Fachkräfte für die Montage werden gesucht.

© Getty Images/AleksandarGeorgiev/iStockphoto

Wirtschaft
11/05/2021

Milliardengeschäft Fotovoltaik: Wer am Ausbau verdient

Bis 2030 soll die jährliche Produktion österreichweit um 647 Prozent steigen.

von Martin Meyrath

Die massivste Steigerung im Zuge des Ökostromausbaus soll im Bereich der Fotovoltaik stattfinden: Im Jahr 2019 wurden daraus österreichweit 1,7 Terawattstunden (TWh) Strom produziert. Bis 2030 sollen es 12,7 TWh sein (siehe Grafik).

Zwar wurde die Produktion im Jahr 2020 durch 17.000 neu errichtete Anlagen um etwa 20 Prozent auf zwei TWh gesteigert, um die Ausbauziele zu erreichen, muss das Tempo aber drastisch beschleunigt werden. Klimaschutzministerin Leonore Gewessler will Fotovoltaikanlagen auf „einer Million Dächern“.

Ob das realistisch umsetzbar ist, inwiefern Freiflächen-Anlagen notwendig sind und ob für die Montage ausreichend Fachkräfte gefunden werden können, ist strittig. Weitgehend geklärt ist aber, dass die Paneele installiert werden sollen.

33 Millionen Module

„Für die Produktion von einer TWh Strom pro Jahr ist in etwa eine installierte Kapazität von einer Million Kilowatt (kW) Spitzenleistung notwendig“, so Christian Mikovits von der Universität für Bodenkultur (Boku) zum KURIER. Moderne Module haben eine Spitzenleistung von 350 Watt. Drei davon haben also ein kW, so der Experte weiter. Für eine Strommenge von einer TWh pro Jahr braucht es demnach, salopp gerechnet, 3 Millionen Module mit je 350 Watt. Für das Ausbauziel von 11 TWh bis 2030 wären es also 33 Millionen Module.

Beim österreichischen Marktführer Kioto Solar aus St. Veit an der Glan sieht man „enormes Wachstumspotenzial“ im geplanten Fotovoltaikausbau. Gemeinsam mit der Mutterfirma Sonnenkraft investiert man derzeit 8,5 Millionen Euro in eine neue Produktionslinie. Bereits im ersten Quartal 2022 soll die tägliche Produktionskapazität auf 3.000 Fotovoltaikmodule - etwa genug für 300 private Eigenheimanlagen - pro Tag knapp verdoppelt werden.

Wertschöpfung im Land

Die Fotovoltaikbranche hat 2020 österreichweit 513 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Mit knapp 260 Millionen Euro entfällt etwas mehr auf die Hälfte der Wertschöpfung auf Österreich.

Nach Berechnung des Klimaschutzministeriums bedeutet das 2.755 Vollzeit-Arbeitsplätze. Etwa die Hälfte davon entfällt auf die Planung und Errichtung. Ein gutes Viertel (27 %) arbeitet in der Herstellung von Zusatzkomponenten und Wechselrichtern, die den hergestellten Gleichstrom in für die Netze geeigneten Wechselstrom umwandeln. Etwa 400 Arbeitsplätze gibt es in der Branche im Bereich Forschung und Entwicklung, in der Herstellung von Fotovoltaikmodulen sind nur etwa 170 beschäftigt.

Weltmacht China

Nur etwa 15 Prozent der 2020 in Österreich montierten Fotovoltaikmodule stammen aus heimischer Produktion, der Löwenanteil von 85 Prozent wird importiert (siehe Grafik). „Der Großteil ist aus China“ heißt es dazu bei der Branchenvertretung PV Austria auf Anfrage des KURIER, denn dort ist die Produktion deutlich billiger. Europäische Hersteller seien dabei nur insofern konkurrenzfähig, als manche Kunden gezielt ein europäisches oder österreichisches Produkt haben wollen.

Dabei ist auch zu beachten, dass die Paneele nur etwa ein Drittel der Kosten einer Solaranlage ausmachen. Der Rest entfällt auf Montage, Unterbau und weitere Komponenten. „Je größer die Anlage wird, desto mehr fallen die Modulkosten ins Gewicht“, heißt es bei PV Austria.

Bei der Gewinnung von Sonnenstrom liegt China weltweit klar in Führung. Die dort installierten Kapazitäten entsprechen etwa einem Drittel der weltweit installierten Leistung. Im vergangenen Jahr wurden in China Fotovoltaikanlagen mit 48 Gigawatt (GW) Spitzenleistung zugebaut, in der EU und den USA waren es jeweils knapp unter 20 GW.

China verfügt auch über mehr als 80 Prozent der Produktionskapazitäten für Solarzellen, aus denen Solarmodule gebaut werden. Sieben der zehn größten Firmen, darunter die Top drei, sind dort beheimatet.

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