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Telekom-Prozess
02/22/2013

Angeklagte Ex-Vorstände sitzen noch auf Boni

Die Ex-Chefs zahlten nicht zurück, die Kursaffäre wird vor dem Obersten Gerichtshof landen.

von Andrea Hodoschek

Alle drei verdienten hervorragend, wurden großzügig abgefertigt und kriegen noch eine Firmenpension. Doch freiwillig rücken die in der Kursmanipulationsaffäre angeklagten Ex-Vorstände der Telekom AustriaHeinz Sundt (Chef), Stefano Colombo und Rudolf Fischer – ihre Boni nicht heraus. Die sie nur deswegen erhielten, weil der Broker Johann Wanovits den Kurs nach oben trieb und damit das Optionsprogramm für das Management schlagend wurde – 8,8 Millionen Euro in Summe.

Telekom-Revisionschef Christopher Schneck bestätigte am Freitag dass die drei Ex-Vorstände bis heute ihre Prämien weder zurückbezahlt noch treuhändig hinterlegt haben. Alle drei ließen sich die Boni auszahlen, sie hätten auch Aktien nehmen können. Pro Mann 392.719 Euro brutto, machte 196.359 Euro netto.

„Allein schon aus Gründen des Anstands wäre es selbstverständlich, die Ausschüttung aus dem idiotischen Optionsprogramm zurückzuzahlen“, empörte sich Anlagerschützer Wilhelm Rasinger. Die Argumentation, das wäre ein Schuldeingeständnis gewesen, hält er für „absurd“. Auch jene Mitarbeiter, die seit der Ausschüttung der Boni das Unternehmen verließen, weigern sich bis dato, zu retournieren. Der heutige Telekom-Chef Hannes Ametsreiter, der mit dieser Causa überhaupt nichts zu tun hat, hat dagegen seine 92.000-Euro-Prämie längst an die Telekom zurück überwiesen.

Nur der mitangeklagte Ex-Großkundenchef Josef Trimmel und der potenzielle Kronzeuge, Ex-Vorstand Gernot Schieszler, haben ihre Prämien refundiert. Der teilgeständige Fischer, der zugab, 500.000 Euro Entlohnung für den Broker in eine Studie an den Ex-Lobbyisten Peter Hochegger gepackt zu haben, hat allerdings diesen Betrag als Schadenswiedergutmachung abgeliefert.

Revisor Schneck widersprach übrigens vehement den Aussagen von Hochegger, er habe „immer eine Leistung“ für die Telekom erbracht und sprach dezidiert von Scheinrechnungen.

Das für Freitag angesetzte Urteil wird, wie der KURIER bereits berichtete, auf kommenden Mittwoch verschoben. Eines ist jetzt schon sicher: Unabhängig vom erstinstanzlichen Richterspruch werden Verteidiger und/ oder Staatsanwalt Hannes Wandl den Fall vor den Obersten Gerichtshof bringen.

Telekom

Vorstand treibt Kurs für stock options

Schieszler strebt den Kronzeugenstatus an. Bei einer Hausdurchsuchung wurde bei ihm ein schwarzes Notizbuch gefunden, in das er handschriftlich Aufzeichnungen machte. Richter Michael Tolstiuk schloss die Öffentlichkeit teilweise aus, teilweise wurde auch vor den Journalisten und Prozessbeobachtern vorgelesen.

Schieszler hatte in seinem Tagebuch eine "Shit list" über seinen Arbeitgeber, die Telekom Austria, geführt. Der für dieses Verfahren wichtigste Eintrag: "VST treibt Kurs für Stock Options". Damit belastet Schieszler den Telekom-Vorstand. Ein weiterer diesbezüglich relevanter Eintrag befasst sich mit der Rolle des - wegen Krankheit nicht angeklagten - Ex-Telekom-Prokuristen, der mit dem angeklagten Rudolf Fischer einen Auftrag für den Lobbyisten Peter Hochegger unterzeichnete. Dieser habe lange nicht unterschreiben wollen, daher habe er, Schieszler, mit ihm "einige Flaschen Wein" trinken müssen um ihn zu "überzeugen".

Weitere vorgelesene Einträge bestanden aus Namen, Geldsummen, Kürzeln und Andeutungen. Auch Walter Meischberger und PH (Peter Hochegger) kamen vor. "VST besticht Politiker" lautete ein weiterer Eintrag. In die Medien waren die meisten heute vorgelesenen Einträge bereits durchgedrungen.

Die Öffentlichkeit wurde auf Antrag von Staatsanwalt Hannes Wandl teilweise ausgeschlossen, weil schon die Erörterung der möglicherweise zu verlesenden Inhalte einen Eingriff in Schieszlers höchstpersönlichen Lebensbereich darstellen könnte. Journalisten und Kiebitze mussten eine halbe Stunde vor dem Gerichtssaal warten.

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