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Ein Haus mit Solarzellen am Dach.

© Huawei

Wirtschaft
01/06/2022

Grüner Wohnen: Was die Energiewende zu Hause kostet

Der Staat will private Investitionen in thermische Sanierungen, Heizungstausch und Fotovoltaikanlagen mit Förderungen ankurbeln.

von Martin Meyrath

Die Energiewende wird gerne als „Mammutaufgabe“ beschrieben. Denn nicht nur der Strom soll bis 2030 „grün“ werden, bis 2040 soll das Land CO2-neutral sein, inklusive dem Heizen. Viel zu bewegen bedeutet in der Marktwirtschaft, dass viel Geld fließt.

Manche der Aufgaben werden im großen Maßstab gelöst, andere Maßnahmen müssen aber von Einzelnen umgesetzt werden. Der Staat kann und wird die enormen Investitionen nicht alleine – also aus dem Geld der Steuerzahler – stemmen, die Politik muss also die Finanzvermögen der Österreicher dafür mobilisieren. Laut Zahlen der Nationalbank sitzen die österreichischen Haushalte immerhin auf einem Polster von knapp 800 Milliarden Euro. Allerdings, denn das liegt in der Natur der Vermögensbildung, ungleich verteilt.

Leistbarkeit

In Österreich gibt es laut Statistik Austria knapp vier Millionen Haushalte. Etwa die Hälfte der Häuser und Wohnungen hat Sanierungsbedarf, bis spätestens 2040 brauchen 1,6 Millionen eine neue, klimaschonende Heizung. Das Median-Nettoeinkommen eines österreichischen Haushalts beträgt 39.549 Euro pro Jahr. Die Hälfte hat also weniger zur Verfügung, ein Viertel weniger als 24.456 Euro (2.038 Euro pro Monat). Viele der Investitionen für die Energiewende entsprechen hier also etwa einem halben oder gar ganzen Jahreseinkommen. Sofern man nicht auf ein bestehendes Vermögen zurückgreifen kann, bedeutet das also auch bei längerfristiger Finanzierung eine erhebliche Anstrengung.

Die Vermögen sind in Österreich allerdings deutlich ungleicher verteilt als die Einkommen. Während die reichsten 10 Prozent über etwa 60 Prozent verfügen, liegt der Median bei 83.000 Euro – wohlgemerkt inklusive etwaigem Auto. Auch bei vielen Wohlhabenderen besteht das Vermögen oftmals zum Großteil aus der selbst bewohnten Immobilie und steht also nicht für Konsum oder Investitionen zur Verfügung.

Die Kosten für die Energiewende beim Wohnen variieren jedoch stark, je nach Zustand des Gebäudes. So sind beispielsweise Luftwärmepumpen eher für Häuser mit niedrigem Heizbedarf geeignet. Wenn Tiefenbohrungen nötig sind, steigen die Preise schnell an. Auch eine Teilsanierung, etwa die Fenster zu tauschen oder die Dämmung der obersten Geschoßdecke, kann sich auszahlen.

Um private Investitionen anzustoßen, gibt es staatliche Förderungen (siehe Illustration). Alleine für thermische Sanierung und Heizungstausch hat der Bund bis 2025 1,9 Milliarden Euro bereitgestellt. Dazu kommen noch Fördertöpfe von Ländern und Gemeinden. Die Zuschüsse von der Allgemeinheit sind also beträchtlich. Wer ein gutes Einkommen hat, kann sich so relativ viel von seinen bezahlten Steuern zurückholen. Einkommensschwache hingegen können höhere Förderungen beantragen. Liegt das Jahreseinkommen eines Ein-Personen-Haushalts unter 17.448 Euro pro Jahr (1.454 pro Monat), werden bis zu 100 Prozent der Kosten für Sanierung oder Heizungstausch übernommen.

Schönheitsfehler

Diese Maßnahme zur sozialen Verträglichkeit hat allerdings einen Schönheitsfehler: Eine moderne Heizungsanlage kann nur installieren, wer eine dafür geeignete Immobilie hat. Andererseits heizt beispielsweise etwa eine halbe Million Haushalte ihre Mietwohnung mit Gas. Wenn dieses durch die CO2-Bepreisung teurer wird, steigen die Kosten. Die Art der Heizung können die Betroffenen nicht bestimmen. Die Förderungen für die Eigenheimbesitzer bezahlen sie aber mit.

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