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Prozess um Kursschwankungen
02/21/2013

Wanovits soll Telekom-Versprechen verschwiegen haben

Am sechsten Tag des Prozesses um die Telekom-Kursaffäre sind Ex-Mitarbeiter der FMA am Wort.

Am heutigen sechsten Tag des Telekom-Prozesses rund um die Kursaffäre und Korruption gehen die Zeugenbefragungen weiter. Als erster Zeuge wurde ein früherer Mitarbeiter der Finanzmarktaufsicht (FMA) befragt, der den auffälligen Kurssprung der Telekom-Aktie am 26. Februar 2004 untersuchte. Die FMA hatte damals gegen den nun angeklagten Broker Johannes Wanovits ein Straferkenntnis wegen Verletzung des Ansehens der Wiener Börse über 12.200 Euro erlassen, das letztlich vom Verwaltungsgerichtshof (VwGH) aufgehoben worden war.

"Hätte ich das damals gewusst, dass Wanovits ein Vorteil von der Telekom versprochen wurde, wäre meine Empfehlung gewesen, das der Staatsanwaltschaft weiterzuleiten", sagte der Zeuge. Wanovits hatte das damals aber nicht gesagt. Wanovits hatte quasi in der letzten Minute mit einer großen Kauforder von 1,2 Millionen Aktien den Telekom-Kurs auf 11,73 Euro gehoben und damit den Kurs in der für das Manager-Prämienprogramm relevanten Beobachtungsperiode über die entscheidende Schwelle von 11,70 Euro gebracht.

Kein Zusammenhang feststellbar

Einen Zusammenhang zwischen dem Verhalten von Wanovits und der Telekom habe er nicht feststellen können. "Wanovits sagte, er handelt völlig auf eigene Rechnung". In einem Telefonprotokoll, das die deutsche Aufsicht Bafin lieferte, über ein Gespräch zwischen der Euro Invest und der Maple Bank sei einmal von einem "Kunden" die Rede gewesen. "Das hat Wanovits abgestritten".

Die Telekom hatte zur Absicherung des Manager-Optionsprogramms seit 2000 eine Option bei Merril Lynch gehabt, sie konnte sich dort mit Aktien zum Kurs von 9 Euro (Ausgabekurs, Anm.) eindecken. Die Telekom hat diese Option schon am 20. Februar gezogen und darüber eine Ad-hoc-Meldung veröffentlicht.

Wanovits habe ihm sein Handelsverhalten so erklärt, dass der Broker glaubte, dass der Stillhalter der Option in Bedrängnis komme, weil er die Stücke nicht habe. Davon wollte er, Wanovits, als Broker profitieren und er wollte daher am 26. Februar den Schlusskurs so fixieren, dass das Optionsprogramm auszuüben sei, der Stillhalter sich dann eindecken müsse und der Kurs dann steige. Diese Erklärung von Wanovits sei aber nicht schlüssig gewesen, denn die Telekom hatte die Option ja bereits am 20. Februar gezogen, so der FMA-Zeuge. Unabhängig vom Schlagendwerden des Optionsprogramms musste Merril Lynch also die Aktien liefern.

Index

Als zweiten Grund habe Wanovits genannt, dass die Telekom in einem Index höher gewichtet werde und er auch deswegen eine Kurssteigerung erwartet habe. Das sei Wanovits aber erst ganz zum Schluss noch eingefallen.

Grundsätzlich sei der Kursverlauf der Telekom-Aktie in den Beobachtungstagen nicht spektakulär gewesen, es sei eine "plätschernde Seitwärtsbewegung" gewesen, so der Zeuge.

Laut Wanovits-Anwalt Manfred Ketzer wurde in diesen Tagen ein "rechtswidriger Angriff" auf den Kurs der Telekom-Aktie unternommen. Dies versuchte er mit Orders der Deutschen Bank zu untermauern. Die FMA sei ihren Überprüfungspflichten damals nicht vollständig nachgekommen, fuhr der Anwalt schwere Geschütze gegen die Aufseher auf. Der Telekom-Vorstand habe - "zur Abwehr eines drohenden Schadens" - handeln müssen, versuchte der Verteidiger die ganze Aktion zu rechtfertigen.

