FILE PHOTO: Man uses iPhone 7 smartphone to demonstrate mobile payment service Apple Pay at cafe in Moscow

© REUTERS / MAXIM ZMEYEV

Wirtschaft
07/25/2021

Weniger Bargeld? Wie das Zahlen der Zukunft aussehen wird

Österreicher hängen unverhältnismäßig stark am Bargeld. Dabei etablieren sich unzählige digitale Zahlungsmöglichkeiten. Doch es gibt noch Probleme.

von Anita Kiefer, Johannes Arends

78 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher nutzen trotz Pandemie im Jahr 2021 häufig Bargeld. Das ergab eine aktuelle Umfrage der Management- und Technologieberatung BearingPoint. Doch was heißt das für die Zukunft? Und löst digitales Zahlen nicht langsam aber sicher das Bargeld ab?

Krypto ja, Bargeld nein

"Die Tendenzen sieht man sehr gut", sagt Bernhard Krick, Geschäftsführer von OeNPAY, der Innovationstochter der Nationalbank. "Das Bargeld wird zusehends in den Hintergrund treten, digitale Zahlformen sich weiter durchsetzen. Das ist ein Trend, bei dem einige Staaten schon viel weiter sind."

Welche mobilen Payment-Lösungen sich schlussendlich durchsetzen werden, bleibe aber abzuwarten, so Krick. Dass die Digitalisierung mit dem Bezahlen auf oder durchs Smartphone aufhört, glaubt er jedenfalls nicht. „Es wird ja auch im Handel bereits an Lösungen gearbeitet, bei denen der Bezahlvorgang selbst in den Hintergrund rückt.“ Der Bezahlvorgang wird also kaum noch bemerkt, vergleichbar mit einer Buchung des Online-Fahrtendienstes Uber: Der Betrag wird im Nachhinein einfach vom Konto abgebucht.

Nur eben bald im Supermarkt. Amazon hat in Seattle schon einen solchen eröffnet – hier werden alle Produkte, die ausgewählt werden, digital erfasst. Auch bei Hofer hat man bereits über digitalisierte Kassen nachgedacht.

Was das Thema Krypto-Assets angeht, glaubt Krick, dass sich dieser Trend durchsetzen werde: „Ich glaube aber, dass nicht alle Kryptowährungen als Zahlungsmittel geeignet sind. Bitcoin, wie er heute ausgestaltet ist, ist nicht geeignet.“ Immerhin fehle Bitcoin Wertstabilität, Akzeptanz sowie eine verlässliche Recheneinheit – all dies sei für Zahlungsmittel aber essenziell. Dass Bargeld in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten verschwindet, glaubt Krick nicht. Das sei auch wichtig, um bestimmte Bevölkerungsgruppen nicht zu verlieren.

Wer bleibt außen vor?

Inklusion geht aber noch weiter: Aktuell sei die OeNPAY auch in Gesprächen mit der Erste Foundation über pflegebedürftige Menschen. „Wir suchen nach Lösungen, wie man diesen Gruppen einen besseren Zugang zu Zahlungsmöglichkeiten geben kann“, so Krick. Oft würden von dieser Bevölkerungsgruppe ja sämtliche Zahlungen über Bargeld abgewickelt – was mit Risiko verbunden und anfällig für Diebstahl ist.

Chancengleichheit ist auch ein Thema, in dem Konsumentenschützer ein Problem der Digitalisierung sehen. Denn ältere Menschen oder jene, die – aus welchen Gründen auch immer – keine digitalen Zahlungsmöglichkeiten nutzen möchten, tun sich schwer. Banken würden die Digitalisierung auch gern als Steuerungsmittel nützen, meint Bernd Lausecker, Finanzexperte beim Verein für Konsumenteninformation.

Denn wer seine Zahlungen nicht digital abwickeln möchte, der muss immer öfter und immer tiefer in die Tasche greifen – siehe Zahlscheingebühr. „Der Zahlungsverkehr ist eine Basisfunktion. Diese so einzuschränken, trotz aller Kostennotwendigkeit, dass Teile der Bevölkerung ausgeschlossen werden, sehe ich kritisch“, so Lausecker.

