© Thomas Ramgraber

Wirtschaft von innen
02/03/2020

Schon wieder Ärger mit Laudamotion

Laut Gerichtsurteil darf die Billig-Airline keine Pauschalreisen anbieten. Die Bilanz 2018 wurde erst mit viel Verspätung fertig.

von Andrea Hodoschek

Die Ryanair-Tochter Laudamotion liefert sich nicht nur mit Betriebsräten und Gewerkschaften heftige Auseinandersetzungen. Auch mit der Wirtschaftskammer hat sich Österreichs einzige Billig-Airline angelegt. Während die arbeitsrechtlichen Streitigkeiten derzeit gerichtlich noch ausgefochten werden, hat Laudamotion jetzt gegen den Verein zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs verloren.

Der Sachverhalt klingt sehr bürokratisch, kann aber im schlimmsten Fall die Passagiere viel Geld kosten. Konkret geht es darum, dass Laudamotion – die Airline fliegt unter dem Markennamen Lauda – Pauschalreisen anbietet. Heißt, zusätzlich zum Flug sind weitere Urlaubsleistungen wie Mietautos und Hotels buchbar.

Damit trete Laudamotion als Reiseveranstalter auf und müsse in das Gisa eingetragen sein, das Reiseinsolvenzabsicherungsverzeichnis, argumentiert der kammernahe Schutzverband, der sich als „Hüter des fairen Wettbewerbs“ definiert. Um vom Wirtschaftsministerium in das Register eingetragen zu werden, braucht es laut EU-Pauschalreisen-Richtlinie eine Insolvenzversicherung. Damit die Kunden, die im voraus bezahlen, für den Fall einer Pleite abgesichert sind.

Seit 2018 matchen sich Schutzverband und Wirtschaftskammer mit Laudamotion, das Unternehmen ist bis heute nicht als Veranstalter registriert.

„Mangelnde Einsicht“

Das Landesgericht Korneuburg gibt in seiner Entscheidung vom 27. Jänner den Wettbewerbsschützern in allen Punkten Recht. Ohne Registrierung dürfen keine Pauschalreisen verkauft werden. Das Gericht begründet das strenge Urteil mit „mangelnder Einsichtsfähigkeit“ von Laudamotion. Dass die Airline zudem über mehrere Monate hinweg eine Tätigkeit ohne entsprechende Gewerbeberechtigung ausübte und sich trotz Aufforderung erst mehr als ein halbes Jahre später darum kümmerte, lasse „am guten Willen zweifeln“.

Laudamotion hatte sich u.a. damit verteidigt, man sei ein Start-up Unternehmen, das sich vielen Herausforderungen stellen müsse und prüfe gerade alle erforderlichen Genehmigungen und Berechtigungen. Erstaunlich, dass sich die Tochter von Europas größtem und etablierten Billigflug-Konzern als Start-up definiert.

„Seit eineinhalb Jahren verstößt Laudamotion ohne jeden Genierer gegen das Gesetz“, wettert Gregor Kadanka, Fachverbandsobmann der Reisebüros und Chef von Mondial. Jedes kleine Reisebüro sei in der Lage, eine Insolvenzversicherung abzuschließen, „alle müssen sich an die gleichen Regeln halten, auch die Großen“. Wie wichtig das sei, „sieht man jetzt im Fall von Thomas Cook“.

Deutschland hatte auf Druck der Reiseveranstalter für die Insolvenzabsicherung eine Höchstgrenze von 110 Millionen eingezogen. Die Summe reicht für die Pleite von Thomas Cook allerdings nicht aus, der deutsche Staat kommt in die Haftung (der KURIER berichtete am Sonntag).

Das könnte Österreich im schlimmsten Fall auch drohen. Das Wirtschaftsministerium, dem das Urteil vorliegt, will allerdings erst einmal die Bezirksverwaltungsbehörde den Sachverhalt erheben lassen.

 

Verspätete Bilanz

Laudamotion fliegt hohe Verluste ein, 140 Millionen im ersten Jahr, das Minus für das Geschäftsjahr 2019/20 korrigiert Ryanair-Boss Michael O’Leary ständig nach oben, aktueller Stand sind 90 Millionen. In der Branche wird schon länger darüber spekuliert, wie lange Ryanair die Verluste noch finanzieren will.

Dass der Abschluss für 2018 immer noch nicht im Firmenbuch hinterlegt ist, heizt die Gerüchtebörse weiter an. Hatte womöglich der Wirtschaftsprüfer KPMG mit der Patronatserklärung von Ryanair und der Fortbestandsprognose für die defizitäre Tochter ein Problem?

„Völliger Blödsinn“, dementiert Laudamotion-Geschäftsführer Andreas Gruber empört. Es gebe kein Problem mit dem Testat, die Verzögerung habe organisatorische Ursachen, kürzlich habe man die Bilanz eingereicht.

Zum Urteil meint Gruber, Laudamotion habe selbstverständlich eine Insolvenzversicherung. Es handle sich um eine Gruppenversicherung (Anbieter IPP) für Ryanair, die in allen Ländern akzeptiert werde. Die Absicherungssumme will Gruber nicht nennen, betont nur, diese sei „ausreichend“. Es gehe nur um Pauschalreisen, deren Anteil äußerst bescheiden sei. „Mit unseren Flugbuchungen hat das nichts zu tun“.

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