Debatte um Schaden

Richter Michael Tolstiuk befragte daraufhin alle Angeklagten, ob sie damals je daran dachten, die FMA von diesen Überlegungen zu informieren und den angeblichen "rechtswidrigen Angriff" anzuzeigen. Dies wurde von den angeklagten Ex-Telekom-Managern verneint. Wanovits sagte: "Ich bin davon ausgegangen, dass der Vorstand einer börsenotierten AG zur Abwehr Aktien kaufen darf".

Zwischen Staatsanwalt Hannes Wandl und dem Anwalt entspann sich daraufhin eine Debatte, welchen Schaden denn die Telekom gehabt hätte, der abzuwehren gewesen wäre. Anwalt Ketzer bezeichnete die Optionsprämie gegenüber Merrill Lynch für ein Manager-Prämienprogramm, das nicht eingetreten wäre, als den Schaden der Telekom.

Kurze Befragung

Der zweite Zeuge am heutigen Verhandlungstag im Telekom-Prozess wurde nur kurz befragt. Er war von 2000 bis 2009 Geschäftsführer der Agentur Hochegger Financial, die im Eigentum des Lobbyisten Peter Hochegger stand. Über diese Gesellschaft wurde eine Zahlung an den nun angeklagten Broker Johann Wanovits in Höhe von 125.000 Euro abgewickelt. Die Zahlung war Teil der zweiten Tranche, mit der Wanovits aus Telekom-Mitteln bezahlt wurde. Wanovits hatte für seine "Hilfe" beim Aktivieren des Manager-Prämienprogramms von der Telekom insgesamt fast eine Million Euro als Belohnung erhalten.

Der Zeuge sagte aus, damals sei ein Eintritt der Hochegger Financial auf den osteuropäischen Beratermarkt besprochen worden. Als Kosten für eine Studie über die Risiken seien mit Hochegger 125.000 Euro vereinbart worden. Die Studie sollte aus Hocheggers Bereich kommen und sei auch erstellt worden. Hochegger habe ihn dann aber angewiesen, das Geld an ein Unternehmen zu zahlen. "Er hat mich angewiesen, das sei schuldbefreiend zu zahlen." Die Studie sei nur einmal bezahlt worden.

Vom Zusammenhang mit der Telekom-Kursaffäre habe er nichts gewusst. Hochegger habe öfters direkte Anweisungen gegeben. Auch die Buchhaltung sei über die Agentur Hochegger gemacht worden, so der Zeuge.

Gefallen für die Telekom

Die Hochegger Financial zahlte damals an das Unternehmen Donlon 125.000 Euro - Donlon ist ein Unternehmen von Wanovits. Die Donlon legte laut Anklage im November 2008 eine Rechnung über eine Studie zur "Entwicklung des SFX-Markts". Dieser Titel bzw. eine entsprechende Studie sei ihm völlig unbekannt, so der Zeuge.

Staatsanwalt Hannes Wandl zitierte Aussagen von Hochegger im Ermittlungsverfahren. Demnach will Hochegger zum Zeugen gesagt haben, er tue ihm und der Telekom damit einen Gefallen. Der Zeuge bestritt Hocheggers Angaben. Der Zeuge war übrigens schon für gestern geladen gewesen, die Ladung wurde aber nicht zugestellt, wie sich heute herausstellte, daher war er gestern nicht erschienen.

Noch kürzer verlief die Befragung der dritten Zeugin des heutigen Tages. Auch sie war - wie schon der erste Zeuge - bei der Finanzmarktaufsicht (FMA) mit der im Jahr 2004 erfolgten Prüfung des auffälligen Kurssprungs befasst. Ihr sei die Erklärung des Brokers Wanovits für seine Kauforder in letzter Minute am letzten Beobachtungstag des Mitarbeiter-Prämienprogramms schon damals "unglaubwürdig" vorgekommen, schilderte sie heute.

Telekom

Der Millionendeal

Für das Bonusprogramm, das den Telekom-Vorständen und 95 weiteren TA-Managern knapp 8,9 Millionen Euro brachte, musste der Aktienkurs in der letzten Februarwoche 2004 im Durchschnitt auf 11,70 Euro steigen. Da dies zu scheitern drohte, wurde der Broker Johann Wanovits beauftragt, den Kurs in die Höhe zu treiben.

Was mit dem Kauf von 1,2 Millionen Aktien in letzter Minute gelang. Die Vorstände Fischer, Sundt und Colombo kassierten je 392.719 Euro. Wanovits erhielt sein Honorar in bar, das Geld wurde über Scheinprojekte mit dem Lobbyisten Hochegger verrechnet.

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