Markus Müller erzählt von unhaltbaren Zuständen für die Fahrer während des Corona-
Lockdowns

© Christian Willim

Wirtschaft
07/10/2020

Vergessene Corona-Helden am Steuer: "Niemand hört uns“

Ein Gespräch mit einem Lkw-Fahrer über das Leben auf drei Quadratmetern und bittere Erkenntnisse aus dem Lockdown.

von Christian Willim

Markus Müller ist ein alter Hase hinter dem Steuer großer Brummer. 20 Jahre war der Vorarlberger im internationalen Fernverkehr unterwegs, seit zehn Jahren ist er das nur noch auf Österreichs Straßen.

Er weiß, wie hart das Leben seiner Kollegen aus Osteuropa ist, die als fahrende Lohnsklaven gelten. "Die kommen teilweise sechs Monate und länger gar nicht nach Hause", sagt der 50-Jährige. Eine EU-Reform soll das nun ändern.

Teil dieses Pakets ist es auch, dass Lkw-Lenker die Wochenruhe von 45 Stunden nicht mehr in der Kabine ihres Fahrzeugs verbringen dürfen. Eine Regelung, die es in mehreren EU-Ländern bereits gibt.

"In Italien wird das sehr streng kontrolliert. Da kann sogar das Fahrzeug konfisziert werden", weiß Müller, der das Kabinenschlafverbot begrüßt. "Wenn das kontrolliert wird, ist das Nomadentum innerhalb von zwei Monaten Geschichte", glaubt der Berufskraftfahrer.

Wohnen auf drei Quadratmetern

Die Wochenruhezeiten dürfen mitunter auf 24 Stunden verkürzt werden, allerdings nicht beliebig oft. In diesem Fall gilt die Regelung nicht. "24 Stunden auf drei Quadratmetern in einem Auto geht. Aber 45 Stunden bei so wie jetzt gefühlt 60 bis 70 Grad ist was anderes", weiß der Vorarlberger.

Der sieht allerdings nicht nur im internationalen, sondern auch im nationalen Fernverkehr Verbesserungspotenzial für seine Berufsgruppe. Die sei während der Corona-Krise mit unhaltbaren Zuständen konfrontiert gewesen. "So darf es nicht mehr sein", sagt Müller in Bezug auf eine mögliche zweite Welle, von der gerade alle reden.

Vergessene Helden

Im Lockdown waren die Lkw-Fahrer für die Aufrechterhaltung der Grundversorgung weiter unterwegs, dabei aber damit konfrontiert, dass sie aufgrund eingeschränkter Betriebszeiten an Tankstellen und Raststätten teilweise keinen Zugang zu warmen Mahlzeiten mehr hatten. Und zu sanitären Einrichtungen, Duschen und WC.

"Und das mitten in einer Pandemie, bei der es um Hygiene geht", schüttelt der 50-Jährige den Kopf. Mobile Toiletten ohne Warmwasser, wie sie stattdessen aufgestellt worden sind, wären da keine Alternative.

Die von der Asfinag betriebenen Rastplätze wie jenen bei Zirl in Tirol, an dem wir uns treffen, nimmt Müller ausdrücklich aus. Dort blieben die Sanitäranlagen auch während dem Lockdown geöffnet. Sie werden mehrmals täglich gereinigt.

Müller macht klar: "Unser Arbeitsplatz ist die Straße." Für den fordert er, dass es für ihn und seine Kollegen an Raststätten leistbare Mahlzeiten geben muss und kritisiert, dass fürs Duschen teilweise bis zu sechs Euro berappt werden müssen. "Aber niemand hört uns."

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