Hoffnung auf Wachstum lebt

SWITZERLAND WEF 2013 DAVOS
Foto: APA/LAURENT GILLIERON Die Schuldenkrise in Euroa war dominierendes Thema am Weltwirtschaftsforum in Davos.

Keine Regierung dürfe im Kampf gegen die Schuldenkrise nachlassen.

Zum ersten Mal seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor mehr als fünf Jahren ist das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos wieder im Zeichen der Hoffnung auf neues Wachstum beendet worden. Führende Politiker sowie Finanz- und Wirtschaftsexperten riefen die Staaten auf, im Kampf gegen die Schuldenkrise nicht nachzulassen.

Die Erholung der vergangenen Monate stimme optimistisch, sei aber insgesamt noch zu fragil, warnte am Samstag die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde. Keine Regierung - von den USA über Europa bis nach Japan - dürfe bei den Bemühungen um Budgetkonsolidierung Verschnaufpausen einlegen, forderte sie bei einer abschließenden Podiumsdiskussion über die globalen wirtschaftlichen Aussichten für 2013.

Wie im Vorjahr war die Euro-Schuldenkrise ein Hauptthema des am Mittwoch eröffneten Treffens von rund 2.500 führenden Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Daran beteiligten sich auch wieder fast 50 Staats- und Regierungschefs, unter ihnen Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel und der britische Premierminister David Cameron.

Bankenunion, Bankenaufsicht

Lagarde betonte am Abschlusstag - ähnlich wie zuvor der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi - die Notwendigkeit einer Bankenunion und einer gemeinsame Bankenaufsicht in Europa und plädierte für eine gemeinsame Einlagensicherung. Sie schließe sich auch der in Davos erhobenen Forderung Merkels an, mehr für die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Europas zu tun.

Zugleich warnte Lagarde vor einem zu harten Sparkurs. Die Budgetkonsolidierung müsse in einem geeigneten Tempo erfolgen durchgeführt werden, weil sonst Wachstum abgewürgt werden könnte. Deshalb sei der IWF auch dafür gewesen, Griechenland zwei Jahre mehr Zeit einzuräumen.

Der Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD), Angel Gurria, erklärte, es stünden mittlerweile keine zusätzlichen Instrumente zur Krisenbewältigung mehr zur Verfügung. Strukturelle Reformen müssten konsequent weitergeführt werden, wenn ein Rückfall in die Krise verhindert werden soll.

Arbeitslosigkeit

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hatte zum Auftakt des 43. Weltwirtschaftsforums gewarnt, die Zahl der Arbeitslosen werde 2013 trotz aller Bemühungen um rund fünf Millionen auf mehr als 202 Millionen steigen. "Die Unsicherheit über die konjunkturelle Entwicklung und unzureichende Gegenmaßnahmen der Politik schwächen die Nachfrage und bremsen Investitionen und Neueinstellungen", erklärte ILO-Chef Guy Ryder.

Europäische Politiker verteidigten in Davos harte Sparprogramme, obwohl sie in einigen Ländern zunächst zu mehr Arbeitslosigkeit führten und weite Teile der Bevölkerung darunter leiden. Der Teufelskreis der Verschuldung könne nur durch ausgeglichene Budgets durchbrochen werden, sagte Italiens Finanzminister Vittorio Grilli am Freitagabend bei einem Podiumsgespräch. Der spanische Wirtschaftsminister Luis De Guindos erklärte, der politische Wille für den Erhalt der Gemeinschaftswährung sei weiterhin sehr groß.

Bilder: Davos, die Festung in den Alpen

Für fünf Tage mutiert Davos wieder zum Nabel der kapitalistischen Welt. Ein Blick in die Schweizer Alpen.  "Resilient Dynamism“, zu Deutsch: "Widerstandsfähige Dynamik". Unter diesem sperrigen Slogan treffen sich Spitzenpolitiker und Topmanager aus aller Welt wieder zum "World Economic Forum", kurz WEF. Die Jahrestagung (23.-27. Jänner 2013), bei der Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur über aktuelle weltpolitische Probleme debattieren, findet heuer bereits zum 43. Mal statt. (Bild: Schauspielerin Charlize Theron) Veranstaltungsort ist seit jeher das 11.000-Einwohner-Städtchen Davos in Graubünden. Beschaulich, möchte man meinen. Doch ein Blick hinter die Kulissen der Weltbühne zeigt auch ein anderes Bild. Denn während Mitarbeiter die letzten Vorbereitungen treffen und... ... jeder Winkel noch auf Hochglanz gebracht wird,... ...nehmen im Freien Männer mit anderen Kalibern Stellung.
  Hier patrouilliert ein Schweizer Soldat hinter Stacheldraht mit Fernglas. Nicht der einzige. Insgesamt werden mehr als 5000 Schweizer Polizisten und Soldaten Flugplätze, Straßen und Gebäude sichern. Damit dann beim "jährlichen Klassentreffen der globalen Eliten im Schnee", wie die Neue Zürcher Zeitung die Tagung nannte, auch nichts passiert. Hochbewacht, das Herzstück der Veranstaltung: das Kongress-Zentrum. Um die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten, werden zudem Kampfjets den Luftraum überwachen (Ein Eurocopter 635 der Schweizer Armee setzt zur Landung an). Auch das Österreichische Bundesheer ist im Einsatz: Eurofighter werden sicherstellen, dass sich keine unbekannten Flugzeuge über dem Territorium Österreichs dem Konferenzort in der Schweiz nähern können. Österreich wird übrigens diesmal nicht so hochrangig vertreten sein, dasselbe gilt für die USA und China.
 

(apa, dpa / js) Erstellt am
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