die Reisemöglichkeiten weiter drastisch beschränkt, dann würde die Wirtschaftsleistung auf das Niveau vom zweiten Quartal 2020 zurückfallen.

Ein solcher zweiter Lockdown würde wohl bis weit nach Weihnachten in den Jänner hineinreichen. Das Weihnachtsgeschäft würde massiv darunter leiden.  

Fazit: Das BIP-Minus für 2020 würde nicht die prognostizierten 6,8 Prozent betragen, sondern 9,3 Prozent.

Nur schleppende Erholung

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Mehr noch. Die Erholung nach einem zweiten Lockdown würde schleppender verlaufen als im Sommer des heurigen Jahres.

Die sozialen und geschäftlichen Aktivitäten würden sich erst im zweiten Quartal des kommenden Jahres normalisieren, wie es im Szenario heißt.

Nachtrag: Sofern es dann schon einen Impfstoff gegen den Coronavirus gibt.

Stagnation

In Zahlen ausgedrückt wäre ein zweiter Lockdown für das Jahr 2021 aber wahrlich düster.

Die Wirtschaft wäre im kompletten Jahr massiven Belastungen ausgesetzt.

In Summe würde das Jahr 2021 entlang der Null-Linie verlaufen. Das wäre also eine Stagnation.

Normales Szenario

Und wie verläft die Wirtschaft ohne zweiten Lockdown? Nun: Die Arbeitslosenrate, die 2019 nach nationaler Rechnung 7,4 Prozent betrug, dürfte heuer trotzdem auf 9,8 (Wifo) bis 9,9 (IHS) Prozent klettern und 2021 mit 8,8 bzw. 9,4 Prozent recht hoch bleiben.

Vom krisenbedingten Anstieg der Arbeitslosigkeit im heurigen Jahr wurde laut Wifo bis September bereits etwa die Hälfte wieder abgebaut.

Und: Die Covid-19-Kurzarbeit sorgt zwar für eine starke Verringerung des Arbeitsvolumens - etwa die Hälfte des Rückgangs geht auf ihr Konto -, doch konnten dadurch Jobs erhalten werden.

Das IHS begrüßt ausdrücklich die geplante Ausweitung der Ausgaben für aktive Arbeitsmarktpolitik gegen eine Verfestigung der Arbeitslosigkeit.

Budgetdefizit

Nach 0,7 Prozent Budgetüberschuss gemessen am BIP im Vorjahr dürften heuer 9,4 bzw. 11,7 Prozent Budgetdefizit ins Haus stehen, 2021 dürfte das Minus dann 4,7 bzw. 6,1 Prozent Minus betragen.

Das Wifo ist hier gegenüber der letzten Prognose von Juni etwas zuversichtlicher geworden, das IHS nicht.

Für das IHS besteht "weiterhin große Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie". Hier geht es für die aktuelle Prognose davon aus, dass es zu keinem neuerlichen großflächigen Ausbruch kommt.

Die seit Sommer steigenden Infektionszahlen und die damit einhergehenden Eindämmungsmaßnahmen dürften die Konjunktur aber selbst in diesem Szenario bereits bis Mitte 2021 belasten, so die Befürchtung.

Weltweiter Rückgang

Für den Welthandel rechnet das IHS für heuer mit 8,5 Prozent Rückgang und 2021 mit 5,5 Prozent Zunahme. Österreichs Exportmärkte dürften heuer um 9,0 Prozent schrumpfen, 2021 um 5,5 Prozent wachsen.

Die heimischen Exporte sieht das Wifo heuer um 12,4 Prozent niedriger, das IHS rechnet mit 9,6 Prozent Minus - bei den reinen Warenexporten sind es -10,7 bzw. -8,5 Prozent.

Auch bei den Einfuhren erwartet das Wifo einen stärkeren Rückgang mit 10,6 Prozent (das IHS nur -7,9 Prozent), bei den Warenimporten -9,2 Prozent (das IHS -7,3 Prozent).

2021 soll es bei den Exporten um rund sechs bis sechseinhalb Prozent hinaufgehen, bei den Importen um beinahe sechs Prozent, sind sich die Institute einig.

 

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