Wirtschaft
29.11.2018

Zukunft des Wiener Opel-Werks: Neues Jahr wird sehr herausfordernd

Nach Betriebsversammlungen herrscht nun Unruhe im Werk in Wien-Aspern.

Je näher das Jahresende rückt, desto größer wird die Unruhe im Opel-Werk in Wien-Aspern. Wie der KURIER Ende August berichtete, benötigt die Getriebe- und Motoren-Fabrik (1250 Mitarbeiter) dringend Nachfolge-Aufträge. Ende 2019 bzw. 2020 läuft die Produktion eines Motors und eines Getriebes für die Modelle Astra, Corsa und Adam aus. Daran hängen etwa 600 Arbeitsplätze. Am Mittwoch und am Donnerstag dieser Woche fanden nun im Opel-Werk die jährlichen Betriebsversammlungen statt.

„Das neue Jahr wird sehr herausfordernd“, soll der Produktionsmanager dabei seiner Mannschaft angekündigt haben. Der Markt sei instabil, man werde bei den Beschäftigungseinteilungen sehr flexibel sein müssen.

Das bedeutet, dass die bereits bestehenden Produktionsschwankungen bei einzelnen Baugruppen weiter anhalten werden. Das kam bei jenen in der Belegschaft, die kontinuierliche Planungen bei der Schichteinteilung bevorzugen, nicht so gut an.

Über neue Produktionsaufträge soll der Manager nichts gesagt haben. Da neue Fertigungslinien aber eine lange Vorlaufzeit benötigen, ist die Nervosität in der Belegschaft verständlich.

„Was uns stört ist, dass wir dazu nichts von der Geschäftsleitung hören“, sagt ein Teilnehmer zum KURIER. „Es liegen uns derzeit auch keine Informationen über eine Entscheidung aus Frankreich vor, ob und welche neuen Linien nach Wien-Aspern kommen werden.“ Die für Oktober angekündigte neue Produktion des PSA-Getriebes MB6 soll derzeit aber aufgebaut werden.

Radikaler Umbau

Im Sommer 2017 hat der französische Autobauer Peugeot Citroën (PSA) die maroden General-Motors-Töchter Opel (Deutschland) und Vauxhall (Großbritannien) übernommen, den Rotstift angesetzt und Werke verkleinert. Alleine im Vauxhall-Werk in Ellesmere Port werden insgesamt fast 900 der 1900 Jobs gestrichen. In Deutschland werden fast 4000 der 18.000 Mitarbeiter abgebaut. Die übrigen Arbeitsplätze sollen im Form eines Zukunftspakts bis 2023 gesichert sein.

Zuletzt wurde die Entwicklungsabteilung (2000 Mitarbeiter) am Opel-Stammsitz Rüsselsheim an den französischen Technik-Dienstleister Segula ausgelagert. Opel-Chef Michael Lohscheller kündigte aber an, alle Werke in Europa wettbewerbsfähig zu machen.

Lohscheller verhandelt zwar hart, aber er hat sich bisher an alle Zusagen gehalten“, sagt der deutsche Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer zum KURIER. „Wenn das Wiener Werk keinen Zukunftspakt mit PSA abgeschlossen hat, dann wäre das schlecht.“ Von einem solchen „Zukunftsvertrag“ mit PSA weiß man in Wien zurzeit (noch) nichts.