Griechenland: Streik legt Fähren lahm

Greece Financial Crisis
Foto: AP/Petros Giannakouris

Die Griechen protestieren wieder: Auch Ärzte streiken wegen des harten Sparprogramms.

Wegen des harten Sparprogramms, Personalmangels und erheblicher Kürzungen soll es am Donnerstag und Freitag in Griechenland zu einer Streikwelle kommen. Betroffen werden vor allem der Bereich Gesundheitswesen und Fährverkehr sein.

Striking workers gather at the entrance of a bus d Foto: Reuters/JOHN KOLESIDIS Die griechischen Ärzte werden am Donnerstag für 24 Stunden nur Notfälle behandeln. "Uns fehlen 6.000 Krankenhausärzte", hieß es unter anderem in einer Erklärung des Ärzteverbandes der griechischen Hauptstadt am Mittwochmorgen. Der Staat habe kein Geld, um neue Ärzte einzustellen. "Das Personal ist überfordert", sagte der Arzt Giorgos Tagaris aus der griechischen Hafenstadt Patras der Nachrichtenagentur dpa. Auch die Praxisärzte wollen am Donnerstag und Freitag nur noch gegen Barzahlung Patienten untersuchen. Die staatliche Krankenkasse EOPYY habe sie seit mehr als zwei Monaten nicht mehr bezahlt.

Am Donnerstag werde es in Athen keine Busse geben und die staatliche Eisenbahn OSE solle nicht fahren. Zudem werde keine Fähre aus Piräus zu den Inseln der Ägäis auslaufen, teilte die Seeleutegewerkschaft mit. Die Seeleute, die bei den Fähren beschäftigt sind, protestieren gegen erhöhte Steuern und hohe Arbeitslosigkeit.

Zentralbank-Chef optimistisch

Die kriselnde griechische Wirtschaft ist dem Chef der griechischen Zentralbank zufolge über den Berg. "Ich glaube, das Schlimmste ist vorüber. Wir können optimistischer sein", sagte Giorgos Provopoulos am Dienstag in einem Video-Interview der Financial Times. Obwohl für dieses Jahr ein Rückgang der Wirtschaftsleistung von bis zu 4,5 Prozent erwartet werde, habe das Land psychologisch die Wende geschafft. Alle Vorgaben des Hilfsprogramms seien vom Gesetzgeber erfüllt worden und die Regierung setze alle Punkte immer schneller um, sagte Provopoulos. Das Land steht seit geraumer Zeit am Rande einer Staatspleite. Die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds haben eine Sparpolitik zur Bedingung für dringend benötigte weitere Finanzhilfen gemacht.

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen hat sich indes skeptisch zur Finanzlage Griechenlands geäußert. "In Griechenland ist die Situation so, dass sie schon zwei Drittel des Marathons gelaufen sind", sagte Asmussen. "Aber jeder weiß, dass dann bei einem Marathon das schwerste Stück noch vor einem liegt." Das Land habe seit Ausbruch der Krise mehr als 20 Prozent seines BIP verloren. "So etwas haben wir in Europa zuletzt nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in einigen Transformationsländern gesehen."

Hintergrund

U-Bahn-Fahrer im Streik

Nach Tagen des Streiks will die Regierung in Athen die U-Bahnfahrer nun zum Dienst zwingen: Die öffentlichen Angestellten müssen nun zur Arbeit zurückkehren, oder sie wandern ins Gefängnis. Bereitschaftspolizisten haben am vergangenen Freitag sogar ein von streikenden Arbeitern besetztes U-Bahn-Depot gestürmt.  Mindestens zehn U-Bahn-Mitarbeiter seien festgenommen worden. Eine Frau sei mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden.
  "Die Gewerkschaft der U-Bahnfahrer wollte eine blindwütige Konfrontation", begründete der griechische Transportminister Kostis Chatzidakis die Maßnahme im griechischen Fernsehen. Die Gewerkschaft weiderum zeigte sich empört. "Es ist eine Junta. Die werden uns hier tot rausholen", sagte der Chef der U-Bahnfahrer, Antonis Stamatopoulos, im Fernsehen. Dutzende Mitglieder der Gewerkschaft hatten sich bereits am Donnerstag in der Zentralbahnhofsgarage der U-Bahn versammelt und verbarrikadiert. Die Streiks hatten in den vergangenen Tagen ein Verkehrschaos in der Hauptstadt ausgelöst. Beim Sparprogramm der Regierung drohen den U-Bahnfahrern nach Gewerkschaftsangaben Gehaltskürzungen von bis zu 25 Prozent. Bisher gehörten sie zu den privilegierteren Angestellten im staatlichen Bereich. Aus Solidarität zu den U-Bahnfahrern kündigten die Gewerkschaften der Busse und Straßenbahnen einen Streik für Donnerstagnachmittag und Freitag an. Ähnliche Zwangsmaßnahmen waren in den Vorjahren bereits gegen Straßenreinigungskräfte und Fernfahrer angewendet worden. Die Gewerkschaften hatten Widerstand gegen die Anordnung der Regierung angekündigt. "Wir werden nicht nachgeben, wir werden standhalten", erklärte ein Sprecher der Arbeitnehmervertreter.
(apa/dpa / ep) Erstellt am
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