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Wirtschaft
02/02/2020

Lehren aus der Thomas-Cook-Pleite: Wenn der Urlaub baden geht

Die Insolvenz des Reisekonzerns zeigt, dass der Schutz für Pauschalreisende kein Rundum-Sorglos-Paket ist. Achtung auf die Insolvenz-Versicherung.

von Christine Klafl

Zwei Wochen im Frühherbst auf Kreta – für zwei befreundete ältere Paare aus Wien hätte es ein Traumurlaub werden sollen. Daraus wurde allerdings nichts. Zu Ärger und Frust kommt auch noch ein finanzieller Schaden.

Schuld war die Pleite des britischen Reisekonzerns Thomas Cook am 23. September, der in den Tagen darauf reihenweise Tochterunternehmen folgten. Die Wiener kamen mitten hinein in die Turbulenzen rund um die Insolvenz. Hoffnung auf Rettung, dann Ratlosigkeit, Chaos, tote Internet-Seiten, Absage von Flügen. Allerdings: Das Geld für die Reise war bereits eingezogen. Nach Tunesien um etliche Hunderter mehr wollten sich Frau M. (Name der Redaktion bekannt), ihr Mann und das befreunde Paar dann doch nicht verschicken lassen.

20.000 Betroffene

Rund um die Pleite des Reisekonzerns gab es in Österreich rund 20.000 Betroffene. Viele von ihnen werden in den nächsten Wochen finanzielle Schäden ersetzt bekommen. In Österreich war Thomas Cook für den Insolvenzfall mit 22 Millionen Euro versichert. Peter Kolba, Obmann des Verbraucherschutzvereins (VSV), hat aus der Branche gehört, dass diese Summe reichen sollte, um die Schäden aus gebuchten Pauschalreisen (siehe Beitrag ganz unten) zu decken.

Die beiden erwähnten Paare zählen allerdings zu den rund 5.000 Betroffenen, die ihr Geld noch lange nicht sehen werden – falls überhaupt.

Das Problem: Sie haben zwar in Wien gebucht, allerdings bei einem Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland. „In Österreich gebucht und es ist trotzdem ein deutscher Anbieter, das war nicht zu erkennen“, ärgert sich Frau M.

Zu kleine Versicherung

Der dortige Gesetzgeber hatte bei der Versicherungsregelung für Pauschalreisen beide Augen zugedrückt und sich mit einem Assekuranz-Deckel in Höhe von 110 Millionen Euro zufrieden gegeben. Der Gesamtschaden ist allerdings um etliches höher. Die Konsequenz daraus: Von der Versicherung bekommen die Betroffenen nur einen Teil erstattet. Von den ohnehin viel zu geringen 110 Millionen Euro zieht die Versicherung auch noch 59,6 Millionen Euro ab, die sie für die Heimholung von etwa 140.000 gestrandeten Urlaubern aufwenden musste. Das macht schließlich eine Auszahlungsquote von gerade einmal 17,5 Prozent.

Etwas mehr könnte es werden, wenn die Betroffenen etwas aus der Insolvenzmasse von Thomas Cook ausbezahlt bekommen. „Im Dezember haben wir allerdings ein Schreiben von der Insolvenzverwalterin bekommen, dass das Jahre dauern kann“, erzählt Frau M. hörbar genervt. Der deutsche Staat hat zwar vage angekündigt, dass er, sprich der deutsche Steuerzahler, einspringen wird. Mit wie viel, ist allerdings längst nicht klar.

VSV-Obmann Peter Kolba wollte sich dieses Hin und Her nicht länger anschauen. In zwei Musterprozessen will der VSV jetzt klargestellt bekommen, dass der deutsche Staat haftet.

Pleiteversicherung checken

Und wie kann ein derartiges Chaos künftig verhindert werden? „Nachschauen, ob der Anbieter für den Insolvenzfall versichert ist“, rät Kolba. Auf der Homepage des Wirtschaftsministeriums kann man zwar das „Gewerbeinformationssystem Austria“ (www.gisa.gv.at) durchstöbern, ob ein bestimmter Anbieter von Pauschalreisen auch versichert ist. Das ist aber mehr als mühsam. „Wer Versicherer und Abwickler sind, ist auch intransparent. Das gehört dringend reformiert“, fordert Kolba. Nachschauen, ob die Pleite-Versicherung reicht, sollte eigentlich zum Service von Reisebüros gehören, meint er.

Was ist vor und beim Buchen noch zu beachten?

Anzahlung

Laut Pauschalreiseverordnung darf mehr als elf Monate vor Reiseantritt gar keine Anzahlung verlangt werden. Anschließend kann die Anzahlung 20 Prozent ausmachen. Mehr darf der Reiseveranstalter oder -vermittler erst höchstens 20 Tage vor der Abreise entgegennehmen. Bei Anbietern, die mehr Geld früher wollen, ist höchste Vorsicht geboten. „Belege aufheben“, lautet der Tipp von Emanuela Prock, Konsumentenschützerin in der AK. Wer online bucht, sollte entsprechende Screenshots machen.

Versicherung

Ob Reisegepäck oder Heimtransport im Krankheitsfall – die Palette an möglichen Absicherungen ist bunt. „Aufpassen, dass man nicht drei Mal versichert ist“, rät VSV-Obmann Kolba. Ein Teil könnte schon dadurch abgedeckt sein, wenn man die Reise mit Kreditkarte zahlt. Das Absichern des Stornorisikos sei aber in jedem Fall sinnvoll.

Einzelbuchung

Ob nur Flug oder nur Hotel – bei Einzelbuchung ist man gegen das Insolvenzrisiko (etwa der Airline) nicht abgesichert.

Das Wiener Quartett, das es nicht nach Kreta schaffte, hatte jedenfalls die Nase voll. „Aus und vorbei, wir fahren nach Lignano“, stellten die beiden Paare fest.

Bei Pleite
Wie andere Betriebe können auch Reiseunternehmen in die Pleite rutschen. Damit Urlauber keinen finanziellen Schaden erleiden, sind Veranstalter und Vermittler von Pauschalreisen und verbundener Reiseleistungen zur Absicherung verpflichtet.

Pauschal
Seit Juli 2018 gilt ein neues Gesetz. Als Pauschalreise gilt die Kombination von mindestens zwei Reiseleistungen bei einer Reisedauer von mindestens 24 Stunden. Zu den Leistungen gehören: Beförderung (etwa Bus oder Flug), Unterbringung (z.B. Pension oder Hotel), die Autovermietung sowie andere wesentliche Dienstleistungen (wie ein Opernbesuch).

Durchklicken
Als Pauschalreisen gelten auch sogenannte Click-trough-Buchungen. Dabei werden über ein verbundenes Buchungssystem online mehrere Leistungen von verschiedenen Unternehmen innerhalb von 24 Stunden gebucht. Wichtig dabei: Die persönlichen Daten müssen nur ein Mal eingegeben werden.

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