Eine weitere Sorge sei das Risiko der Kriminalität, so Arbeiterkammer-Finanzexperte Christian Prantner. So gebe es mit internationalen Unternehmen, die keine Repräsentanz in Österreich hätten, Probleme beim Kundenservice.

Die interessantesten Zahlungstrends im Überblick

Es gibt unterschiedliche Ideen und Ansätze, Zahlungen auf digitalem Wege abzuwickeln. Einige sind schon etabliert, andere noch in Kinderschuhen steckende Konzepte. Ein Überblick:

  • Mobile Payments
    Einfach statt der eigenen Bankomat- oder Kreditkarte das Handy vor den Scanner halten und damit bezahlen – das ist inzwischen mithilfe unterschiedlicher Apps relativ einfach möglich. So kann man in Österreich bereits seit April 2019 mit dem für Apple-Geräte exklusiven Programm Apple Pay bezahlen, auf Android-Geräten ist das über das Konkurrenzprodukt Google Pay seit November 2020 möglich.

    Damit das Zahlen mit dem Handy oder der Smart-Watch funktioniert, muss man eine gültige Zahlungsfunktion im eigenen Apple- oder Google-Konto hinterlegt haben, das ist via Kreditkarte, Lastschriftverfahren, vorab aufgeladenem Guthaben oder einem hinterlegten Konto des Zahlungsdienstleisters PayPal möglich.

    Erstmals großflächig eingeführt wurden mobile Payments in China. So wird der mit mehr als 500 Millionen Kunden weltweit größte Anbieter Alipay von der chinesischen Verkaufsplattform Alibaba vertrieben. Auch Chinas größte Social-Media-Plattform WeChat bietet den eigenen Zahlungsdienst WeChat Pay an.
     
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  • Bluecode
    Alle großen Mobile-Payment-Anbieter haben ihren Sitz in einer der beiden Weltmächte USA und China, für Europa ist das ein Warnsignal. Das österreichische Start-up Bluecode will sich dem entgegenstellen und ein eigenes, „europäisches Ökosystem“ für mobiles Zahlen zu etablieren. Bei vielen Händlern ist das schon heute möglich. Erst im April durfte sich das junge Unternehmen über Investitionen von rund 20 Millionen Euro freuen.
     
  • Digitaler Euro
    Der digitale Euro soll künftig Euro-Scheinen und -Münzen entsprechen, nur eben digital. Bezahlt werden soll dabei mithilfe einer digitalen Geldbörse, der sogenannten Wallet. Das geht so wie beim „Grünen Pass“ mittels Handy-Signatur. Beim digitalen Euro soll aber keine klassische Überweisung mehr über eine Bank stattfinden, es soll auch kein Warten auf die Überweisung mehr geben.

    Stattdessen soll der geschuldete Betrag direkt von der Wallet abgebucht werden, die Transaktionen passieren dann sofort. Geplant ist allerdings ein Grenzbetrag von maximal 3.000 Euro, die man vom eigenen Konto in digitale Euros umwandeln können soll.
     
  • Instant Payments
    Bei dieser Echtzeitüberweisung passieren Zahlungsvorgänge im Online-Banking innerhalb von maximal zehn Sekunden. Der Zahlungsempfänger kann also spätestens nach zehn Sekunden über den gutgeschriebenen Betrag verfügen. Solche Zahlungen sind 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche möglich. Europäische Finanzmarktteilnehmer haben sich im Rahmen des Euro Retail Payments Board (ERPB) für einen gemeinsamen Standard für Instant Payments ausgesprochen. Für Banken bedeutet die Umsetzung eine große technische Umstellung.
     
  • Request to Pay
    Dabei handelt es sich um die Zahlungsaufforderung durch den Zahlungsempfänger. Heißt: Der Zahlungsempfänger – etwa ein Handelshaus – schickt den Kunden eine Zahlungsaufforderung in digitaler Form. Diese enthält die Zahlungsinformationen, die ohne Umwege übernommen werden können.
     
  • EU Payment Initiative
    Ein einheitliches europäisches Zahlungsverfahren – das will die European Payment Initiative kreieren, dazu haben sich Banken und Zahlungsdienstleister aus verschiedenen Staaten Europas zusammengeschlossen. Es soll ein europäisches Zahlungsnetzwerk aufgebaut werden.
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