Andritz hat die Analystenprognosen im dritten Quartal fast punktgenau getroffen

Andritz.

© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
07/29/2022

Andritz-Chef Schönbeck: Unterstützen Sanktionen, auch über Jahre

Ergebnis des Technologiekonzerns stieg um mehr als ein Fünftel auf 167,2 Millionen Euro.

von Anita Kiefer

Das Geschäft beim Grazer Technologiekonzern Andritz brummt, die Geschäftsentwicklung sei "sehr erfreulich". Das erklärte Neo-Vorstandsvorsitzender Joachim Schönbeck heute Vormittag vor Journalistinnen und Journalisten. "Besonders schön" sei, dass sich die gute Entwicklung "in allen vier Bereichen" niederschlage - also Pulp&Paper, Metals, Hydro und Separation. Der Konzerngewinn stieg gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 22,3 Prozent auf 167,2 Millionen Euro. Der Auftragsbestand legte um 33,2 Prozent auf 9,9 Milliarden Euro zu und erreichte per Ende Juni "einen neuen Höchststand".

Der Ordereingang wuchs um ein Drittel von 3,59 auf 4,77 Mrd. Euro an. Die Verkaufserlöse stiegen in den ersten sechs Monaten im Jahresabstand um 9,6 Prozent auf 3,32 Mrd. Euro. Der operative Gewinn (EBIT) erhöhte sich um 18,3 Prozent von 204,1 auf 241,5 Mio. Euro. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erzielte Andritz ein Ergebnis (EBITA) von 273,2 Mio. Euro - ein Plus von 14,9 Prozent.

Ausblick unverändert

Den Ausblick für das gesamte Geschäftsjahr 2022 ließ das Management - trotz Ukraine-Kriegs, Energiekrise in Europa, international angespannter Lieferketten und hochfliegender Inflation - unverändert. Bei Umsatz, EBITA und Konzernergebnis (nach Abzug von nicht beherrschenden Anteilen) wird "aus heutiger Sicht mit einem Anstieg gegenüber dem Vorjahr" gerechnet. Die Weltwirtschaft, insbesondere Europa, dürfte sich indes weiter abkühlen.

Die Projekt- und Investitionstätigkeit in den von Andritz bedienten Industrien sei jedoch "weiterhin gut", erklärte das Unternehmen unter Verweis auf sein "breites Produktportfolio", das unter anderem Bereiche wie erneuerbare Energie, Recycling und Biokraftstoffe bedient. In allen seinen vier Geschäftsbereichen zählt der Konzern laut Eigenangaben zu den Weltmarktführern.

Andritz unterstützt die Sanktionen

Zu den Sanktionen gegen Russland wegen der Invasion in der Ukraine hat Schönbeck eine klare Meinung: "Wenn sie helfen, die Krise beizulegen, unterstützen wir sie - auch emotional - gerne." Man unterstütze die Sanktionen "in jedem Umfang" und hoffe, dass "die Maßnahmen auch entsprechend wirken" und die Krise "kurzfristig" eingedämmt werden kann.

Sein persönlicher Optimismus für ein schnelles Kriegsende sei allerdings nicht sehr hoch. Das unterminiere jedoch die Sanktionstreue nicht - selbst, wenn der Krieg und die Sanktionen "über viele Jahre" gehen würden. Das eigene Russland-Geschäft habe man stark heruntergefahren.

In Sachen Energie hat Andritz laut Vorstandsvorsitzendem Schönbeck vorgesorgt: Bis Ende des Jahres sollte es gelingen, die Produktionseinheiten in Europa von Gas auf alternative Energien umzurüsten. "Wir sehen die Produktion nicht gefährdet", so Schönbeck. Es seien aber auch nur einige Dutzend Anlagen gewesen, die in Europa am Gas gehangen hätten, hier habe man schnell gehandelt.

"Wir stellen zwar energieintensive Anlagen her, deren Produktion ist aber nicht sehr energieintensiv", stellt Schönbeck klar. Anders sei die Situation bei den Heizungen für Büroräumlichkeiten und Betriebsstätten. "Hier haben wir die Umstellung nicht eingeleitet."

Joachim Schönbeck hat vor wenigen Monaten Wolfgang Leitner als Vorstandsvorsitzenden bei Andritz abgelöst. Leitner war 27 Jahre lang in dieser Funktion tätig.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare